Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 58 (24.7.1890)
- Date
- 1890-07-24
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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1051 Feuilleton. Wallungen. Erzählung von Friedrich Rott. (Fortsetzung.'» Doch auch in dem Glücke seiner Tochter fand Bärwald innigen Trost. Bella war glücklich, war in jeder Beziehung glücklich. Die jugendliche Neigung zu ihrem Vetter hatte sie längst verwunden und crwiederte die herzliche Liebe und Verehrung ihres Gatten mit gleicher Innigkeit. Die Kinder hingen an ihr mit einer schwärmerischen Liebe, wie solche selbst der leiblichen Mutter nur selten zu Theil wird. Meierhof umgab sie mit aller erdenklicher Aufmerksamkeit, und hing auch an ihren Eltern, als wäre er in Wirklichkeit ihr Sohn. Seit ihrer Verlobung arbeitete Bärwald in seinem Geschäft als Buchhalter und bezog dafür ein ansehnliches Gehalt; doch obgleich Meierhof selbst dieses Verhältnis in Vorschlag gebracht hatte, jetzt empfand er es peinlich, daß der Vater seiner von ihm so hochverehrten Frau quasi als Untergebener bei ihm arbeitete. Er war daher wiederholt in seinen Schwiegervater gedrungen, das Gehalt weiter zu beziehen, die Arbeit jedoch einem Andern zu überlassen. Dazu hatte sich Bärwald jedoch nicht überreden lassen. So lange er arbeiten konnte, wollte er nicht das Gnadenbrod essen. Als er jedoch nach Ableben seines Sohnes den größten Theil seines Vermögens zurückerhalten, da hatte er seinen Posten aufgegeben und widmete seitdem den größten Theil seiner Zeit dem Thorastudium. Und allmählich, ganz allmählich kehrte die Ruhe zurück in seine Brust. Und als nach einigen Monaten Bella eines gesunden Knaben genas, und seine Frau ihm zum erstenmal sein Enkelkind in die Arme legte, da entstürzten Freudenthränen seinen Augen und mit glücklichem Lächeln drückte er das zarte Wesen an seine Brust. Und nun war der Bann gebrochen, der starre Ernst war gewichen, der in jüngster Zeit sein sonst so sanftes, freundliches Wesen verdüstert hatte. Er nahm wieder Theil an den trauten Gesprächen der Seinen, konnte wieder scherzen mit den Kindern seines Schwiegersohnes, die ihn als ihren Großvater verehrten und liebten. „Mama! Mama!" rief Otto, indem er in das Zimmer sprang und auf Bella zueilte, „weißt Du, was der Großpapa mir versprochen hat?" „Nein, liebes Kind," erwiderte Bella, indem sie ihm die Haare aus der Stirn strich, „wie könnte ich das wissen?" „Von nächster Woche an — weißt Du, von meinem siebenten Geburtstag an, werde ich bei dem Großpapa Gemarah lernen, alle Tage wird der Großpapa mich unterrichten. Wie ich mich freue! — wie ich mich freue!" und dabei sprang er im Zimmer umher, „freust Du Dich nicht auch, Mama?" „Gewiß, freue ich mich auch," erwiderte sie lächelnd, „und ich hoffe, Du wirst sehr aufmerksam sein, wenn der Großpapa mit Dir lernen wird und wirst Dir sehr viel Mühe geben." „Gewiß, gewiß, die allergrößte Mühe werde ich mir geben, darauf kannst Du Dich verlassen, Mama. Weißt Du, der Papa hat gesagt, wer sich nicht sehr viel Mühe geben will, der kann überhaupt nicht Gemarah lernen, und der Papa hat auch gesagt, es wäre eine große Ehre für mich, daß der Großpapa mich unterrichten will, und darum müßte ich mir beim Großpapa doppelt soviel Mühe geben, als wenn ein Anderer mich unterrichten würde. Und das will ich auch thun, ganz gewiß. — Und immer nach der Stunde bei Großpapa werde ich zu Dir kommen und Dir erzählen, was ich gelernt habe. Darf ich, Mama?" Eben wollte Bella dem froh erregten Knaben die erbetene Erlaubniß ertheilen, als Meierhof, gleichfalls freudig erregt, zu ihr in das Zimmer trat. „Ich bringe gute Nachricht," rief er ihr entgegen, „endlich ist cs mir gelungen, die Eltern zu überreden, daß sie zu uns ziehen in den zweiten Stock." „Das ist in der That eine gute Nachricht," versetzte Bella hocherfreut, „wann ist Dir denn das gelungen? — wir haben schon so oft vergebens darum gebeten." „Jetzt eben habe ich ihre Einwilligung erlangt. Das heißt, die Mama war ja immer nicht abgeneigt, nur der Papa hat bis jetzt nicht wollen. Aber vorhin hat Otto mir erzählt, daß der Großpapa ihm versprochen habe, von seinem siebten Geburtstag ihn in Gemarah zu unterrichten; da hat es sich doch gepaßt, daß ich sofort hingegangen bin, um mich dafür zu bedanken und dabei erwähnte ich ganz unabsichtlich, wie es so Schade ist, daß sie nicht längst zu uns gezogen sind, namentlich, da der Papa jetzt Otto unterrichten will; wenn sie hier im Hause wohnen, könnte der Papa Otto rufen lassen, wann es ihm gefällig wäre, während so — Ich hatte aber nicht weiter gesprochen, da fiel mir der Papa in's Wort und sagte, sobald wir eine Wohnung frei haben würden, wollten sie zu uns ziehen. Die Mama hat mir dann anvertraut, daß