Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 55 (14.7.1890)
- Date
- 1890-07-14
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2446951-2448024-2448077--30351-2478125- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
V—W , -: r%V '.-J£..;:^Mri,^iS:-!V. '^,"-y-. ■? S«?'1 tV" -Y."-J' •'■■■■$<.?•'■■ *' : — ‘■-iV. 4- .... 1..-W«.. „ -U-;,J» , ,-lv , 994 Wie bereits gemeldet wurde, hat unsere tolerante Regierung der hiesigen jüdischen Gemeinde in der Nähe des Theseustempels (dieser noch aus dem klassischen Alterthume stammende Bau ist in unserer Zeit renovirt worden und dient er jetzt als Museum) ein Grundstück zum Bau einer Synagoge zum Geschenke gemacht. In Folge dessen hat sich nun hier ein Comite gebildet, um das zum Bau dieses Gotteshauses nöthige Capital von hunderttausend bis hundertfünfzigtausend Francs, theils durch eine in unserer Gemeinde zu eröffnende Sammlung, theils aber auch — die hiesige jüdische Gemeinde ist bekanntlich klein und arm — durch einen Aufruf an unsere auswärtigen Glaubensbrüder herbeizuschaffen. Dieses Comie besteht aus dem Industriellen, Herrn Carl Rothschild, als Präsidenten und den beiden Vorsitzenden, Herrn Moise Levy, Banquier und Herrn Abramo Constantini, Ingenieur. Bis jetzt sind schon bei zwölftausend Francs beisammen. Man hofft hier, daß unsere reichen Glaubensgenossen im Abendlande nicht zögern werden, ihr Schärflein zum Bau dieses Gotteshauses beizutragen, damit baldigst auch die Hauptstadt des verjüngten Griechenlands eine würdige Andachtsstätte für die Nachkommen Israels besitze. Bekanntlich hat noch im 13. Jahrhundert, als der jüdische Forschungsreise Benjamin von Tudela unsere Stadt besuchte, hier und ebenso auch im benachbarten Theben eine kleine jüdische Gemeinde existirt, deren Mitglieder sich zumeist von der Seidenweberei ernährten. Später, als nämlich das griechische Kaiserreich eine Beute der Kreuzfahrer und sonstigen abendländischen Raubrittergesindels wurde, mußten die Juden Athen verlassen, und ihr Gotteshaus wurde entweiht. Damals war auch Athen volle vierzig Jahre gänzlich verödet und verlassen. Erst in neuerer Zeit und zwar mit dem Regierungsantritte des Königs Otto begannen wieder Juden sich hier anzusiedeln und heute gibt cs hier auch schon eine kleine Gemeinde. Auch einen Rabbiner besitzen wir, der zugleich als Religionslehrer fungirt. Derselbe erhält von der Gemeinde blos 600 Francs jährlich und ebensoviel auch vom Staate; da er aber zugleich als Schächter fungirt und auch Privatunterricht ertheilt, so findet er sein Auskommen. Er ist ein Smyrnaer, spricht Spaniolisch und Italienisch und auch etwas Türkisch, dagegen ist er des Griechischen vollkommen unkundig, was im Interesse seiner Schüler sehr bedauert wird. Aus Wunsch unserer Regierung trägt der Rabbiner jetzt mit Ausnahme seiner Kopfbedeckung, die noch weiter aus Fez und Turban besteht, vollständig die Amtstracht der griechischen Geistlichkeit, wodurch seine Achtung bei der hiesigen christlichen Bevölkerung erhöht wird. Auch die Mollahs (Geistlichen) der wenigen in Griechenland noch existirenden mohamedanischen Gemeinden tragen sich, gleichfalls mit Ausnahme der Kopfbedeckung, die noch immer die morgenländische ist, ganz so, wie die griechische Geistlichkeit, so daß es im ganzen Königreiche nur eine Amtstracht für den Seelsorgerstand gibt. Türkei. Caifa, ini Juni. Es steht zu erwarten, daß das Projekt einer Eisenbahn von Caifa nach Damaskus doch noch durch einen großherrlichen Ftrman bestätigt wird; unsere Beiruter Konkurrenten, die sich viel haben kosten lassen, die Linie Beirut- Damaskus zu bekommen, sollen dazu jetzt keine Aussicht mehr haben, und in der That wäre die elftere Linie auch viel billiger und nützlicher. Man behauptet in neuester Zeit, daß das Pariser Haus Rothschild, sowie Baron v. Hirsch anfangen, sich für Eisenbahnen in Palästina und Syrien zu interessiren, und daß sie eine Anschlußbahn von Jaffa und Caifa entschieden dem ungeheuer kostspieligen Bau eines ordentlichen Hafens bei Jaffa vorziehen. — Auf alle Fälle hat das oft verachtete kleine Caifa eine bedeutende Zukunft und ist die Zeit vielleicht nicht mehr gar so fern, wo das Dampfroß uns per Bahn zu den heiligen Festen nach Jerusalem führt und wir von den Launen des Meeres und der Witterung unabhängig werden. Salonichi. Bor Kurzem hat der Herzog Tomraso von Savoyen, ein Neffe des Königs Humbert, mit einem italienischen Krtegsgeschwader einige Häfen der Levante besucht und hatten auch die Bewohner Salonichis das Vergnügen, den hohen Gast in den Mauern ihrer Stadt begrüßen zu können. Höchst erfreut über die Ankunft dieses seltenen Landsmannes beeilten sich die Mitglieder der hier ansäßigen Banquiersfamilie Allatini — dieselben sind aus Italien hieher eingewandert — die trotz ihres immensen Reichthums noch heute zu den strenggläubigsten jüdischen Geschlechtern unserer Stadt gehört, den hohen Gast und sein Gefolge zu einer Abendunterhaltung zu laden, eine Einladung, die derselbe auch sogleich huldreichst annahm. In wenigen stunden schon war der Palast Allatini hier festlich geschmückt und decorirt und flogen auch schon Boten durch die Stadt, um alle unsere Notabilitäten zur Theilnahme an diesem Familienfeste zu laden. Die geräumige Terrasse dieses Palastes präsentirte sich nun als einen großen Garten, während der Palast selbst, der von Außen illuminirt war und im Innern wieder ein Meer von Licht