Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 57 (21.7.1890)
- Date
- 1890-07-21
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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1030 traten nicht an das Studium der Thora mit der naia heran, und darum hatten sie bereits der Lehre und dem Gesetze den Rücken gewendet, und darum hatten sie nicht Gottes Stimme, Gottes Befehl und Gottes Lehre in oem Gesetze vernommen, das sie zu erforschen glaubten und darum sind sie auch nicht in den Wegen der Thora gewandelt und haben sich immer mehr dem jüdischen Pflichtleben entfremdet. Wenn wir nicht in dem wahren Bewußtsein unserer Pflicht an die Ausübung eines Gebotes gehen, so wird die Erfüllung dieses Gebots nicht den von dem göttlichen Gesetzgeber gewollten Segen an uns bethätigen. Wenn wir gedankenlos, als Ausfluß einer gewohnheitsmäßigen Uebung eine Handlung vollbringen, so wird der dieser Handlung innewohnende Gedanke nicht zu unserem Bewußtsein gelangen, so kann selbst die religiöse Uebung zu einem opus oxeratum, zu einem für unsere geistige Erkenntniß und sittliche Veredlung unfruchtbaren Werkdienft herabsinken. Dieses zu verhüten und uns als wahrhaftige Diener Gottes durch die Erfüllung Seines Willens zu fühlen, bekennen und erziehen, sprechen wir vor der Ausübung eines jeden Pflichtgebots, das an unserm Geist und unserm Herz seine klärende und veredelnde Wirkung bethätigen soll, die Beracha und bringen es uns damit zum wahren Bewußtsein, daß wir in der Pflichtübung ein Gottesgebot zu erfüllen im Begriffe stehen. Mit INI geloben wir uns, Gottes Willen zu erfüllen, Gottes, in dessen Dienst wir uns in jeglichem Augenblicke fühlen, Gottes, der uns eben durch diese Seine Pflichtgebote „geheiligt hat", unfern Geist zu erleuchten und unser Herz zu veredeln. Also auch, wenn wir an das Studium des Gesetzes und der Lehre Gottes herautreten. Wenn wir uns der Thora nicht in dem reinen Sinn nahen, daß wir in ihr forschen wollen, um unsere Aufgabe kennen zu lernen, um zu wissen, was Gott von uns heischt; wenn wir nicht die Thora aufschlagen und sie lernen: rwiai *?a m D’pVi idä6, aUt ihre Satzungen zu beachten, auszuführen und zu verwirklichen; wenn wir nicht in dem Geiste der rrnnn ra-o die Thora aufschlagen und beherzigen, daß Gott sie uns gegeben, daß Er uns den priesterlichen Beruf zugetheilt, dem wir nur in Erfüllung aller Worte Seines heiligen Gesetzes entsprechen, und daß wir zu diesem hohen priefterlichen Beruf unsere Kinder und Enkel zu erziehen und zu begeistern haben — wenn wir die Thora lernen wollen, ohne zuvor die Beracha über sie gesprochen haben, dann entfremden wir uns eben in diesem Thorastudium von Gott, dann haben wir Ihn verlassen, indem wir Seine Lehre in Händen haben, dann haben wir Ihm schon die Treue gebrochen, wenn wir auch in Seinem Worte forschen. Denn nnser Lernen, unser Forschen ist nicht roi6, ist nicht in reiner Absicht und lauterer Gesinnung, wir lernen zur Befriedigung unserer gottentfremdeten Erkenntniß, unserer Eitelkeit, unseres Ehrgeizes oder aus sonst unedlen Beweggründen, nicht aber um immer tüchtiger zu werden in der Erfüllung der einzigen Aufgabe unseres Lebens. Die Thora ist uns nicht das Wort Gottes, zu dessen Erfüllung wir verpflichtet sind, wir nahen uns ihr nicht in Ehrfurcht, sondern in dem Hochmuth unseres kleinen Geistes und wagen es, sie mit dem winzigen Maßstab unseres beschränkten Verstands in kritischem Dünkel zu messen. — — In dem rfcnn mwa Dia liegt der Schlüssel für die Ursache des Abfalls und somit des staatlichen Untergangs. Und wenn die Prüfungen, welche Gott über Israel verhängt, erst daun zu Ende lein werden, nachdem der alte Jrrthum und Fehler überwunden sein wird, so haben auch wir uns zu bemühen, in uns den Geist der wahren Erkenntniß zu stärken, daß wir die Thora, die Wissenschaft des Judenthums in dem reinen NIia-Geist mit dem Entschlüsse treuer Pflichterfüllung pflegen und verbreiten und jede vorgebliche wissenschaftliche Bestrebung zurückweisen, die nicht in demüthiger Erkenntniß und freudiger Begeisterung das Thora- und Prophetenwort als Gotteswort, uns geoffenbart zur unentwegten Erfüllung, preist und lernt und darin forscht nvuh, cs auszuüben, ganz so wie Gott es gewollt und es uns überkommen ist durch die treue Ueberlieferung und Sorge unserer Heimgegangenen Geschlechter. Literarische Uundschan. Jubelschrift zum siebenzigften Geburtstag des!Dr. Israel Hildesheimer, Rabbiner und Rector des Rabbiner-Seminars zu Berlin. Gewidmet von Freunden und Schülern. Berlin, 1890. H. Engel. (Schluß.) In der Abhandlung „Aus schweren Zeiten" theilt Dr. Berliner die Inschriften von 32 Leichenstcinen ans den Jahren 1708—40 mit, welche vornehme Römer in ihre Häuser vor der Demolirung, welche die Inquisition auf eine alte Verordnung fußend angeordnet, geflüchtet hatten. Diese Steine wurden im Jahre 1887 bei Nieder-