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Der Israelit · 1890-07-17 · Heft 56 (17.7.1890) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 56 (17.7.1890)
Date
1890-07-17
Page
– (sequence 11)
Language
German
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1015 klagen, daß gerade durch diese Verhältnisse nicht der eigentliche israelitische Sabbat als Ruhetag gefeiert werden kann, der in erster Linie immerdar als historischer Feiertag von uns betrachtet werden muß, insofern, als gerade dieser Tag seit den ältesten Zeiten als solcher gefeiert wurde, sondern der von einem judenfeindlichen Konzil eingesetzte Sonntag, so ist doch mit der Feier des Sonntags als Ruhetag immerhin wenigstens das biblische Prinzip aufrecht erhalten, was gegenüber den gegenwärtigen Umständen doch entschieden als Fortschritt zu betrachten ist, da jetzt in weitesten Kreisen überhaupt kein Ruhetag innegehalten wird. Ueber die Frage, welcher denn wirklich gerade der Tag ist, an welchem Gott von seinem Schöpfungswerke geruht, läßt sich übrigens streiten. Herr Prediger Schwalb in Bremen sagte jüngst, daß man nicht wisse, ob Gott gerade an einem Sonntage das Wort gesprochen: „Es werde Licht," da damals der Mond noch nicht geschaffen war, es somit auch noch keinen Kalender gegeben habe." Offener der Entweihung des tenp nnt? das Wort zu reden, ist wohl nicht leicht möglich. Aus der Agitation für die Sonntagsruhe sollte vielmehr Kapital gezogen werden zur H eilig Haltung des mtp, und wer weiß, ob nicht Schritte von Erfolg gekrönt wären, wenn bet den gesetzgebenden Faktoren dafür gewirkt würde, daß den an Sabbaten streng geschlossenen Geschäften eine Erleichterung bezüglich des Geschäftes an Sonntagen zu Theil werde. Bet den jüngsten Verhandlungen in Berlin über die Arbeiter- und Fabrik-Gesetzgebung wurde ja von Seiten des holländischen Vertreters eine ähnliche Ausnahme für jüdische Fabrikarbeiter gestellt. Jedenfalls dürfte die Sache der Erwägung werth sein. Der „Allgemeinen Zeitung des Judenthums" aber rufen wir zu: isirn nyy raiy. Die Sabbatfeier hatte schon mit mächtigeren Feinden zu kämpfen gehabt und ging siegreich daraus hervor, und so wird es auch ihr nicht gelingen, den Tag des Herrn zu verdrängen und zu verkürzen. Künzelsa«, 11. Juli. Trotzdem in diesen gesch. Blättern schon oft zur Vorsicht gegenüber den herumziehenden, die Mildthätigkeit des jüd. Publikums in Anspruch nehmenden Personen gemahnt worden, so gelingt es den raffinirten, auf die Leichtgläubigkeit der großen Menge bauenden Gauklern noch immer, das stets zur Wohlthätigkeit geneigte jüdische Herz aufs ärgste zu täuschen. Während kurzer Zeit sind dahier nicht weniger als drei angeblich „Taubstumme" als Betrüger entlarvt worden; zwei derselben waren Nichtisraeliten, welche sich für Israeliten ausgaben. Der eine war Glaubensgenosse. Dieser kam mit einem gefälschten Zeugniß, unterzeichnet von der Polizeidirektion von Bamberg, in welchem bestätigt war, daß der Vorzeiger infolge einer Krankheit taubstumm geworden, 4 arme Geschwister und eine blinde Mutter zu ernähren habe, deren einzige Stütze er sei. Derselbe spielte den Taubstummen vortrefflich und mit großem Erfolg, und war das Resultat seiner Collekten ein sehr erfolgreicher. Aus mancher kleinen unbemittelten Gemeinde trug er schweres Geld mit fort. Als man hier gegen diesen „Taubstummen" Mißtrauen hatte und mit der Polizei drohte, da löste sich, nachdem er vergebens zu entfliehen suchte, seine Zunge und er erbot sich, sein hier erschwindeltes Geld zurückzuerstatten. Das falsche Zeugniß wollte er lange nicht herausgeben; schließlich zerriß er es nach wiederholten Drohungen. Nun erfahre ich, daß er im „Badischen" kurz darauf wieder mit großer Meisterschaft und mit klingendem Erfolge seine Gaunerrolle als „Taubstummer" gespielt, und halte ich es daher für angezeigt, von diesem Vorfall zur Warnung meinen Glaubensgenossen Kenntniß zu geben. Der Betreffende hat ein auffallend gelbbraunes Gesicht, schwarzes Haar und ist etwas unter Mittelgröße. Er schließt sich gerne anderen an, welche ihm zu seinen Schwindeleien behilflich sind. Es ist dies wiederum ein Beweis, wie wenig Werth man den Zeugnissen der herumziehenden Personen beilegen darf. Wie schwer hält es oft, für bekannte, würdige und verschämte Arme eine angemessene Unterstützung zu erzielen. Wie oft werden da die „schlechten Zetten" ins Treffen geführt, wo eine Gabe am rechten Platze wäre, währenddem man sich ans andere Weise so leicht täuschen läßt. Ich erlaube mir, auf die Vorschrift hinzuweisen, daß man in Bezug auf unbekannte, von Ort zu Ort und Haus zu Haus wandernde Arme, außer Verabreichung von Kost und Gewährung von Obdach nur zur nDyio runo „geringen Gabe" verpflichtet ist. Für verschämte Arme hingegen ist uns die weiteste Mildthätigkeit zur strengen Pflicht gemacht, vby mib did Rußland. Die Auswanderung aus Süd-Rußland nach Palästina ist im Wachsen begriffen. Von Ackermann (Bessarabien) gingen drei competente ackerbautreibende Delegirten nach dem heiligen Lande, um zu prüfen, ob daselbst einige hundert Familien, von welchen jede einzelne 500 Rubel beisteuert, untergebracht werden können. P a l ä st i n a. Jerusalem. Der Unterstützungsverein für Kranke der Gemeinde Aschkenasim Lito, Wilno, Zamet, Kurland, Livland dahier hatte im verflossenen Rechnungsjahr eine Einnahme von 13670 und eine Ausgabe von 20101 Piastern._ Brieikasten der Expedition. ' ~ Herrn Lehrer 33 elf in vormals in Eppertshausen. Wir ersuchen Sie um Angabe Ihrer jetzigen Adresse.

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