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Der Israelit · 1890-07-17 · Heft 56 (17.7.1890) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 56 (17.7.1890)
Date
1890-07-17
Page
– (sequence 4)
Language
German
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1008 Schüssel und Stab"; es wäre nicht sinneutsprechend unter Schüssel hier Speer oder Wurfscheibe zu verstehen, wie in der Anmerkung gesagt ist. Der Verf. des Gedichts hat den Pilger im Auge, der kein anderes Geräth hat als den Wanderstab und seine Kirbisflasche oder auch eine Schüssel, die mitleidige Seelen ihm mit Speise füllen. Wir können dem Verfasser für seinen Beitrag zur Jubelschrift nur dankbar sein. — Der Beitrag des Herrn Prof. I. Barth „Das passive Qal und seine Partieipien" ist eine ausführliche Begründung des vom Verf. in seiner „Nominalbildung in den semitischen Sprachen" niedergelegten Resultates seiner Forschungen, die ihn in manchen Bildungen, welche bisher als Pualformen galten, ein neben dem Niphal bestehendes Passiv erkennen ließen. Es läßt sich ja annehmen, daß es neben dem Niphal, der ja eigentlich, wie frühere Grammatiker schon erkannt haben, eine Reflexkvform ist, noch ein eigentliches Passiv gegeben habe, und darum scheint die hier mit Schärfe und Gründlichkeit geführte Beweisführung auch Beweiskräftigung. Der Hinweis auf das Arabische wie auch auf die Verbindungen eines Activ im Qal mit dazugehörigem Passiv spricht allein für das Vorhandensein einer solchen Passivform. Ob aber der Satz, der ja viel für sich hat, daß eine bisher als Pualform angenommene Bildung von einem Verb., dessen Pielbildung nicht vorkommt, auf das Passiv eines Qal hindeute, durchweg als richtig gelten kann, das bedarf noch weitere Beweise. Bei dem geringen Wort- und Formenschatz, der uns in den 24 Büchern der h. Schrift aufbewahrt ist, lassen sich aus einer fehlenden Form nur mit Einschränkung Schlüsse ziehen. Es wird hier auch zu erwägen sein, ob nicht Formen, die in der Mischna Vorkommen, bei der Untersuchung mit in Betracht zu ziehen seien, da diese doch nicht immer als spät hebräische neu sein müssen, sondern auch ältere sein können. Es würde dann, was gegen die Pualform geltend gemacht wird, fortfallen, da die Pielform im Sinne von „bearbeiten" sich in der Mischna findet. Daß der Verf. an der Hand seiner Theorie räthselhafte Formen, wie ui» u. a. trefflich erklärt, sei besonders hervorgehoben. Müssen wir daher manches Einzelne beanstanden, so kann uns das nicht hindern der Theorie im großen und ganzen zuzustimmen und müssen wir dem Verf. für die Anregungen, die er durch seine Untersuchungen gibt, dankbar sein. — (Schluß folgt.) Zeitnngsrrachrichten und Corresponderrzeir. Deutschland. Wiesbaden, im Juli. Vor einiger Zeit starb dahier der hiesige Privatier Phil. Z i m m e r, ein evangelischer Christ, der außer «mehreren interkonfessionellen Wohlthätigkeitsvereinen, die er mit einem Legate von je 600 Mark bedachte, auffallender Weise auch den „beiden israelitischen Kultusgemeinden" dahier je 500 Mk. vermachte. Auffallend ist dieses Vermächtniß deßhalb, weil der Verblichene weder der evangelischen, noch der katholischen Kirchengemeinde etwas hinterließ, und auch die übrigen hier vorhandenen religiösen Gemeinschaften leer ausgingen. Man glaubt, daß seine im Tode ihm vorausgegangene Ehegattin eine getaufte Jüdin gewesen. Karlsruhe, 13. Juli. Gestatten Sie mir, Ihnen über die heute stattgehabte Generalversammlung der hiesigen Jsr. Religkonsgesellschaft zu berichten, welche vom Wachsen und Gedeihen dieser Gemeinde so erfreulichen Aufschluß brachte. Die Mitgliederzahl war während des Vorjahres auf fast 90 angewachsen, die Einnahmen — bei nur mäßiger Belastung der Mitglieder — auf rund 28000 Mark, denen ein Aufwand von 25000 Mark gegenüberstand. An der stark frequentirten Religionsschule wirken neben dem Direktor, Herrn Rabbiner Dr. Schiffer, weitere drei Lehrkräfte mit gutem Erfolg. Das ehemalige Gemeindehaus wurde im Laufe des Jahres veräußert, und deßhalb auf dem jetzigen Grundstück ein rituelles Bad neu erbaut, dem an Eleganz der Einrichtung kaum ein anderes in Deutschland überlegen sein dürfte. Auch im Vorjahre sind der Religionsgesellschaft selbst aus räumlich entfernten Kreisen wesentliche Legate überkommen und wird den letztwilligen Verfügungen der Stifter in pietätsvoller würdiger Weise entsprochen. Eine Speisewirthschaft, drei Metzgereien und eine Bäckerei unterstehen der Aufsicht der Religions- Gesellschaft und es darf kühnlich behauptet werden, daß dieselbe hinsichtlich ihrer Leistungsfähigkeit und ihrer Institutionen hinter keiner badischen israelitischen Gemeinde zurücksteht. Als in der badischen Ständekammer jüngst das Gesuch des Oberraths bezw. einiger Syuagogenräthe um Erschwerung des Austrittes auf der Tagesordnung stand, wurden von Seiten des Regierungsvertreters in einer für die Mitglieder der Religions- Gesellschaft sehr ehrenvollen Weise die Z iele beleuchtet

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