Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 55 (14.7.1890)
- Date
- 1890-07-14
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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9Ö8 beabsichtigt. Liegt aber der Midrasch hagadol erst vollständig vor uns, so dürfen wir wohl von Dr. Hoffmann erwarten, daß er alsdann aus diesem Werke die Mechilta, soweit wie möglich, reconstruiren wird. — Die folgende Abhandlung „Die Zahlensymbolik des Abraham ibn Esra" von Rabb. Dr. M. Olitzki behandelt nur die vier ersten Zahlen und zeugt von eingehender Sachkenntniß des Verf., der uns auch eine größere Arbeit über diesen Exegeten und Grammatiker in Aussicht stellt. In der Einleitung gibt der Verfasser allgemeine Bemerken über die Geschichte der Zahlensymbolik, wo in Note 17 schon auf Wajikra rabba Cap. 29 hätte verwiesen werden können : nwn damit wäre dann auch zu vergleichen Pesikta dMab Kahna, Abschn. Para. Zu Note 80 könnte der Ausspruch R. Jochanaus herangezogen werden in-üj ’jao, Ber. rabb. Cap. 3 und Pirke d'R. Elieser 4, der jedenfalls mit der Zahlensymbolik der Zwei zusammenhängt: der zweite Tag ist der richtige Schöpfungstag für die Wesen, die durch die Zwei dargestellt werden. Die Arbeit ist eine recht tüchtige, von der wir nur bedauern, daß sie in der Mitte abbricht und auf eine „Fortsetzung an anderem Orte" verweist. Zeitrr«gS«achrichteu und Correfponderrzeir. Deutschland. Darmstadt. Unter dem linden Einfluß der Junisonne hat Herr Lehrer M. Mannheimer von hier seine schriftstellerische Thätigkeit wieder ausgenommen mit einem Artikel in den „Populär wissenschaftlichen Monatsblättern" betitelt: „Der Einfluß der Reform auf das orthodoxe Judenthum." Wenn Herr Mannheimer, der einstige Rabbinatsverweser, seine Erfahrungen in Darmftadt gesammelt hat, so ruhen sie auf einer sehr schwachen Basis, denn die Orthodoxie hier wie anderswo hat „Form" genug, braucht sich von der „Reform" nie beeinflussen zu lassen. Die Beispiele sind sehr wenig stichhaltig. Es wird heute keinem auch nur einigermaßen religiös denkenden Rabbiner einfallen, das Gebot des „Mazzoth- Essens" dadurch zu „m otiv treu", daß die Mazzoh ein Symbol des Lauteren und Reinen sei, und uns mahne, alles Unlautere, den Sauerteig, die bösen Leidenschaften aus unserem Herzen zu bannen. Motiv ist einzig und allein, daß die Thora den Genuß der Mazzoth befiehlt. Doch zu diesem Motiv dieses Gebot auf solche Weise zu „symbolisiren" ist gestattet. Welchen Einfluß hatte denn hier in unserer Stadt die Reform? Gerade den, daß man auch im reformirten Tempel gerne wieder zum Alten zurückkehren möchte. Herr Mannheimer spricht von seiner Zeit als Rabbinatsverweser. Damals begann allerdings das Rabbinat schon^ zu „verwesen", um unter seinem Nachfolger gänzlich in Fäulniß überzugehen. Wie anders stehen doch da die Verhältnisse der „orthodoxen Religionsgesellschaft" in Blüthe unter der thatkräftigen Leitung des Herrn Rabbiner Dr. Marx. Hier ist das Gotteshaus gefüllt, hier hat sich eine Gemeinde aus kleinen Anfängen zu einem starken Ganzen entwickelt. Da steht ein herrliches „Beth-Hamidrasch", da sind zwei streng fromme jüdische Hotels, ja das größte Cafs Darmstadts (Cafe Stamm) gehört einem streng orthodoxen Juden (Herrn Herz seid), der am Sabbat nicht einmal eine Tasse Kaffee verabreicht. Das sind Erfolge, die Herr Dr. Marx zu verzeichnen hat; ob aber das Kadischgebet von vielen oder von Einem gesprochen wird, gehört gar nicht in's Bereich „der 'Reform und Orthodoxie", ist einzig und allein Sache der Synagogenorduung. Also nur getrost; Einflüsse haben wir nicht zu fürchten. M. Höchst a. M., 8. Juli. Am verflossenen rat? wurde unsere Gemeinde während des Morgen- Gottesdienstes in große Aufregung versetzt. Unser langjähriger Vorbeter, Lehrer E m a n. Wormser, wurde während des Musaphgebetes von einem Schlaganfall betroffen, von welchem er sich nicht wieder erholte, sondern nach nmo schon erlag. Wir verlieren in ihm eine Zierde unserer Gemeinde und Israel einen gesetzestreuen Glaubensgenossen. Die Ausübung von *iDn rfc’Dj und Erhaltung des Dito war seine größte Freude. Stets suchte er in seinen Vorträgen zur Gottesfurcht anzueifern. Die Betheiligung bei seinem Leichenbegängniß zeugte von seiner Beliebtheit bei seinen Bekannten. Möge das Verdienst seiner guten Thaten der trauernden Wittwe und den Hinterbliebenen Kindern beistehen. Frankreich. Lille. Der Herausgeber eines hiesigen Blattes wurde jüngst zweimal wegen Beschimpfung von Israeliten zu Geldstrafen verurtheilt. Bei der zweiten Verurtheilung warnte der Präsident des Gerichtshofes den Angeklagten, indem er hinzufügte, daß, wenn dieser nicht aufhören werde, geachtete und ehrenvolle Bürger zu verleumden, das Gericht mit aller Strenge des Gesetzes gegen ihn Vorgehen werde.