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Der Israelit · 1890-07-17 · Heft 56 (17.7.1890) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 56 (17.7.1890)
Date
1890-07-17
Page
– (sequence 1)
Language
German
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"< / n hetr. BuchbancUuag ^s2l|V^R/RT M 56 XXXI. Jahrgang. Israelit «„* Jeschurun Zeitschrift m Förderung jiid. Geistes und Md. Kedeus lu Mos. Geuielude und Kchuie. Kenlrat-Hrgan für das orthodoxe ZudenLhum. Begründet von Dr. Lehman« in Mainz. Donnerstag, de» 17. Juli 5650 (1890). Leitender Artikel. Sprüche der Waler. Viertes Buch. XXIX. Fortgesetzt von Liepman Philip Pr ins. Frankfurt a. M. 15. Juli. tid^ vra vp’SDD wo by bo -lv^i 110^ H’a pp’Boo nwvb wo by no^n .mtryb'i Wie einleuchtend uns auch die verschiedenen Lesarten erscheinen mögen, mit welcher Berechtigung auch die Richtigkeit des ersten Satzes dieser rwo bestritten wurde — in unseren Büchern wurde die obige Lesart beibehalten. Dafür müssen unsere Weisen ihren triftigen Grund gehabt haben; wir haben uns bemüht, diesen Grund zu erforschen und haben dem Gaon Rabenu Elijahu aus Wilna die Erklärung dieser mm und den Grund, weßhalb diese Lesart betbehalten wurde, zu verdanken. In dem Talmud, Tractat rrao, Fol. 10 b., finden wir folgende Stelle: „Aus dem Pentateuch, den Propheten und den Hagiographen ist bewiesen, daß der Mensch auf den Weg geführt wird, den er sich selbst erwählt hat." Die Freiheit des Willens, welche das köstlichste Geschenk des Schöpfers ist und wodurch die Tugend erst ihren Werth, das Laster seinen Unwerth erhält, wodurch sich der Mensch ganz vorzüglich von dem Thiere unterscheidet, sie ist es, welche uns sowohl auf die Höhen der Weisheit und Tugend wie auch in den Abgrund des Lasters und der Sünde führt, sie ist es, wodurch der Mensch sich sein Schicksal selbst bereitet. Das Thier folgt seinem Jnstincte; die Biene muß ihre Zelle heute noch bauen, wie sie dieselbe vor tausend Jahren baute; der Storch muß beim Herannahen des Winters andere Gegenden, sonnigere Fluren aufsuchen, andere Thiere müssen den Winter in einem Zustand der Erstarrung verbringen — der Mensch allein ist frei, frei, und wäre er in Ketten geboren. Der Böse muß nicht das Böse thun, ebensowenig wie der Tugendhafte durch irgend etwas gezwungen wird, auf dem Wege der Tugend zu wandeln. Mit freiem Willen entscheidet Jeder, welchen Weg er für sich erwählt. Auf diesen von ihm selbst erwählten Weg wird der Mensch geführt. Der Pentateuch liefert uns einen Beweis für diese Behauptung in der Geschichte Bileams. Als der König Balak sah, daß er Israel mit physischer Gewalt und mit Heeresmacht nicht beikommen konnte, denn das Volk der Gotlesftreiter eilte von Sieg zu Sieg, da sagte er: „Kann ich Euch auch nicht in offener Schlacht besiegen, da Ihr mir zu stark seid, so bleibt mir doch noch ein Mittel, ein heimtückisches nnd verwerfliches freilich, aber ein um so sicherer wirkendes Mittel. — Wann wäre Amalek um ein Mittel, Israel zu schaden, verlegen gewesen! — Ich will Euren Geist vergiften, hinterrücks, ohne daß ihr es ahnt, Euch fluchen und lästern, daß mit dem sinkenden Geiste auch Eure Körperkraft ermatte!" Und er schickte Gesandte zu Bileam, die denselben einluden, mit ihnen zu gehen, um Israel zu verwünschen. Bileam war zu solchem Thun sofort bereit, doch bedurfte er dazu der göttlichen Zustimmung. Ohne Gottes heiligen Willen fällt kein Blatt vom Baume, ohne Gottes heiligen Willen kann Bileam weder segnen noch fluchen. Gott erlaubte jedoch nicht, daß Israel auf solche Weise Schaden erleide. „Du sollst nicht mit ihnen gehen," lautete die göttliche Botschaft, „nicht verfluchen sollst Du das Volk, denn gesegnet ist es." Ja, Israel ist gesegnet und wird gesegnet bleiben, trotz aller Anstrengungen Bileam's und seiner Nachfolger! Wie gerne hätte er den Wunsch Balak's erfüllt! Welch' spitzfindige Antwort gab er den Boten: „Denn es verweigert mir der Ewige die

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