Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 57 (21.7.1890)
- Date
- 1890-07-21
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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1083 küche dieses Vereines speisten in der Zeit vom 1. April 1889 bis 1. April 1890 123.891 Personen, ohne Unterschied der Confession, davon gänzlich gratis 20.279 Personen — zumeist arme Studierende — und in der Zeit von Ende November bis Ende März — also während vier Monaten — 14.479 arme Schulkinder zum ermäßigten Preise von 6 kr. per Mittagessen. Die Verwaltungskosten dieser Anstalt betrugen fl. 15.074.68. Die Gcsammtausgaben für sämmtliche Zweige der philantropischen Wirksamkeit, inclusive die allgemeinen Verwaltungskosten dieser Anstalten betrugen fl. 64.748.32, welchen Einnahmen im Betrage von fl. 46.856.96 gegenüberstehen. Das bedeutende Verwaltungsdeficit mußte von den einzelnen Fonds ab-" geschrieben werden. P»pa, im Juli. Anschließend an Ihren jüngsten Bericht theile ich Ihnen mit, daß am vergangenen Oms 's roty Herr Rabbiner Alexander Fischer, z. Z. in Hamburg in der hiesigen Synagoge Probevorträge (Bibelexegese — nrns — Talmud niDnn —) hielt. Es wäre überflüssig hervorzuheben, daß Herr Fischer der streng orthodoxen Richtung angehört und sich auch eines guten Rufes erfreut. — nb rruD ts^N. Szilägy-Sowly«. Der Bischof von Großwardein, Dr. Lorenz Schlauch, hielt am 19. v. M., Abends 6 Uhr, seinen Einzug in Szilagy-Somlyö und wurde daselbst in glänzender Weise empfangen. Bei dieser Gelegenheit begrüßte ihn auch der Oberrabbiner der hiesigen israelitischen Gemeinde, Moses Rosen bäum, mit einer schönen ungarischen Ansprache. Der Bischof und seine Umgebung waren von derselben sichtlich angenehm überrascht. Der Rabbiner feierte den Bischof als edlcn Menschenfreund, indem er an dessen jüngst im poliklinischen Vereine gesprochenen Worte: „die socialen Leiden müssen durch die sociale Liebe geheilt werden", anknüpfte. Der gelehrte Bischof drückte dem Rabbiner seinen wärmsten Dank für seine „äußerst gediegenen Worte" aus und bemerkte, der Redner habe treffend hervorgehoben, „daß sein Leitstern bei allen gesellschaftlichen Fragen immer nur das Princip der reinsten Menschenliebe sei, und zwar jener Menschenliebe, die sich auf sämmtliche Elasten, Raffen und Religionsbekenntnisse erstreckt." „Ich kann Ihnen versichern — sagte Bischof Schlauch — daß unsererseits nie und nimmer etwas geschehen wird, was mit diesem Princip auch nur im Entferntesten im Widerspruche steht." Der edle Kirchenfürst conversirte sodann längere Zeit mit dem jungen Rabbiner und ließ sich mehrere Mitglieder der Deputation vorstellen. Frankreich. Paris. Auknüpfend an eine Meldung aus Berlin, wonach die Einberufung eines Kongresses der deutschen Antisemiten bevorstehe, bespricht der Pariser Figaro in einem äußerst scharfsinnigen Artikel die sogenannte Jndenftage. Er freut sich vor Allem, daß jene Nachricht aus Deutschland stammt; da es sich um eine Ungerechtigkeit handle, sagt er, so müsse man sich beglückwünschen, daß sie von dorther komme. Er geht sodann auf die Ursachen der Bewegung ein und weist nach, daß diejenigen, j die den Nus ausstoßen: „Nieder mit den Juden!" j dieses Feldgcschrei nur gewählt haben, weil sie nicht i den Muth haben, zu rufen: „Nieder mit den Rei-! chen!" Sie speknliren auf die Roth, die Unzufriej denhcit und den Neid der Massen und werden auf; solche Weise zu Volksverführern, deren gewiffenloses! und gefährliches Treiben nichts entschuldigen kann.! Der Artikel schließt mit folgenden, bemerkenswerthen! Auslassungen: „Wo sind sie denn übrigens, alle i diese reichen Juden, die man der Volkswuth preisj geben möchte? Man gehe doch hin und schaue sie l sich an in der Rue de Lappe und anderen Quarj tieren.' Es gibt auch in Deutschland unter ihnen die größte Roth, und wer, der in London war, hat nicht schon einmal die abgelegenen Gäßchen durchschritten, wo sie allein mit ihrem Elend und ihrer Verzweiflung Hausen — ohne jemals zu betteln. Es gibt so manchen unter ihnen, der zu beklagen ist, und es gibt auch so manchen Christen, der ein > großes Vermögen sein eigen nennt und doch keinen j dieser Armseligen aufwiegt. Der Mensch gilt nur I um seiner selbst willen, gleichgiltig wie die Farbe seiner Haut oder der Zuschnitt seines Glaubens beschaffen sein möge. — Die Schattenseite des jüdischen Charakters, seine Sucht sich zu bereichern, soll hier nicht verschwiegen werden. Aber kommt es uns zu, ihn deshalb zu schmähen, uns, die wir diese Sucht selber geschaffen haben? Jahrhunderte lang haben diese Leute isolirt leben müssen, hinter ihren vergitterten Fenstern in den Ghettos, in die sie die öffentliche Anschauung gesperrt hatte. Sie durften weder Soldaten, noch Richter, noch Bürger sein; sie hatten kein Vaterland zu vertheidigen, da jedes Land sie ausstieß; sie konnten keinem Könige dienen, da ihnen ja schon der bloße Anblick eines gekrönten Hauptes verboten war; sie durften keine Gesetzesstudien treiben, da sie ja außerhalb aller Gesetze standen; sie hatten keine Stadt zu verschönern, denn sie waren ja nirgends Bürger, eben nur geduldet in ihren verfehmten Wohnstätten. — Die