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Der Israelit · 1890-07-14 · Heft 55 (14.7.1890) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 55 (14.7.1890)
Date
1890-07-14
Page
– (sequence 8)
Language
German
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hergestellt glaubte, um sie unternehmen zu können, da war er vor allem nach New?)ork gereist, um von hier aus mit dem nächsten Dampfer die Heimreise zur See anzuireten. Doch jetzt, da ihm eigennützige Motive nicht mehr untergeschoben werden konnten, wollte er die Stadt nicht verlassen, ohne denjenigen aufzusuchen, den er einst so schwer gekränkt, ohne versucht zu haben, dessen Verzeihung zu erringen. Doch statt dessen Verzeihung zu erflehen, und dann heimzureisen mit erleichtertem Herzen zu dem Vater, der ihn sehnsuchtsvoll erwartete, mußte er nun die Gastfreundschaft genießen von dem, den er einst so schwer, so schmählich beleidigt — mußte sich pflegen lassen von dessen edler Gattin. Glühende Kohlen! — glühende Kohlen! — und heiße Tränen füllten unablässig die weitgeöffneten Augen des Kranken und glitten hinab über seine eingefallenen fiebergerötheten Wangen. Emmi schüttelte mißbilligend das Haupt. „Sie dürfen sich nicht Ihren trüben Gedanken hingeben, Herr Bärwald, Sie verzögern dadurch Ihre Genesung. Der Doctor versichert, daß Sie in wenigen Tagen hergestellt sein werden, vorausgesetzt, daß Sie sich ruhig verhalten und sich nicht aufregen. Aber sobald der Doctor wiederkommt, werde ich ihn fragen, ob Sie nicht vielleicht mit leiser Stimme eine kurze Unterredung mit meinem Manne haben dürften, daß Sie ihm Näheres über Ihre Verhältnisse mittheilen, mein Mann könnte Ihnen vielleicht manche Gefälligkeit erweisen, und wäre glücklich, wenn er Ihnen nützen könnte, und Ihre Aufregung würde sich vielleicht dadurch verlieren." Adolf blickte dankend zu ihr empor, wohl erkannte er ihren Jrrthum, doch gleichviel, wenn sie ihm nur die Erlaubniß erwirkte, mit Steinheim sprechen zu dürfen. Emmi hielt Wort, und der Arzt, der in einer Unterredung des Kranken mit dem Hausherrn das einzige Mittel erblickte, dessen gefahrbringende Aufregung zu mäßigen, gab seine Zustimmung. „Sie mögen recht haben, Mrs. Steinheim, gewiß, Sie haben recht, so lange wir die Ursache seiner Aufregung nicht kennen, ist es kaum möglich, sie zu bekämpfen, und würde sie andauern in dem Maaße wie bisher, so wäre die Katastrophe bereits in den nächsten Tagen unabwendbar. Mag daher Mr. Steinheim es versuchen, den Grund seiner unglückseligen Stimmung zu erfahren, und ihn, womöglich beruhigen. Doch binden Sie es Ihrem Herrn Gemahl auf die Seele, daß er ihn nicht zu viel sprechen läßt." Sobald Steinheim gegen Abend aus dem Geschäfte nach Hause kam, theilte Emmi ihm ihre Unterredung mit dem Arzte mit, und begab er sich dementsprechend sofort in das Krankenzimmer, denn er wäbnte, gleich seiner Frau, daß Bärwald sich vielleicht in finanzieller Verlegenheit befinde, und daß es ihm durch Zusicherung seiner Hilfsbereitschaft vielleicht gelingen könne, den Aufgeregten zu beruhigen. „Guten Abend, Herr Bärwald! herzlich erfreut über die guten Nachrichten, die ich durch meine Frau über Ihr Wohlbefinden erhalten habe, denn es ist doch jedenfalls ein bedeutender Fortschritt, daß der Doctor Ihnen zu sprechen erlaubt. Freilich ist diese Erlaubniß eine beschränkte und habe ich von meiner kleinen Frau den gemessenen Befehl, Sie sofort zu verlassen, falls Sie mehr oder lauter reden sollten als das medicinische Eollegium, d. i. meine Frau, der Doctor und meine Wenigkeit, für unbedingt nothwendig halten." (Fortsetzung folgt.) „Israelit" und „Jeschurun" erscheint wöchentlich zweimal, Montags und Dounerstags, jedesmal in mindestens 2 Bogen. Preis des Jahrgangs für Deutschland und Oesterreich 12 Reichs-Mark, für's Ausland 16 Reichs-Mark. Man abonnirt ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Durch den Buchhandel )U bestehen bei E. F. Steinacker, Leipzig, Rastplatz 16. — Inserate 25 Pfennige die dreigespaltene Petitzeile oder deren Raum. — Oesterreichische Banknoten laut Cours. — Directe Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 8 st. österr., für's Ausland 16 Reichs-Mark, an die Expedition franco einzusenden. Inhalt (Hauptblatt): Leitender Artikel: Gottvertrauen. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Berlin. Hechingen. Leipzig. — Oesterr. Ungar. Monarchie: 2 mal. Pesth. Aus Ungarn. Triest. — Frankreich: 3 mal Paris. Rouen. — England: 4 mal London. — Bulgarien: Sofia. — Griechenland: Athen. —Türkei: Caifa. Salonichi. — Feuilleton: Waltungen. Inhalt der Beilage: Literarischer Bericht (Fortsetzung). — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Darmstadt. Höchst a. M. — Frankreich: Lille. — Oesterr.-Ungar. Monarchie: Wien. — Italien: Rom. — Afrika: Oran. Cairo. — Feuilleton: Eine bekannte Melodie. Verantwortliche Redaction: Oscar Lehmann in Mainz. — Expedition des „Israelit" ».„Jeschurun", Schottstr. Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'schen Hofbuchdruckerei-Actien-Gescllschaft in Mainz. Hierzu eine Beilage.

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