Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 58 (24.7.1890)
- Date
- 1890-07-24
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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104daß seinen Aussprüchen noch eine Nebenbedeutung betgelegt werden muß. Wo unser Autor sonst in in der Mischnah erwähnt wird, geschieht dies in der Form pm ryn, oder die Mischnah knüpft seine Meinung in der Halachah an ein Beispiel an und es heißt: pi-w rwyo. Auch aus der Tosepta geht hervor, daß der genannte Rabbi nicht als Decisor gelten wollte; so stellte man einigemal Fragen an ihn (rm, Perek 4) und anstatt sie selbst und direct zu beantworten, zog er zuerst die Weisen zu Rathe. Obwohl R. Zadok zur Schule Schamais gehörte, trug er doch den Lehrsätzen Hillels Rechnung. (S. Fol. 15 b. niDU' ro:DD ,ts rony roiDKnsDin.) Allgemein bekannt dürfte es ferner sein, daß R. Zadok 40 Jahre vor der Zerstörung Jerusalems schon den Untergang des jüdischen Staates voraussah und diese Zeit trauernd und fastend verbrachte, .nnnöea nmii nai* o^anT hy „Jeder, der trauert um Jerusalem, wird das Glück haben, die heilige Stadt in ihrer Freude zu sehen." (Fortsetzung folgt.) Litterari scher Bericht. 8. Unsere heutige Uebersicht über die neuen litterarischen Erscheinungen beginnen wir mit einem an Umfang kleinen Buche, das es jedoch verstanden hat, in einem kleinen Raum viel unterzubringen, und das nach der goldenen Regel unserer Weisen: msp rn h»ö^ dik als Schulbuch die wärmste Empfehlung und weitgehendste Beachtung verdient. Es ist der von Rabb. N. Bamberg er in Würzburg herausgegebene „Leitfaden für den Religions-Unterricht in der Israeli t i s ch e n S ch u l e" (Kauffmann, Frankfurt a. M.). Dieses Reltgionsbuch unterscheidet sich zu seinem Vortheil von so manchen anderen, welche die Neuzeit hervorgebracht hat, durch Vollständigkeit in dem Sinne, daß es Judenthum lehrt, d. h. daß es den gesetzlichen Theil im Sinne der talmudischen Auffassung wiedergibt. Doch rechnet dasselbe auf thätige Mitwirkung des Lehrers, es will eben nur ein „Leitfaden", kein „Religionsbuch" sein, es will nur die Hauptpunkte geben, die der weiteren Erklärung des Lehrers noch bedürfen, dem Lehrer dient es zum Hinweis für die weitere Ausführung, dem Kinde als Merkbuch für das in der Schule Gelehrte. Mit dem Lesen und Auswendiglernen des Inhalts ist es nicht gethan. Aber gerade dadurch, daß dem Lehrer ein weiter Spielraum für die Besprechung gelassen ist, wird er den Religionsunterricht recht interessant, anregend und fruchtbar gestalten können. Einige kleine Ungenauigkeiten befinden sich auf Seite 8 und Seite 19, die bei einer neuen Auflage leicht verbessert werden können. * * ch •’TtP Hebrew Melodies of Lord Byron, translated by Dr. 8. Mandelkern. Leipzig 1890. Der Verfasser hat sich schon vielfach als tüchtiger und gewandter Hebräist bewährt. Hier hat er sich an die schwierige Aufgabe gemacht, die „Hebräischen Melodien" von Lord Byron in's Hebräische zu übertragen; jene tief empfundenen Lieder des englischen Dichters, die in ihrer Art noch unübertroffen sind, wie sie ergreifend die einstige Größe und den Schmerz Israels aus voller Dichterbrust besingen, und die kn Heine einen ihrer würdigen Uebersetzer gefunden haben. Auch hier bewährt sich wieder das Talent und die Dichterkraft Mandelkerns, er verfügt wie spielend über einen Schatz von Worten und Wendungen, die uns zum Erstaunen bringen. Daß es ihm nicht immer gelungen, das spröde Material der hebräischen Sprache vollständig zum dichterischen Gewand für die Byron'- schen Gestalten zu verarbeiten, darf uns nicht wundern; daß es ihm zum größten Theil gelungen, das fordert unsere Bewunderung heraus. Das Buch sei bestens empfohlen. (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Berlin. Herr Simon Wolf, welcher als Vertreter der Stadt Washington die von derselben zum X. deutschen Bundesschießen gestiftete Ehrenmedaille überreicht hat, ist unser Glaubensgenosse. Derselbe war längere Zeit amerikanischer Generalkonsul in Kairo. — Das letzte Schreiben Franz Delitzschs, des berühmten Leipziger Theologen, an den Herausgeber eines Breslauer Missionsblattes ist von Letzterem zum großen Theil veröffentlicht worden. Es offenbart noch jene wunderbare Geistesfrische, die auch den Greis nicht verließ. Delitzsch dankt in demselben für die auf seinen Wunsch ihm zngesandten Mittheilungen über den Fall „Bernstein", bezw. die in Verbindung damit gegen das Judenthum erhobene Beschuldigung. „Ich habe nicht übel Lust, noch einmal dreinzuschlagen," fügt er hinzu. Am Schluß heißt es: „Eine Gottesgeißel ist dieser Blutverdacht."