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Der Israelit · 1890-07-17 · Heft 56 (17.7.1890) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 56 (17.7.1890)
Date
1890-07-17
Page
– (sequence 3)
Language
German
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1007 Weise sie zu lesen verstehen, werden wir uns bemühen können, die übernommenen Pflichten richtig fortzusetzen. (Fortsetzung folgt.) Literarische Wundschau. Jubelschrift zum siebenzigsten Geburtstag des Dr. Israel Hildesheimer, Rabbiner und Rector des Rabbiner-Seminars zu Berlin. Gewidmet von Freunden und Schülern. Berlin, 1890. H. Engel. (Fortsetzung.) Rabbiner Dr. E.Baneth bringt als Angebinde den nach einer Berliner und einer Pariser Handschrift bearbeiteten arabischen Kommentar Maimunis zum ersten Abschnitt der Pirke Aboth, für den Kenner des Arabischen gewiß eine werthvolle Bereicherung der Literatur; aber auch der nur des Hebräischen Kundige geht nicht leer aus, insofern der Vers, dem arabischen Texte eine hebr. Uebersetzung hinzufügt, zu der er sich genöthigt sah, weil die bisher bekannte Tibbon'sche schon an sich durch die sklavische Anklammerung an den Text stellenweise unverständlich und durch Fehler von Abschreibern und Druckern nicht selten entstellt ist. Der Verf. stellt uns die Herausgabe des ganzen Kommentars in Aussicht. Einen interessanten Theil der jüdischen Literatur bilden die jüdischen und jüdisch-deutschen Lieder aus dem Ende des Mittelalters und der neuen Zeit bis in das 18. Jahrh. hinein, die sowohl in sprachlicher als auch kulturhistorischer Beziehung von nicht zu unterschätzender Bedeutung sind. Rabbiner Dr. L. Löwenstein veröffentlicht in der Jubelschrtft einige solcher, die er einer Handschrift der Merzbacher'schen Bibliothek in München (Nr. 25) entnommen hat. Der Schreiber dieser Lieder und Verf. einiger derselben ist R. Menachem Oldendorf aus Frankfurt a. M., der am 24. Kislew 277 (1517) in seinem 67. Lebensjahre das Buch vollendete. Einige sind nur hebräisch, andere hebräisch nebst einer gereimten sehr freien Uebersetzung. Theilweise sind sie ernsten Inhalts, theilweise von beißender Satyre, die uns an Brants Narrenschiff und andere Satyriker jener Zeit erinnern. Daß diese Gedichte nicht nur gelesen, sondern auch gesungen werden sollten, das beweist uns die bei manchen Ueberschriften bemerkte Weise, wie sie für jene Zeit charakteristisch war. Es muthet uns allerdings seltsam an, wenn auch ein hebräisch-wissenschaftlicher Stoff, wie das xro^n, jene Regeln, die im Talmud zerstreut und bei den späteren Schriftstellern einer Hodegetik des Talmud über die Festsetzung der Halacha bei Meinungsverschiedenheiten sich finden, im Gewände eines Volkslieds uns entgegentritt, das nach der Weise „Herzog Ernst" gesungen werden soll. Daß der Satyre auf die Jagd nach dem Gelde die Melodie: „Hoch rief der Wächter" zugeeignet ist, leuchtet uns schon eher ein. Will das erste Gedicht, das von tiefer Gelehrsamkeit zeugt, uns als Volkslied nicht munden, so ist es doch ein charakteristisches Zeugniß für die Anschauungsweise jener Zeit, die es unternahm einen wissenschaftlichen Stoff in solcher Weise zu popularisiren. Daß unter den Juden jener Zeit die Kenntniß der zeitgenössischen Literatur bekannt war, und daß man auch den Kunstschöpfungen seine Aufmerksamkeit schenkte, geht unzweifelhaft aus den jüdisch-deutschen Gedichten jener Periode hervor. Brants mächtiger Einfluß ist in dem Gedicht von der Jagd nach dem Gelde und in der Satyre „über .das Spielen" nicht zu verkennen. Wer erinnert sich nicht an jenen gewaltigen Dichter, wenn er folgende Strophe liest: „Geld zu machen halt, Jung und Alt, all an einem Reihen, bei Nacht und Tag, wer da kann und mag, Pfaffen und Laten u. s. w." Wenn wir in einer andern Strophe lesen: „Der man wird mit tanzen", so ist damit ein Hinweis auf die damals so beliebten Todtentänze gegeben. Schemuel ben Jakob Chasan muß ein als Lehrer unglücklicher und geplagter Mensch gewesen sein, trotz seines eleganten Hebräisch, das er meisterhaft beherrscht, denn sein Klagelied über die Leiden des Lehrerstandes ist gar herzzerreißend, wobei es uns aber zum Tröste gereicht, daß die Leiden, die er anscheinend erfahren, den scharf treffenden Spottvogel in ihm nicht ertödten ' konnten. Auf das Sabbatlied und den Wettgesang zwischen Wein und Wasser sei noch hingewiesen. Mit der Uebertragung der mit hebräischen Lettern geschriebenen deutschen Uebersetzung hat Herr Dr. Löwenstein eine schwere Arbeit trefflich bewerkstelligt; die vielfachen Dialektschwterigkeiten und lithographischen Eigenthümlichkeiten, die sich hier finden, stellen an den Uebertragenden große Anforderungen, daß z. B. vbn -n, „erfüllt" bedeutet, c’sjip „Konfekt" u. dgl. an, dies läßt sich nur durch langes Nachdenken und nach vieler Mühe lösen. Daß manches nur errathen werden kann, manches dunkel, manches zweifelhaft bleibt, ist nicht zu verwundern. S. 132 önra und ddhd halte ich für „begrast" sich dick fressen und „beseicht" — beg . . . .t, ein derber Ausdruck, den wir in den deutschen Schriften jener Zeit oft finden; der Satyriker will darstellen, wie man sich um des Geldjägers wMen entwürdigt. „Bleibt ihm nur

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