Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 56 (17.7.1890)
- Date
- 1890-07-17
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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» 1006 Erlaubniß mit Euch zu gehen," sagt er. Mit Euch darf ich nicht gehen, aber wenn vielleicht andere Boten kommen, gibt Gott seine Zustimmung. Bileam hätte gar zu gerne den Willen des mächtigen Fürsten erfüllt; er suchte Gottes Wort zu umgehen, beharrte bei seinen bösen Plänen, er wollte groß dastehen, berüchtigt werden, für einen antisemitischen Propheten gelten — und Gott führte ihn auf den selbst gewählten Weg. an« -]h rop. „Wenn diese Männer gekommen sind, Dich zu rufen und Du willst mit ihnen gehen, so gehe," also tönt ihm das Wort Gottes entgegen. Die Propheten selbst verkünden, daß der Mensch auf den Weg geführt wird, den er gehen will. Denn in Jesaias 48, 17 lesen wir: „Ich, der Ewige Dein Gott, der Dich lehrt zu Deinem Frommen, der dennoch Dich leitet den Weg, den Du gehen willst." Er gibt uns die Bernunft, zu unterscheiden zwischen wahr und falsch, zwischen recht und unrecht, zwischen gut und böse — bei uns steht es, zu wählen. Und endlich schließen wir es aus den Sprüchen Salomo's (3, 34). Dort heißt es: „Wer cs mit den Spöttern halten will, wird selbst zum Spötter werden." Damit beweist der Gaon unsere mw». Wer lernen will, um zu lehren, wird dies Ziel erreichen; wer lernen will, um die ros» gehörig üben zu können — auch ihm wird es -gelingen. Denn auch in der Ausübung der größten ms», der nun tid^, gibt es verschiedene Wege; uns bleibt die freie Wahl, welchen Weg wir in Bezug auf rrnnn gehen wollen — wählen wir den besten! In unserer Lesart ist auch das Wort im zweiten Satz der mw» beinhalten, während es in manchen Schriften fortgelassen ist. Es scheint auch ganz überflüssig im Texte zu sein. Die gewöhnliche Bedeutung von -nvvi> ist: „sich hüten vor Etwas (Uebertretungen)"; diesen Sinn kann das Wort hier nicht haben; das entspricht nicht dem Worte nwyV. Der zweite Satz der Mischnah spricht von demjenigen, der im Sinne der Thora thätig sein und wirken will, und er wird sein Wollen in Können und Vollbringen umsetzen. (Siche »"> rosDin.) Das Wort steht da, um uns die Bedeutung des Wortes nwy'? zu erklären, heißt sowohl eine Sache anfangen zu thun, als auch eine angefangene Arbeit fortsetzen, z. B. *na*wk, die Gott erschaffen hat, um fortzuwirken, so auch n2ivn nx die Kinder Israel sollen darauf achten, daß der Sabbat fortdauernd gehalten werde. Das Sabbatgebot hatten die Israeliten schon empfangen; darum muß eine Wiederholung dieses Gebotes bei dem Gebot der Errichtung des Heiligthums (pvv) einen tieferen Grund haben. Dieser Grund ist leicht zu finden. Israel hätte glauben können, die Erfüllung eines so Heilgen Gebotes, wie das der Errichtung des pien, befreie von der Befolgung der Sabbatgesetze oder suspendire dieselbe. Das ist aber nicht der Fall. Selbst der Bau des Heiligthums bot keine Veranlaffung, die Sabbatruhe zu unterbrechen. (Siehe auch Mechilta zur Stelle.) Wir lernen die Thora ro»‘tfy von einem Lernen, um die nron zu prüfen, um zu beurtheilen, von einer sogenannten kritischen Methode ist in unserer mrp» keine Rede. Diese Methode ist so entfernt von dem Wesen unserer ms», wie der Himmel von der Erde entfernt ist. Sie muß, da ihr die Hauptsache, das ernste Wollen, die ros» zu erfüllen, fehlt, auf Abwege führen, auf Abwege, wie sie uns die Reform täglich illustrirt. Unsere ros» verlangt ein Lernen nwyb, um das Wort der heiligen Schrift zur That werden lassen zu können, darum muß der Lernende nwyb in dem Geiste und nach den Vorschriften der heiligen Lehre leben; sein ganzes Leben muß das zur That gewordene Gotteswort verkörpern, und erst dann wird er das Ziel seines Lernens, den Inhalt der Gottesgebote zu erforschen, erreichen. — Ein Sadducäer nannte die Juden ein „Volk der Uebereilung" und begründete seinen Ausspruch durch das Bibelwort: iew bo nwj» 'n nm (Exodus 24, 7). Als Israel das Gottesgesetz erhielt, sprach das ganze Volk: „Alles, was der Ewige gesprochen, wollen wir thun und gehorchen"; Israel versprach die Erfüllung der Gesetze Gottes, ehe es dieselben kannte; ist das nicht eine Uebereilung d Das Volk sagte erst nwy: und dann erst y»tw! — Rabban gab ihm die richtige Antwort. „Unsere Vorfahren," sprach er, „haben, wie auch wir, unser ganzes Vertrauen auf Gott gerichtet. Er kann in Seiner Heiligkeit nicht Unrechtes wollen und von uns verlangen, und „die Pflichttreue der Frommen führt auf den richtigen Weg, aber der Gottlose fällt durch seine Gesetzlosigkeit." (Sprüche 11, 5.) Wir haben das Gotteswort nicht erst einer Prüfung durch unseren schwachen, menschlichen Verstand zu unterziehen; uns geziemt es nicht, da wir ja als Menschen so oft irren, die göttliche Lehre beurtheilen zu wollen. Glauben, vertrauen sollen wir unserem himmlischen Vater, und dieses felsenfeste, unbegrenzte Vertrauen, dieser unerschütterliche, nie wankende Glauben lehrt uns, Seine Befehle, auch ohne daß wir sie kennen, zu befolgen, und ohne daß wir darüber nachgrübeln, Seine Gebote zu erfüllen und zu beobachten. Wenn wir also den Sinn unserer nw» erfassen und auf diese