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Der Israelit · 1890-07-24 · Heft 58 (24.7.1890) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 58 (24.7.1890)
Date
1890-07-24
Page
– (sequence 10)
Language
German
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rechnung, Furcht oder Halbheit die Thatsache dieser Absage und dieses Protestes bei der Eröffnungsfeier zu verschleiern versuchte, so ist es doch evident, daß diejenigen, welche die Mittel zur Errichtung der New-Dorker Schule aufgebracht haben, damit einen entschiedenen Protest gegen die ausschweifende Reform bethätigen wollten, wie es nicht minder evident ist, daß der eigentliche Leiter der Anstalt, den Gegensatz zu dem Reformprinzip als deren Grundtendenz damals rückhaltlos ausgesprochen hat. Die in der Unterstadt New - Jork's in großer Anzahl wohnenden aus Rußland und Polen stammenden Juden erkannten aber die Nothwendigkeit, umfassender Weise für die Erhaltung, Kräftigung und Wiederbelebung des gesunkenen jüdischen Geistes Sorge zu tragen, Sie sahen die drohende Gefahr und entschlossen sich zur kräftigen Abwehr. Es war ihnen zum Bewußtsein gelangt, daß wenn sie jetzt nicht für das heilige Erbe einstehen würden, ihre Kinder dessen unrettbar verlustig gehen müßten. Sie halten bislang kleine Vereinigungen, Chewroth, gestiftet, die unter einander keinen Zusammenhang unterhielten und deßhalb zu schwach waren, nm den gebieterischen Anforderungen zu entsprechen, von deren Erfüllung das Heil der Zukunft bedingt war. Sie entbehrten vor Allem einer kraftvollen Leitung, eines einsichtigen und kundigen Oberhauptes, und darum traten die vielen kleinen Genossenschaften zu einem Bunde zusammen, um unter der Führung eines gemeinsamen Oberhauptes echt jüdischen Geist zu pflanzen und zu pflegen, auf daß echt jüdisches Leben erhalten bleibe und wiederum einziehe in das Haus und die Gemeinde. Getragen an dem begeisterten Entgegenkommen der Mitglieder dieses großen Bundes hat der aus Rußland nach New- Aork berufene Herr Oberrabbiner Jakob Joseph bereits während der kurzen Zeit seiner Anwesenheit eine ersprießliche Wirksamkeit entfaltet, welche unter Gottes Beistand sich als eine Saat des Heils für die fernste Zukunft hin erweisen wird. Und in den allerjüngsten Tagen hat die vor 17 Jahren i'ns Leben gerufene „Ungarische Gemeinde, Oheb Zedek" in New-Aork, welche aus dem kleinsten Anfänge — sie zählte ursprünglich nur 10 Mitglieder — sich zu einem ansehnlichen blühenden religiösen Gemeinwesen entwickelte, durch die in erhebender begeisterungsvollcr Feier vollzogene Jnstallirung ihres aus Europa berufenen Rabbiners beredtes Zeugniß abgelegt für den ernsten Eifer, in welchem sie sich der jüdischen Wahrheit zuzuwenden entschlossen ist. Der lebhafte, Widerhall, welchen die namhaften, überzeugungsvollen Worte fanden, mit denen ihr Rabbiner, Herr D r. P h t l i p p Klein, sein Amt antrat, ist das laute.Bekenntniß zu dem orthodoxen Prinzipe, das Herr Rabbiner Dr. Klein verkündete und für dessen Durchführung er seine kraftvolle rastlose Thätigkeit einzusetzen gelobte. Die Gemeinde „Oheb Zedek" will eine Pflanzstätte für min und fHN *pn, für ernstes, gewissenhaftes jüdisches Leben und jüdische Erkenntniß und echter humaner Bildung und Wissenschaft werden. Sie wird ein festes Wehr gegen die Fluth der Reform, der Lüge und des Leichtsinns sein. Dieses offene rückhaltlose Bekenntniß des orthodoxen Prinzips seitens der Gemeinde „Oheb Zedek" hat in weiten Kreisen Beachtung und Hochachtung gefunden. Nicht nur die jüdischen Zeitschriften, sondern auch die politischen Zeitungen New-Iorks haben davon Kenntniß genommen und zollen unverholen dem Ernste dieser Ueberzeugung Bewunderung und Achtung. Der „American Hebrew" schreibt in seiner Ausgabe vom 3. Juli folgendermaßen: Die hiesige Gemeinde Oheb Zedek hat dem Judenthum eine bedeutende Wohlthat erwiesen, indem sie in Herrn Dr. Klein einen gründlichen Gelehrten, einen hinreißenden Prediger, einen vollendeten europäischen Gentleman zu ihrem Rabbiner berief. Ihm ist ein so bedeutender Ruf voraugegangen, um welchen ihn, den Vierzigjährigen, Mancher beneiden dürfte, der sechzig zählt. Was auch immer die Zukunft bringen wird, seine erste öffentliche Erscheinung in diesem Lande hat unzweideutig bekundet, daß jener Ruf wohlbcgründet ist. Die Gemeinde und Rabbiner würden eines großen Mißgriffs sich schuldig machen, wenn sie die Wirksamkeit und den Einfluß dieses Mannes lediglich auf die Gemeinde beschränken wollten, die so glücklich gewesen ihn zu gewinnen. Seine bedeutenden Fähigkeiten dürfen nicht auf einen so engen Kreis beschränkt bleiben. Es bietet sich in der That ein weites Feld dar. Oberrabbiner R. Jakob Joseph hat eine große Arbeitslast in administrativen und richterlichen Funktionen zu erledigen. Dr. Kleins Begeisterung erweckende Stimme muß vernommen werden, um alle diejenigen, welche zu den Grundsätzen des historischen Judenthums sich bekennen, von der Nothwendigkeit zu überzeugen, sich zum Heile und Gedeihen desselben und zum Ruhme des Judenthums immer inniger und brüderlicher zusammenzuschließen. Man muß Dr. Klein von Vornherein mit Hochachtung entgegenkommen wegen seiner männlichen Unabhängigkeit und muthigen Festigkeit. Er hat sich dadurch eine unangreifbare Stellung gesichert. Er besitzt anerkanntermaßen das Wissen für eine solche; für

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