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Der Israelit · 1890-07-31 · Heft 60 (31.7.1890) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 60 (31.7.1890)
Date
1890-07-31
Page
– (sequence 5)
Language
German
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1097 Etn einfaches Abendessen vereinte noch zum Schluffe die Vertreter der verschiedenen Bezirke, mit den Mitgliedern des Synagogenraths in Offenburg und eine Versteigerung des Tischgebets durch Herrn Bezirks-Rabbiner Dr. Rawicz ergab den Betrag von 60 M. für die Vereinskasse. München, im Juli. Hiesige Blätter bringen theils gehässige, theils spöttische Artikel über die Juden von Mergentheim, die ihren Rabbiner verklagt haben, weil er am Sabbat öffentlich eine Cigarre rauchte. Auch wir können uns eines Ausrufes des Staunens nicht enthalten. Was muß das für eine Gemeinde sein, in welcher dergleichen Vorkommen kann. Oester r. - U n g a r. Monarchie. Wien, 21. Juli. Der emert. Krakuncr Rabbiner Dr. M. Duschak, der die jüdische Literatur durch viele gelehrte Schriften bereichert hat, ist heute hier im Alter von 74 Jahren gestorben. Galgoez (Freistadtl) an der Waag, 25. Jnli. Im Jahre 1848 wanderten von hier zwei jüdische Goldarbeitergehilfen, Adolf und Anton Wallach, nach New-Aork aus, um dort ihr Brod zu suchen. Das Glück lächelte ihnen in der neuen Welt und konnten sie auch bald darauf in New-Iork eine Goldkettenfabrik errichten, die sich eines Weltrufes erfreute. Vor sieben Jahren zogen sie sich nun vom Geschäfte zurück und übergaben dasselbe ihren beiden Neffen, Samuel und Nathan Wallach. Beide Brüder verwenden heute ihre freien Stunden und ihre erworbenen Reichthümer, um Wohlthaten zu üben und haben sie soeben auch der hiesigen Gemeinde 5000 Gulden zur Rcnovirung ihrer Synagoge gespendet. Dr. Carl Bettel he im, Rabbiner in Baltimore, ein Sohn unserer Gemeinde, verbringt die heiße Jahreszeit in seiner alten Heimath. Leoben in der Steiernlark, 25. Jnli. Am vergangenen 1. Mai machten sich in dem nahe von hier gelegenen Dorfe Freßnitz sechs Bauernbursche, die der ehrenhaften Gilde der Antisemiten angehören, spät um Mitternacht den grausamen Scherz, daß sie das Haus des dortigen jüdischen Krämers. Ignaz Rosen, stürmten, und daselbst mit dem Rufe: „Nun muß der Jude gehängt werden! An den Galgen mit dieser ganzen Judenbrutl rc. rc." die Fenster und Thüren zu demoliren begannen. Diese sechs Schüler Schönerer's und Böckel's standen nun diese Woche vor Gericht und erhielten längere Freiheitsstrafen. Dies wäre nun sehr schön, wenn nicht der arme Jude, der eine Familie zu ernähren hat, in der genannten Nacht durch den überstandenen Schrecken den Verstand verloren hätte. Der Arme befindet sich jetzt im Jrrenhause. Italien. Rom. König Humbert hat die von dem berühmten Bildhauer Andreoni angefertigte Statue „Rebekka" (Jsak's Gattin) für die Kunstsammlungen des Quirinals erworben. Frankreich. Paris, 14. Juli. Meinem Versprechen nachkommend , berichte ich heute den geehrten Lesern Ihres geschätzten Blattes Einiges über Angelegenheiten der hiesigen jüdischen Gemeinde. Ich beginne mit der augenblicklich die hiesige jüdische Welt beschäftigenden, oder vielmehr nicht beschäftigenden Tagesfrage -. Der Wahl des zukünftigen Groß-Rabbincn von Paris. Bekanntlich wurde der bisherige Oberrabbincr Herr Z. Kahn zum Groß- Rabbiner von Frankreich berufen und ist in Folge dessen der Posten des Groß - Rabbinat von Paris vakant. Bemerkenswerth ist die Thatsache, daß die zwei großen rv^np der zwei größten Hauptstädte Europas momentan ohne geistliches Oberhaupt sind. Während aber an der Themse darüber gestritten wird, wieviel Macht und Recht dem zu ernennenden Chief-Rabbi in Bezug auf religiöse Entscheidungen belassen werden soll, indem daselbst eine DecentralisationStendenz stark zu Tage tritt, fehlt es hier an jedwedem Programm für die bevorstehende Wahl des Groß-Rabbinen und läßt das sowohl in politischer, als in religiöser Beziehung in Frankreich stark ausgeprägte Centralisationssyftem es nicht zu, Conwetenz und Autorität des geistlichen Mitgliedes der Consistorialbehörde in Frage zu stellen. Zu meinem Bedauern muß ich konstatire», daß die Ernennung des neuen Oberrabbiners bei der großen Masse des jüdischen Publikums dahier kaum ein anderes Interesse als die Befriedigung einer gewissen Neugierde wachgerufen. Wohl spricht man zuweilen von diesem oder jenem Candidaten und von seinen Chancen, von seinem Rednertalente rc. weniger jedoch, oder fast nie von seiner bisher verfolgten religiösen Richtung oder von den Hoffnungen und Erwartungen, die sich in Bezug auf nttn-rpn uroiBN an die Berufung des Einen oder des Andern knüpfen. Sicher finden sich auch gesinnungstüchtige Männer in der Gemeinde, die sich für die Entscheidung dieser höchst wichtigen Angelegenheit interessiren und die es sehnlichst wünschen einen Mann an der Spitze der r6np berufen zu sehen, welcher dem religiösen Elemente die ihm gebührende Achtung und Auf-

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