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Der Israelit · 1890-07-17 · Heft 56 (17.7.1890) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 56 (17.7.1890)
Date
1890-07-17
Page
– (sequence 10)
Language
German
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1014 bischen Volks von der Unterdrückung und Verführung der syrischen Machthaber zur neuen Treue erhoben. Die Nachkommen des großen Hasmonäer aber setzten sich die Königskrone auf, die nicht ihnen, den Priestern, gebührte und entfremdeten sich und den Staat der reinen priesterlichen Aufgabe Israels. Ehrgeiz, Herrschsucht, Eifersucht erzeugten Zwist und Fehde. Hyrkan und Aristobul stritten um die Königswürde — das mächtige Rom sollte die Entscheidung treffen. Judäa ward Roms Vasall. Lange bevor Titus' Cohorten die Brandfackel auf des Tempels Zinnen schleuderten, war der Staat und der Tempel dem Untergange verfallen. Umsonst war die Tapferkeit und die Kriegskunst der jüdischen Helden. Jerusalem fiel zum zweiten Male und liegt seitdem in Trümmer. König- und Priesterthum war zu einem Tummelplatz selbstsüchtigen Ehrgeizes geworden, darum ging der Staat zu Grunde. Sollten wir uns an der Grabstätte des jüdischen Staatswesens an der Asche des Zionsheiligthums, in diesen Tagen der Trauer und des Fastens nicht veranlaßt fühlen des Jrrthums zu gedenken, welcher so verhängnißvoll geworden, sollen wir nicht der tieferen Ursache nachspüren, welche zu diesem verhängnißvollen Wahn die Väter verleitet, sollten wir nicht zu erkennen uns bemühen, was uns nach dieser totalen Vernichtung aller äußeren Bedingungen trotzdem erhalten bis zu dieser Stunde? Israel war ja von Anbeginn an von Gott wunderbar geführt worden, hatte ja von jeher die allmächtige Hand Gottes in seinem Geschicke wahrgenommen, ihm war ja schon in seiner Geburtsstunde sein besonderer Beruf zum Bewußtsein gebracht worden — wie konnte es gleichwohl sich so sehr seiner Aufgabe entfremden? Die Lehre Gottes war doch in seiner Hand, und Gott hatte bis zur letzten Stunde der ersten Katastrophe Seine Gesandten zu ihm sprechen lassen und bis zum letzten Augenblicke der zweiten Männer von hellem Blicke und tiefem Geiste in seiner Mitte erstehen lassen, die das Gesetz lehrten und den Geist der Lehre nicht ersterben ließen. Wie konnte trotzdem der Verfall so um sich greifen, daß über Staat und Tempel der Stab gebrochen werden mußte? DDnn vnxri »o a*rm »nd m tön min» m idm non irntenö v'von not* n? -dt 'di nw nx p"> ü’DDnb b»vi n"b dhtj xmj) inner® d»k»3J n« m:jj by 'n tönt 'kw iösjd nn"pn nervs» ny n^nn mirn d-d t&v 21 tdn min’ m tdn »nun .(n"s d'd) Es heißt; „Wer ist der weise Mann, daß er dieses verstünde, wer, mit dem Gottesmund geredet, daß er es beantworten könnte: weßhalb das Land zu Grunde gegangen, wie die Wüste öde nnd menschenleer geworden?" Es wurden diese Fragen den Weisen vorgelegt, sie konnten sie nicht beantworten, den Propheten, auch sie vermochten es nicht, bis der Heilige, gelobt sei Er, sie selbst erklärte, denn es heißt: „Da sprach Gott: weil sie Meine Lehre verließen, die Ich vor sie hingegeben habe und auf Meine Stimme nicht hörten, und in ihr nicht wandelten." R. Jehuda erläuterte dieses im Namen Raws dahin: weil sie nicht zuerst über die Thora den Segen gesprochen." (Schluß folgt.) Zeitungsnachrichten und Gorrespondenzeu Deutschland. Ans Bayern. Wenn das Prophetenwort: ins» “pö “psnai "pono noch eines Beweises, einer Illustration bedürfte, so könnte ein Artikel der „Allg. Ztg. des Judenthums" dafür gelten, welcher über die angestrebte Sonntagsruhe sich ergehend, auch durch politische Zeitungen Verbreitung fand. Zur Charakterisirung dieses Blattes lasse ich den betr. Artikel hier folgen: Die „Allg. Zeitung des Judenthums" äußert sich zur Frage der kaufmänuischcn Sonntagsruhe fosgendermaßen: „Die dem Reichstag vorliegende Novelle zur Gewerbeordnung, durch welche die Sonntagsruhe obligatorisch eingeführt wird, sollte nirgends so freudige Zustimmung finden, als in allen jüdischen Kreisen. Wird doch durch dieselbe das Princip anerkannt, welches schon vor vierthalbtausend Jahren von dem großen Gesetzgeber des israelitischen Volkes aufgestellt wurde, daß auf 6 Arbeitstage ein Ruhetag zu folgen habe, ebenso wie für das Feld nach sechsjähriger Bebauung ein Brachjahr eingeführt wurde. Der Grundzweck dieses siebenten Tages erhellt aus dem 2. Buch Moses 23, 12, wo es heißt: „Sechs Tage sollst Du Dein Tagewerk verrichten, aber am siebenten sollst Du feiern, damit Dein Ochs und Dein Esel ruhe und auch der Sohn Deiner Magd und der Fremden wieder zu sich kommen." Die Einrichtung des Ruhetages geschah also, wie aus dem ganzen Zusammenhang der Stelle hervorgeht, aus denselben Gründen der Humanität, aus welchen auch der jetzt deni Reichstage vorliegende Gesetzentwurf hervorgegangen ist. Wenn außerdem zur Begründung des Gebots der Sabbatfeier im Dekalog und au anderen Stellen noch der historische Grund angegeben ist: „Denn in sechs Tagen hat Gott den Himmel, die Erde, das Meer sammt Allem, was darin ist, geschaffen, und am siebenten Tag hat er geruht," so hat das nicht mehr und nicht weniger Bedeutung, als die historische Begründung, die dem Gebote der Feier aller übrigen Feste neben der ethischen und allgemein sittlichen hinzugefügt wurde. Es läßt sich daher leicht erklären, daß gerade viele jüdische Firmen sich an der Agitation zu Gunsten der kaufmännischen Sonntagsruhe betheiligen, und gerade solche, denen es durch die Ungunst der Verhältnisse, durch die Konkurrenz u. s. w. nicht ermöglicht schien, ihren eigenen Ruhetag, den Samstag, zu feiern. Ist es auch tief zu be-

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