Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1890-07-21 · Heft 57 (21.7.1890) · page 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 57 (21.7.1890)
Date
1890-07-21
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2446951-2448024-2448079--30397-2478173
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

1032 Darmftadt, 15. Juli. Von der technischen Hochschule wird geschrieben: Für das Studienjahr 1890/91 ist vom Großherzoge Herr Professor Th. Landsberg gemäß der Wahl des Professorcn- Kollegiums zum Direktor ernannt. Worms, 16. Juli. Eine ebenso sinnige, wie schöne Ueberraschung wurde gestern 6 Damen von der hiesigen nori nH'w man zu Theil. Es wurde diesen Damen, welche s. Z. die Bestattung der sel. Frau P f u n g st Vornahmen, von dem Sohne derselben, als am Todestage seiner verstorbenen Mutter, einer jeden ein schwerer goldener Ring zum Andenken überschickt. Die Ringe, von schönster Form, tragen auf der Außenseite die Schrift non bau, auf der inneren Seite den Jahrestag des Todes der sel. Frau Pfungst. Ehre einem Manne, der nach jeder Seite hin derart pietätvoll zu handeln weiß. Wiesbaden, 18. Juli. Das Bezirksrabbin at We ilburg ist nach dessen Erledigung interimistisch dem Herrn Bezirksrabbiner Dr. M. S i l b e r st e i n durch den Königl. Regierungs-Präsidenten übertragen worden. Altona. Der kürzlich hier verstorbene Vorsteher der hochdeutschen isr. Gemeinde, Herr I. Bonn, hat nicht allein unseren jüdischen, sondern auch anderen Wohlthätigkeits - Anstalten bedeutende Legate vermacht, so u. A., je 20,000 M. der Speise- Anstalt dahier, dem Kinderhospital und ferner der städtischen Armenverwaltung. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Wien. Vor einigen Tagen hielt der antisemitische Währinger Wählerverein eine Versammlung ab, in welcher wegen der von der Mehrheit der Währinger Gemeindevertretung beschlossenen Entlassung des Gemeinde-Beamten Arnoscht, den die Antisemiten als ihren Parteigenossen betrachten, die heftigsten Angriffe und Beschuldigungen gegen den Bürgermeister von Währing, Herrn Gerlach, erhoben wurden. Zugleich wurde von den Antisemiten, welche seit ihrer letzten eclatanten Niederlage im Gerichtssaale ganz außer Rand und Band scheinen, beschlossen, Herrn Bürgermeister Gerlach durch eine Deputation zur Niederlegung seines Mandats aufzufordern. Diesem Beschlüsse gemäß erschien heute Vormittags eine aus den Herren Pichler als Obmann des Währinger Wählervereins und den Gemeindevertretern Anton Baumann und I. Jedliczka bestehende Deputation in der Kanzlei des Bürgermeisters und überreichte demselben ein von ihnen unterfertigtes Schriftstück, in welchem der Bürgermeister „parteiischer" Handlungen in seiner Aus- - führung geziehen und aufgefordert wird, sowohl auf sein Amt als Bürgermeister wie auf sen Mandat als Gemeindevertreter zu verzichten. Bürgermeister Gerlach, welcher die Deputation ruhig angehört hatte, erwiderte auf die Ansprache derselben, „er bedauere, dem Wunsche des Währinger Wähler- Vereins und dessen Anhangs nicht so ohneweiters entsprechen zu können, da er weder sein Mandat aus den Händen der Antisemiten erhalten, noch seine Wahl als Bürgermeister den dieser Partei angehörenden Gemeindevertretern verdanke. Doch werde er in einer demnächst einzuberufenden außerordentlichen Ausschußsitzung dem Gesammt-Ausschusse die Frage vorlegen, ob er seine Mandate zurücklegen soll oder nicht. Das Eine könne er aber den Abgesandten des Wählervereins jetzt schon sagen, daß es nämlich mit seiner Geduld zu Ende sei und daß, nachdem jedes gütliche Jnterveniren seinen begütigenden Zweck nicht blos verfehlt, sondern die Partei der Antisemiten in ihrem tadelnswerthen Treiben nur bestärke und ermuthige, er fortan mit aller Energie und Entschiedenheit Stellung gegen diese krankhafte Ausgeburt des Antisemitismus nehmen werde." Mit diesen Worten wurde die Deputation entlassen. Bei ihrem Fortgehen fand auf dem Gange noch eine Scene statt, die wahrscheinlich ein Nachspiel beim Währinger Bezirksgerichte haben wird. Als nämlich die Herrn der Deputation das Vorzimmer der Kanzlei verließen und auf den Gang traten, begegnete ihnen daselbst der in Währing bekannte Schriftenmaler Herr Rumbold , welcher in einem Seitenzimmer den Vorgängen im Bürgermeisterzimmer beigewohnt hatte. Als er der Deputations- Mitglieder ansichtig wurde, spie er aus und gab seiner Entrüstung in starken Worten Ausdruck, was die Deputations-Mitglieder mit der Drohung einer Ehrenbeleidigungs-Klage beantworteten. Budapest. Dem Jahresberichte des Pester israelitischen Frauenvereins entnehmen wir Folgendes: Im abgelaufenen Verwaltungsjahre wurden als ambulante Unterstützungen fl. 14.889, als monatliche Stipendien fl. 6253, als vierteljährige Ziusbeiträge fl. 4315, zusammen fl. 25.457 im Baaren vertheilt. — Im Mädchenwaisenhause dieses Vereines wurden 53 gänzlich verwaiste Kinder, im Waisenasyl desselben hingegen 45 halbverwaiste Kinder erzogen und betrugen die Ausgaben für beide Anstalten sowohl, als für die außer denselben erhaltenen 25 Externe, insgesammt also für 123 Waisen fl. 23.471.02. Die eigentliche Verpflegung eines Kindes stellt sich durchschnittlich auf fl. 190 im Waisenhause, auf fl. 150 im Waisenasyl und fl. 90 bis 100 für die externen Waisen. — In der Volks-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.