Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 59 (28.7.1890)
- Date
- 1890-07-28
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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1077 Hadernhändler Schwarz kehrte eines Nachts auf seinem eigenen Wagen von Nadszeg heim. Auf der Landstraße wurde Schwarz plötzlich von einem ihm unbekannten Manne angchalten und ersucht, ihn auf seinen Wagen aufzunehmen. Schwarz, ein fast 70jähriger Greis, willfahrte ohneweiteres der an ihn gerichteten Bitte. Kaum waren die Beiden die Landstraße entlang einige Minuten weilergefahren, so fiel auch schon der Unbekannte über Schwarz her und tödtete ihn durch einige wuchtige, auf dessen Kopf geführte Hiebe mit einem Knüttel, worauf er ihn seiner Baarschaft im Betrage von 4 fl. 50 kr. beraubte. Die Pferde zogen den Wagen sammt der darauf befindlichen Leiche bis nach Galantha, wo sie gewohnter Weise vor dem Hause des Schwarz stillstanden. Die Gendarmerie eruirte schon am nächsten Tage den unterstandslosen Taglöhncr Michael Naszados als den Thäter, der nun des an Schwarz begangenen vorsätzlichen Mordes nach § 279 durch die hiesige Staatsanwaltschaft angeklagt erscheint. Naszados leugnet hartnäckig, Schwarz ermordet zu haben. Zur Schlnßverhandlung, welche noch Freitag beendet werden soll, sind 14 Zeugen citirt. Rumänien. Jassy. Während bei allen Nationen die ftudirendc Jugend der eifrigste Pflege des nationalen Gedankens ist, hat sich die jüdische studirende Jugend Rumäniens zu den schlimmsten Feinden des Judenthums gesellt. Die chaotischen Zustände in den jüdischen Gemeinden Rumäniens. besonders in der größten, in der Gemeinde Jassy's, in Folge des Druckes unter der Regierung Bratiano's, drängten schon vor längerer Zeit dazu, die Regierung um Schaffung eines jüdischen Gemeindestatutes anzugehen. Die mehr tolerante junimiftische Partei, die jetzt die Zügel der Negierung in Händen hat, zeigte sich auch geneigt, diesem allgemein gehegten Wunsche nach Abstellung der Mißbräuche und endgiltiger Regelung der jüdischen Gcmeindcangelcgcnheiten wenigstens halbwegs cntgegcnzukommen. Da machte die jüdische studirende Jugend der Bukarester Universität durch einen Ausruf, in welchem sie gegen dieses Vorhaben der Negierung protcstirte, die Hoffnung auf eine Vessergestaltung unserer Gemeindeverhältniffc wieder zu Schanden. In diesem Schriftstücke, das sich „Manifest der gebildeten Jugend" betitelt, wird der Wunsch nach Abstellung der bisherigen Mißbräuche im jüdischen Gemeindewesen zu einem rückschrittlichen unpatriotischen Streben gestempelt, das nur darauf abziele, die Assimilirung der Juden mit der rumänischen Nation zu verhindern, indem die Consolidirung der jüdischen Gemcindeaugelegenheiten die Scheidewand zwischen Inden und Rumänen nur noch mehr verdichten würde und einfach blos im Interesse der jüdischen Reichen gelegen wäre, um sich der Herrschaft über die jüdischen Massen bemächtigen zu können. Selbstverständlich, daß dieser „Aufruf" in der collectiviftischen Presse ein vielstimmiges Echo fand. Aber während unsere Feinde über die im jüdischen Lager herrschende Zwietracht sich schadenfroh die Hände reiben und ihre semitischen Gesinnungsgenossen mit sehr zweifelhaften Lobeserhebungen überschütteten, mußten sich in besser gesinnten rumänischen Kreisen die Frage aufdrängen, ob nicht diese halbgebildete, vom modernen Sozialismus angefressene Bukarester jüdische Jugend, statt, wie sie vorgibt, ein culturelles Element zu sein, vielmehr nicht nur ein Krebsschaden am jüdischen Körper, sondern auch eine ernste Gefahr für die rumänische Nation sei. Und es wurden in der That in der gcsinnungstüchtigen Presse solche Bedenken laut. Diese durch den „Protest" veranlaßte vorzeitige Beutilirung der Frage in der Presse hat aber der Regierung Verlegenheiten bereitet, und sie wird vorderhand in der Sache gar nichts thun, um die Opposition nicht noch mehr herauszufordern. Abgesehen jedoch von den Eonsequenzen zeigt der „Protest" an und für, wie tief das geistige und moralische Niveau der jüdischen Gemeinden Rumäniens gesunken ist, wenn die Interessen des Judenthums kerne Anziehungskraft mehr auf die Jugend auszuüben vermögen, und in dieser entarteten Jugend ein verächtliches Rcnegatenthum aufwächst. England. London, 25. Juli. Gestern fand im Bcrathungszimmer der United Synagogue eine Versammlung der Delegirten der verschiedenen hauptstädtischen und Provinzial-Synagogen in Betreff der Wahl eines neuen Chief Rabbi statt. Nach langen und ziemlich heftigen Debatten wurde beschlossen, „1. den Präsidenten der Ilniteä synagogue zu ersuchen, die nöthigen vorbereitenden Schritte zur Erwählung oder Ernennung eines Chief Rabbi einzuleiten, ebenso den Modus der Wahl oder der Ernennung und alle damit zusammenhängenden Einzelheiten zu bestimmen; 2. daß es wünscheuswerth sei, daß der Chief Rabbi in der Nähe des Last Luck, in welchem Stadttheile gegenwärtig die meisten Juden wohnen, seinen Wohnsitz nehme, und 3., daß der neuerwählte Chief Rabbi oder ein Vertreter desselben die Provinzgemeinden öfter besuche als es bisher geschehen ist."