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Der Israelit · 1890-07-14 · Heft 55 (14.7.1890) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 55 (14.7.1890)
Date
1890-07-14
Page
– (sequence 7)
Language
German
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995!#■#.* -U \-. ij .^- VJIWIJ;»»11 UM^iy11 ausströmte, eher der Residenz eines Königs als dem Wohnsitze jüdischer Geschäftsleute glich. Auch der Hausgarten trug heute ein festliches Gepräge und waren die Bäume desselben, zwischen denen in gewissen Abständen Hobe Masten mit türkischen und italienischen Nationalflaggen in die Luft ragten, mit zahlreichen buntfarbigen Lämpchen geschmückt. Auch vor der Hauptpforte des Palastes standen zwei solcher Masten, von denen die türkische und die italienische Flagge wehten. Um neun Uhr Abends war schon die Gesellschaft beisammen und bald nachher traf auch der hohe Gast ein. Derselbe reichte sogleich der Hausfrau, Madame Rosina Allatini, den Arm, die ihn dann in den Empfangssaal geleitete, in dem sich auch schon der General-Gouverneur und sämmtliche hier residirenden fremden Eonsulen eingefunden hatten. Der Prinz setzte sich dann mit sämmtlichen Gästen zu einem exquisiten Souper nieder. Der hohe Gast war ganz entzückt über das ihm zu Ehren gegebene Fest, und am andern Morgen überschickte er jedem Mitgliede der Familie Allatini seine Photographie mit einer eigenhändig geschriebenen Widmung auf derselben. Wallungen. Erzählung von Friedrich Rott. (Fortsetzung.) Da war Bärwald vor einigen Wochen matt uub müde, seinen schweren Packen auf dem Rücken durch die Straßen einer Stadt des Westens gewandert, als ein elegant gekleideter Herr hastigen Schrittes an ihm vorübergeeilt. Der zu Tode Erschöpfte schlich langsam einher und hatte den Blick auf den Boden gerichtet, da gewahrte er plötzlich vor sich auf der Erde eine umfangreiche Brieftasche. Mühsam bückte er sich und hob sie auf und vermuthete sofort, daß sie jenem Herrn gehöre, der soeben an ihm vorübergeeilt. Er wollte ihm Nacheilen, doch das gestatteten ihm seine schweren Glieder nicht, so begann er denn aus vollen Kräften zu schreien, daß er zurückkommen möge, uni sein Eigenthum in Empfang zu nehmen, einige Passanten, die ihn hörten, eilten dem Betreffenden nach und bald hatte er seinen Fund dem Eigenthümer übergeben. Die Brieftasche enthielt eine sehr bedeutende Summe, der Eigenthümer war hocherfreut, sie zurnckerhalten zu haben, er öffnete sie und nahm aus derselben ein Prämienloos, das er dem redlichen Finder mit herzlichen Worten reichte. „Sie sind ein braver, ehrlicher Mann und verdienen ein besseres Loos als mit dem schweren Packen herumzuziehen. Doch vielleicht ist Ihnen das Glück günstig, im Laufe nächster Woche ist Ziehung, versäumen Sie nicht die Gewinnliste anzusehen, ich wünsche Ihnen recht viel Glück." Damit war der Fremde weitergeeilt. Mit trübem Lächeln hatte ihm Adolf nachgesehen, seltsamer Mensch, der ihm Glück wünschen konnte, wie hätte das Glück zu ihm kommen sollen? — Doch in gewisser Beziehung hatte er doch einen glücklichen Tag, so viel Geld hatte er nicht beisammen gehabt, seit er sich in der neuen Welt befand. Er konnte das Loos verkaufen und konnte von dem Erlös einige Zeit leben, ohne sich anstrcngen zu müssen und konnte inzwischen neue Kräfte sammeln. — Doch nein, vor der nächsten Ziehung wollte er es doch nicht von sich lassen — vielleicht — vielleicht — man konnte doch ja nicht wissen — vielleicht hatte der Allbarmherzige ihm bereits verziehen — vielleicht hatte der Allbarmherzige erkannt, daß er bereits genug gelitten. In fieberhafter Spannung sah er dem Tag der Ziehung entgegen, das Fieber verlieh ihm für den Moment neue Kräfte, obgleich es sein inneres Mark verzehrte. Endlich, endlich war der Tag gekommen, an dem die Gewinnlisten in den Wechselstuben zu haben waren. Er hatte in der Nacht vorher kein Auge geschlossen; so früh als erhoffen konnte, eine Liste zu erlangen, machte er sich auf und begab sich in ein entsprechendes Geschäftslokal. Bald hielt er die so heiß ersehnte Liste in den Händen, doch es flimmerte ihm vor den Augen und er vermochte die Ziffern nicht sofort zu unterscheiden, erst allmählich gelang es ihm. Und plötzlich stieß er einen schrillen Freudenschrei aus, sein Loos hatte den höchsten Treffer gemacht. Heiße Thränen entstürzten seinen Augen. „Gott sei Dank! — Gott sei Dank!" — Nun war er doch im Stande, seinem Bater, wenn auch nicht die ganze Summe des Entwendeten, so doch einen großen Theil derselben zurückzugeben. — Er hatte sofort den Eltern geschrieben und ihnen die Freudenbotschaft mitgetheilt und hinzugefügt, daß er baldmöglichst heimkommen werde. Aber seine Gesundheit hatte sich mehr und mehr verschlimmert, er hatte seine Reise um einige Wochen verschieben müssen, und als er sich endlich so weit j

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