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Der Israelit · 1890-07-17 · Heft 56 (17.7.1890) · page 22

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 56 (17.7.1890)
Date
1890-07-17
Page
– (sequence 22)
Language
German
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1026 lief gesungen werden, erreicht man auch dadurch, daß man dieselben um eine Schwebung zu hoch einübt. Sehr schwierige Stellen hingegen, wie Doppelschläge und andere Figuren, singe man selbst vor. Die 3. Eigenschaft eines guten Vortrags ist, wie schon oben bemerkt, der Ausdruck bei demselben. Derselbe wird hauptsächlich dadurch erreicht, daß der Sänger ein genaues Verständniß der hebräisch. Gebetstücke besitzt. Denn, wie ist es möglich, ein Gesangstück in dem Geiste und in der Gefühlsstimmung, worin es der Componist gesetzt hat, borzutragen, wenn man den Text desselben nicht genau kennt? Der Dirigent hat deshalb dahin zu wirken, daß nur solche Sänger zum Synagogeuchor herangezogen werden, die auch ein bischen jüdisches Wissen besitzen und darum auch befähigt sind ihrem Vortrag Gefühl und Ausdruck zu verleihen. Zur Erzielung eines ausdrucksvollen Vortrags ist ferner nothwendig, daß der Dirigent den Charakter des Tonstückes, d. h. die Art und Weise der Auffassung und Darstellung desselben, genau kennt. Es genügt daher nicht, daß der Dirigent alle Vortragszeichen genau beachtet, sondern er hat auch seinen eigenen Geschmack und sein eigenes Gefühl zu Rathe zu ziehen. Er verfahre darum wie der Maler beim Austheilen seines Lichtes und Schattens. Die Hauptgedanken muß er hervorhebcn, alles andere mehr oder weniger in den Schatten stellen, also weniger hervorheben. Er mache es aber nicht, wie so mancher unbefähigte Dirigent, der jede Stelle, die mit piano bezeichnet ist, ganz leise und jede, die mit körte, mit voller Stimme singen läßt, sondern er halte in der Anwendung dieser Vortragszeichen richtig Maß und Ziel ein, damit es ihm gewiß gelinge, wahre Andacht und Rührung in den Herzen seiner Zuhörer zu erwecken nud zu beleben. Der Dirigent sei aber auch daraus bedacht, daß seine Sänger nach und nach einen recht schönen und klangvollen Ton gewinnen. Er halte darum immer aus recht weites Oeffnen des Mundes. Solche Sänger, welche mit besonderen Unarten, wie Nasen-, Heul- oder Zahnton, behaftet sind, muß er oft einzeln vornehmen, damit dieselben ihre Gewohnheiten durch Oeffnen des Mundes und freieres Hervorströmen des Tones zu beseitigen lernen. Wir kommen nun zum zweiten Punkt unseres Themas, der da lautet: „Welche Chorgesänge sind zum Vortrage in unserem Gotteshause geeignet?" Selbstverständlich nur solche, die unsere h. Sprache zum Text haben und die den Inhalt unserer Gebetstücke zum klaren Ausdruck bringen. Diejenigen Gesänge, deren Melodien den Inhalt des Textes nicht zum verständnißvollen Ausdruck bringen, sind zu verwerfen. Dahin gehören zunächst die Compositionen, die einem fremden Cultus entlehnt sind, einem Cultus, der aus das Herz und Gemüth des betenden Juden keinen Eindruck ausübt. Ferner die musikalischen Erzeugnisse, durch deren Vortrag oft ganze Wörter und Sätze wiederholt werden müssen. Ich erinnere da nur an einen „XValiil-dinsaua," worin sich die Wörter „Borucli-sclienosan tauro“ vielleicht 4—5 mal wiederholen, oder an einen „Michoroaucho“, wo die Wörter „Seh Eili“ auch 4—5 mal vom Chore gesungen werden. Zum Schluffe erlaube mir noch die Leiter der Syuagogeuchöre daraus aufmerksam zu machen, daß nicht alle Gebete zum Vortrag für den Chor geeignet sind. So habe schon öfters in Synagogen eine „K’duscha“, einen „Kaddisch“, ja sogar „Gad’lu“ vom Chor vortragen hören. Daß solche Gebetstücke, die spec. zum Vortrag für die Genreinde oder für den Chasan versaßt worden sind, von dem Chore nicht gesungen werden können, wird jedem verständigen Israeliten einleuchten. Möchte daher auch hier das allbekannte Sprüchwort beherzigt werden: „Prüfet alles und das Beste behaltet." Dum lunite* Trotzdem schon viel über die Stellung der jüdischen Lehrer gesprochen und geschrieben wurde, ist dieses Thema immernoch nicht erschöpft; dieselbe ist vielfach so gedrückt, so beschämend und so unzeitgemäß, daß es geradezu geboten ist, dieses so oft als möglich zu beleuchten, um endlich eine Wendung zum Besseren herbeizusühren. Daß der Lehrer in vielen Orten von der Gnade der Gemeinde abhängig ist, bedarf keiner Wiederholung; es wurde ja auch jüngst bei einer Lehrerversammluug in Mainz hervorgehoben, daß die Gemeinde den Lehrer fortjagen könne, wenn er nicht mehr genehm ist. Doch sei es hier gestattet, einige Beispiele zu erwähnen, aus welch' merkwürdigen Gründen derselbe manchmal seine Stelle verlassen muß. In & im Jaxtthal wirkte ein Religionslehrer mit großer Gewissenhaftigkeit 14 Jahre lang und leistete außerdem in größter Uneigennützigkeit der

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