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Der Israelit · 1890-07-28 · Heft 59 (28.7.1890) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 59 (28.7.1890)
Date
1890-07-28
Page
– (sequence 2)
Language
German
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1074 gar die beste Schlachtart sei, auch vielleicht die schmerzloseste, die wir hätten, jedenfalls den Vorzug vor allen sonst üblichen Schlachtarten verdiene, was besonders betont werden müsse. Außerdem hat sich der Verband der Fleischerinnungen durch seinen Vorstand an den Reichstag gewendet mit dem Bemerken, daß, falls die Bestrebungen der Thierschuhvereine im Reichstag günstig beurtheilt werden sollten, darin eine schwerwiegende Beschränkung ihres Gewerbebetriebes liegen würde." Der Abgeordnete Brömel verurtheilte das ganze Gebühren des deutschen Thierschutzvcrbandes in jener Reichstagssitzung mit folgenden Worten: „Meine Herren, mir ist selten ein Fall vorgekommen, wo allgemein aufgestellte Behauptungen so gründlich und schlagend widerlegt worden sind, wie die in der Petition der deutschen Thierschutzvereine aufgestellten Behauptungen, daß das jüdische Schächten in hohem Maße eine Thierquälerei enthalte. Es ist den Mitgliedern des Hauses unter anderen lehrreichen Druckschriften auch eine Zusammenstellung der Gutachten zngcgangen, welche in dieser Frage von den hervorragendsten Autoritäten aus dem Gebiete der Veterinärwissenschaft erstattet worden sind, und aus dieser Zusammenstellung ergibt sich, daß die 55 Gutachten, welche von Professoren der Phisiologie an den Universitäten Deutschlands und des Auslandes und von einer Reihe anderer Autoritäten, sodann von einer Kommission des Königl. sächsischen Ministeriums des Innern erstattet worden sind, — alle diese Gutachten ohne eine einzige Ausnahme erklären, baß bei dem rituellen Schächten mit irgend einem Scheine des Rechts von Thierquälerei nicht die Rede sein könne. Meine Herren, das ist doch eine so scharfe, schlagende Widerlegung der in der Kommission vorberathenen Petition in einem wichtigen Punkte, daß, wie ich meine, wir zu dem Beschlttß komrnen müssen, diese Petition enthält in ihrer Gesammtheit nicht ein Material, welches als eine unanfechtbare zuverlässige Grundlage für einen Beschluß des Hauses angesehen werden kann." Es ist nun begreiflich, daß man nach einem solchen Fiasko einen anderen Weg einschlagen muß, wenn man sich nicht von vornherein unmöglich machen will. Deßhalb erläßt der Vorstand des deutschen Th.-Sch.-Vcreins nunmehr einen „Aufruf und Bitte," in welchem das Schächten mit keinem Sterbenswörtchen erwähnt ist. „Es handelt sich um die ganz unnöthigen Martern, welche im deutschen Reiche beim Tödten von über 100,000 Schlachtthieren täglich verübt werden. DieseMarternkönnenleicht vermieden werden durch die Betäubung der kleinen wie der großen Schlachtthiere mittelst Beil sch lag, Sch lacht maske oderandererzweckmäßigerBetänbungsinstrum ente." Das ist doch ein sehr harmloses Verlangen, das gewiß Niemand den armen Thieren abschlagen wird, wenn er nicht als Thierfeind verschrien sein will. Als Judenfeind, was allerdings in vieler Augen nicht so schlimm wäre, kann man dadurch doch füglich auch nicht gelten, wenn man den Schlachtthieren einen Beilschlag vor der Tödtung applicirt. Wenn nun der fromme Wunsch des deutschen Th.-Sch.-Verbandes endlich verwirklicht, daß jede * Schlachtung ohne vorherige Betäubung strafgesetzlich als Thierquälerei bestraft würde, so wäre er flugs bei der Hand, um auch dem Schächten den Garaus zu machen. Denn nun hätten sie endlich das so lange vergeblich gesuchte Kriterium der Thierquälerei beim Schächten glücklich gesunden, da hier jede vorherige Betäubung religionsgesetzlich den Juden untersagt ist. Wenn aber die Juden gegen dieses Ansinnen von vornherein Front machen wollten, weil sie ohne prophetischen Blick die Folgen ahnen, so hätten sie sofort hundert gegen eins das Lamento von der jüdischen Anmaßung zu gewärtigen, die nicht nur ihre eigene Schlachtart haben will, sondern auch den Nichtiuden das Recht streitig machen möchte, ihre Thierc nach der von den Thierschützern angepriesenen Methode zu tödten. Ihrer Schlauheit haben nun aber die Herren Thierschützer die Krone aufgesetzt, indem sie den Juden Folgendes abgesehen haben. Die Letzteren haben ihren Erfolg zu Gunsten des Schächtens besonders den Gutachten hervorragender Veterinäre und Physiologen zu verdanken. Wenn ein halbes Hundert klangvoller Namen solches zu Wege bringt, was müssen dann zweihundert nicht minder klangvolle Namen dem angeblichen Schutz der Thiere erst für Erfolge bringen! Sie ließen deßhalb ihren „Aufruf und Bitte" von ca. 200 Männern unterzeichnen, die zum Theil in der That zu den gefeiertsten zählen. Wir finden unter denselben die höchsten Würdenträger der Kirche, der Armee, hochangesehene Verwaltungsbeamte, Reichstagsmitglieder aller Fraktionen, Schriftsteller, Maler und verschiedene andere Stände, welche alle aufrufen und bitten, „das Volksgewissen zu wecken, damit das unnöthige Todtmardern unserer Schlachtthiere allgemein als ein Unrecht erkannt werde, obwohl cs bis jetzt nicht durch das Gesetz verboten ist." Wer sollte einem solchen Aufruf sich nicht anschließend Wir Juden, die wir den ersten Verein zum Schutze der Thiere aus Gottes Erde repräsentiren, müssen einer solchen Bitte von ganzem Herzen das Wort reden und haben derselben in der That bereits so voll und ganz entsprochen, daß nach dem Zeugniß des deutschen Reichstags bei unserem Schlachtversahren mit keinem Schein von Recht von einer Thierquälerei die Rede sein kann. Die Frage ist und bleibt nur, ob aus dem von den Thürschützern vorgeschlagenen Wege das gesteckte Ziel sich wirklich erreichen läßt. Ob eine Betäubung der großen und kleinen Schlachtthiere wirklich die Qualen der Thiere mildert, ob, wenn dies der Fall ist, dieselbe technisch möglich und aus-

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