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Der Israelit · 1890-07-17 · Heft 56 (17.7.1890) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 56 (17.7.1890)
Date
1890-07-17
Page
– (sequence 6)
Language
German
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1010 heit von Preßburg an der Prüfung theilzunehmen verhindert war, ließ sich durch Herrn Moritz Bettelheim entschuldigen. Sichtlich befriedigt verließ unser Herr Oberrabbiner '"i unter brausenden nu iw" Rufen gegen 6 Uhr Abends den Prüfungssaal. Herr M. L. Ehren grub er, von dem Sie in der letzten Nummer Ihres geschätzten Blattes infolge eines Berichtes aus Paks meldeten, daß er als Rabbiner von Unad gewählt wurde, ist ein Schüler der hiesigen naw und erfreut sich eines vorzüglichen Rufes, den er sich durch sein umfangreiches talmudisches Wissen ebenso wie durch seine Frömmigkeit erworben. Drotznitz, 1. Juli. Die gestrige Landtagswahl, bei welcher durch das mannhafte Auftreten und die rastlose Mühewaltung des hiesigen Obmannes des deutsch-politischen Vereines, des Herrn Dr. Haas und einträchtige Zusammenhalten der israel. Gemeinde, unser städtischer Bürgermeister, Herr Johann Zajicek (verfassungstreu) mit 42 Stimmen Majorität gewählt wurde, hätte sehr bald gefahrvoll für unsere israelitische Gemeinde sein können, indem nach Schluß der Wahl ein Pöbelhaufen von mehreren Tausend mit Stöcken bewaffnet in die Judengasse raubend und plündernd einziehen wollte. Dank der allgüttgen Vorsehung, durch die im selben Momente einige Compagnien Infanterie und eine Escadron Cavallerie unter Kommando des Generals Neuwirt herangesprengt kamen, welche durch tüchtige Säbelhiebe die Menge zerstreuten und die Gaffen absperrten, so daß die Stadt heute ihre gewöhnliche Physiognomie wieder angenommen hat. Frankreich. Paris, im Juli. Das isr. Central-Consistorium hat zur Beschaffung von Mitteln für ein Grabdenkmal zu Ehren des verstorbenen Oberrabbiners Isidor einen Aufruf erlassen, der in orthodoxen Kreisen große Verstimmung hervorgerufen hat, weil aus dem Aufruf zugleich die Absicht hervorging, daß die irdischen Ueberreste des Verstorbenen an einen andern Platz als denjenigen, wo sie jetzt ruhen, überzuführen seien, da die jetzige Begräbnißstätte für die Errichtung eines Monuments nicht geeignet ist. Paris. Das isr. Wohlthätigkeitscomit« vertheilte im letzten Berichtsjahr 287,630 Frcs. unter den Armen der hiesigen Gemeinde. Der Minister des Innern hat Herrn Dr. Netter, der jüngst wegen der Cholera an die spanische Grenze abgeschickt worden war, zum französischen Vertreter bei dem internattonalen medizinischen Congreß in Berlin ernannt. Ein anderer jüdischer Arzt, Dr. C. Delvaille wurde von demselben Minister nach Spanien zum Studium der Gesundheitverhältnisse entsandt. England. London. Es exisürt in hiesiger Gemeinde eine sehr schöne Einrichtung, die verdient, daß sie in allen größeren isr. Gemeinden eingeführt werde. Die Rabbiner, Prediger und Cantoren besuchen in Begleitung von edlen und wohlthätigen Männern von Zeit zu Zeit die armen isr. Familien im Westend und bringen namentlich den verschämten Armen die nöthige Hilfe, nachdem sie sich eingehend von deren Nothwendigkeit überzeugt haben. So besuchten diese Herren im letzten Vierteljahre 369 Familien und verschafften ihnen gesunde Wohnungen, ihren Kindern paffende Stellen und verabreichten ihnen die Mittel zu Beschaffung von Arzneien u. s. w. Ans London wird berichtet: Eine in den Annalen des Judenthums wahrscheinlich ohne Beispiel stehende Bewegung ist unter den Londoner Juden im Gange, welche beredtes Zeugniß ablegt von dem ernsten Wunsch der rechtlich denkenden englischen Juden, die Bande der Freundschaft zwischen ihnen und ihren christlichen Landsleuten bet jeder sich darbietenden Gelegenheit fester zu knüpfen. Eine Anzahl tonangebender Juden, darunter der interimistische Oberrabbiner, Dr. Adler, Sir Julian Goldfmid, Sir John Simon, sowie die Herren Mocatta und Montefiore, haben sich zu einem Ausschüsse verbunden zu dem Behufe, Cardinal Manning im Namen der Juden Großbritanniens eine prächtig ausgeschmückte Glückwunschadreffe anläßlich seines silbernen Bischofsjubiläums zu überreichen. Diese Adresse ist theilweise ein Ausdruck der Dankbarkeit für die beredtsame Fürsprache des Cardinals zu Gunsten der verfolgten Juden in Rußland. Amerika. Cleveland. Eine polnische Gemeinde in Cleveland hat sich an einem der letzten Sabbate nicht schlecht dupiren lassen. Ein Mensch, derRev.P. Weiber heißen will — wie solche Menschen eigentlich heißen, weiß man nicht, — trieb sich in Cleveland herum und gab sich für einen Rabbiner aus. Die Gemeinde willigte ein, daß der Pseudo-Rabbiner während des Morgengottesdienstes in ihrer Synagoge an Woodlawn Avenue predige. Am Sabbat-Morgen erschien der Pseudo mit schwarzem Käppchen auf dem Haupte, und es kamen mit ihm einige protestantische Prediger von der Sorte, die in Cleveland die Seelenjagd treiben. Der Pseudo-Rabbiner pre-

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