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Der Israelit · 1890-07-24 · Heft 58 (24.7.1890) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 58 (24.7.1890)
Date
1890-07-24
Page
– (sequence 6)
Language
German
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1050 Ungarisch-Roseuberg (Gömören - Comitat), 17. Juli. pno m ns’i. Gestern kam hier ein gewaltiger Brand zum Ausbruche, der durch den eben herrschenden Wind große Dimensionen annahm. Demselben fielen auch mehrere jüd. Häuser, darunter auch unsere Synagoge V"*i, zum Opfer. Die n&D mm konnten noch beizeiten gerettet werden. Der Verlust unseres Gotteshauses schmerzt uns uni so mehr, als die d'ntu D’d» vor der Thür stehen und wir daher nicht wissen, wo wir, am Neujahrs- und Versöhnungstage unsere Andacht verrichten werden. Schweden. Stockholm. Die schwedische Judenmission beschäftigt vier Missionare und eine Diakonissin; in den letzten drei Jahren ist nicht ein einziger Jude bekehrt worden. England. London. Die Londoner Judenmissionsgesellschaft verausgabte im abgelaufenen Jahre 700,000 Mk. Erfolg — der gleiche wie in Schweden. Rußland. Petersburg, 3. Juli. Im russischen Heere dienen gegenwärtig circa 100,000 Juden. Unter den christlichen Unterthanen des Czars kommt auf 61, bei den jüdischen schon auf 41 ein Soldat. In Petersburg ist bei dem Congreß für das Gefängnißwesen Frankreich u. a. durch zwei Israeliten, die Herren Dreyfnß und Paul Strauß, vertreten. Hiernach scheint es, als ob die russischen Sperrmaßregeln sich nicht sowohl gegen Juden, als gegen deutsche Juden richten. China. Kaschgar in der Tartarei. Das Jahr 1860 war das unglücklichste und traurigste, welches das ungeheure chinesische Reich bisher erlebt hatte. Im Süden des Reiches wüthete der Aufstand der Taipings, die ein „höheres Wesen" verehrt wissen wollten, während im Norden wieder ein englischfranzösisches Corps stand — dasselbe zählte indeß bloß 4000 Mann — das bald nachher auch die Residenzstadt Pecking mit ihren drei Millionen Einwohnern eroberte. Kaiser Hien-fong war mit seinem ganzen Hofstaate nach der Mandschurei entflohen, wo er bald nachher aus Kummer und Gram über das über sein Reich hereingebrochene Unglück starb. Diesen Umstand benützte damals ein muhamedanischer Abenteuerer, Jakub Beg, um sich zum Emir der chinesischen Tartarei, die gänzlich von Mohamedanern bewohnt ist, deren Muttersprache das Osttürkische ist, aufzuwerfen. Er hatte seine; Residenz bald hier in Kaschgar, bald im benachbarten Aarkand und genoß er die hohe Ehre, daß Czar Alexander II. und die Königin Victoria ihn durch besondere Gesandtschaften begrüßen ließen. Da nun die Tartarei wieder mohamedanisch war, so entschlossen sich einige Juden aus dem benachbarten Khokand, Samarkand rc. sich in Kaschgar anzusiedeln, wo sie bei Jakub Beg eine freundliche Aufnahme fanden. Sie kauften hier nun eineu Hof, wo sie dann mehrere Häuser erbauten, in welchen sie dann zusammen wohnten. Auch eine Synagoge aus Holz erbauten sie sich, die zugleich auch als Schule und (Laubhütte) diente. Achtzehn Jahre lebten die wenigen Juden hier glücklich und zufrieden, da rückte 1879 ein chinesisches Corps gegen Kaschgar vor, das bald auch diese Stadt eroberte. Jakub Beg flüchtete mit seinen Kindern auf russisches Gebiet, wo er einige Jahre nachher auch starb. In Kaschgar wurde nicht nur ein chinesischer Gouverneur eingesetzt, sondern auch ein chinesischer Götzentempel erbaut. Die Amtssprache war nun das Chinesische und Chinesen fungirten auch als Richter. Dies veranlaßte nun die wenigen Juden, die hier wohnten, Kaschgar zu verlassen und wieder in ihre alte Heimath zurückzukehren. Vorher verkauften sie noch die wenigen Häuser, die sie hier besaßen, ebenso auch ihre kleine hölzerne Synagoge, an die Mohamedaner, die dieses Gotteshaus gleichfalls nun als Andachtsstätte benützen. Hier auf dieser Stätte, wo nun die Juden durch achtzehn Jahre ihren „Schaddai Zebaoth" „(den mächtigen Herrn der Heerschaaren)" angebetet hatten, beteten nun die Mohamedauer wieder Allah an, (Allah ist das hebräische rn^x und wird er auch von den Moslims als der einig-einzige Gott, außer dem es keinen andern gibt, angerufen.) Im Frühlinge 1887 ward diese hölzerne Synagoge ein Raub der Flammen, so daß heute in Kaschgar mit Ausnahme der paar jüdischen Gräber, die sich hier in der Nähe eines mohamedanischen Friedhofes befinden, nichts mehr daran erinnert, daß noch vor wenigen Jahren eine kleine jüdische Gemeinde in dieser Stadt existirt hat. Die Mohamedaner wachen indeß mit größter Sorgfalt über diese jüdischen Gräber, damit sie nicht von den heidnischen Chinesen entweiht werden. Wenn sie am Freitag ihrer Gewohnheit gemäß die Gräber ihrer Theueren besuchen, so besuchen sie zugleich auch die benachbarten jüdischen Gräber und waschen sie ihre Grabsteine rein, so thun sie dies auch mit den jüdischen Grabsteinen. Hier auf diesem Friedhofe schlummern wirklich Jsak und Jsmael friedlich neben einander!

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