Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 57 (21.7.1890)
- Date
- 1890-07-21
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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T m X±XI. Jahrgang. hl». Pu^hls .AS 57. Israelit «n& Zeschumn. ürumnift »uv Förderung D. Geistes Md B. Hebens ill Km. GMelude Md Klhllik. Gentrat-Hrgan für das orthodoxe Iudenthum. Begründet von Dr. Lehmann in Mainz. Montag, den 21 Juli 5650 (1890). Leitender Artikel. Warum ging der jüd. Staat unter? Von Jsaac Hirsch. (Schluß.) Der Sinn der hier durch das Prophetenwort aufgeworfenen Frage kann nicht auf die unmittelbare Ursache des staatlichen Untergangs gerichtet sein. Zur Beantwortung dieser Frage würde es nicht hervorragender Weisheit oder prophetischer Begabung bedürfen. Dem gesummten Volke war j es ja von Anfang an bekannt gegeben worden, j daß nur die unbedingte Unterstellung des ganzen jj öffentlichen und privaten Lebens unter das geoffenbarte Gottesgesetz den Bestand des israelitischen Staatswesens und den Besitz des verheißenen Landes zu sichern vermöge. Das ist auf jedem Blatte der heiligen Schrift ausgesprochen, das hat sich jeder Jude an jeglichem Morgen und jeglichem Abend zum Bewußtsein zu bringen: nns’ p cob no»n Dnnx '»p’fcN omajn dthdi n^b. „Hütet Euch, daß Euer Herz sich nicht der Verführung öffne und Jh; abweichet und fremden Göttern dienet und ihr i Euch unterwerfet — es wird dann der Zorn Gortes wider Euch erglühen und es wird kein Regen kommen, und der Boden wird seinen Ertrag nicht geben, und Ihr werdet rasch von dem Lande Fortkommen, welches Gott Euch gibt." Die Wohlchrt des Landes, der Bestand des Staates, das verbleiben auf dem eigenen Boden ist somit lediglich an die Treue und den Gehorsam des Volkes p: allen seinen Gliedern geknüpft. Eine jede Abr eichung von dieser unbedingten Treue führt zum f ^fall, und „Dienst fremder Götter" ist jeder Ungehorsam gegen Gottes Gebot, und Götzenanbetung ist jede Hoffnung auf Heil, Gedeihen und Schutz, die wir von einer andern Macht, außer Gott, zu erlangen uns bemühen. Das ist einem Jeglichen in Israel eingeprägt worden, und das hatte noch in der letzten Stunde Gott durch Seinen Propheten eindringlich verkünden lassen. Die Weisen und Propheten hätten darum diese Antwort sicherlich geben können. Die Frage ist darum unzweifelhaft auf die tiefer liegende Ursache eben dieses den Untergang herbeiführeudeu Abfalls und Ungehorsams gerichtet. Diese Untreue, diese Gottesentfremdung, diese Verkennung der jüdischen Aufgabe ist ja nicht das Erzeugniß einer plötzlich sich vollziehenden gänzlichen Sinnesänderung gewesen. Von Eltjahu bis Jirmijahu, von Rehabeam bis Zidkija sind fast fünfhundert Jahre, und fast ununterbrochen erging das mahnende, warnende Wort Gottes durch Seine Propheten während dieser Jahrhunderte an das Volk. Langsam, allmählich hat sich der Abfall vollzogen. Die erste Ursache desselben, den ersten Keimpunkt dieses verhängnisvollen Jrrthums gilt es zu erkennen. Und die Weisen vermochten es nicht zu ergründen und die Propheten hätten es nimmer verkündet, wenn es Gott nicht gcoffenbart hätte: „weil sie Meine Lehre verlassen hatten, die Ich vor sie hingegeben habe und nicht auf Meine Stimme gehört hatten und nicht ihr nachgewandelt waren." Das ist nach der Erklärung des Weisen: weil sie nicht die ro*D über die Thora gesprochen haben. Denn wenn in diesem von Gott gegebenen Aufschluß nur der offenkundig vorliegende Abfall enthalten sein sollte, so hätte es nicht desselben bedurft. Die offen sich vollziehende Untreue ist ja kein Geheimniß, das sich dem Blicke des Menschen entzieht. In dem göttlichen Ausspruch ist darum die Enthüllung der dem menschlichen Auge verborgenen allerersten Ursache zu erkennen. Der Abfall hatte schon begonnen, als man sich noch mit dem Studium der Gotteslehre beschäftigte, meint der Weise, aber r6nn rrnro 1212 uh, aber sie