Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 54 (10.7.1890)
- Date
- 1890-07-10
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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■' ■'- ' “ "".:.. Oesterr.-Ungar.-Monarchie. P»Pa, im Juli. Wir hatten schon einmal Anlaß genommen, zu berichten, daß sich hier ein Rabbinerwahl - Comito gebildet hat. Heute kann ich Ihnen mittheilen, daß dasselbe mit seiner Thätigkeit bereits begonnen hat und zuerst Herrn Sigmund Fürst (Schwiegersohn des Herrn Rabbiner Kuttna in Eisenstadt), Rabbiner der orth. Gemeinde zu Tyrnau beries, der auch am i? nV» 's kiv Vormittag in der hiesigen Synagoge Probevortrag über Bibelexegese — nnoo — hielt. Nachmittag unmittelbar nach dem Mincha-Gebet trug er eine Dissertation über ein talmudisches Thema — mann — vor. — Hierauf hielt Herr M. A. Roth, Rabbiner der orthodoxen Gemeinde zu Ezerjes seine Probevorträge am npn 's rnv. Wir enthalten uns vorläufig aus naheliegenden Gründen über die erwähnten Probevorträge eingehend zu urtheilen. — Der Ruf der Mitglieder des Wahlcomitö's bürgt dafür, daß die Rabbinersrage zum Nutzen und Frommen unserer Gemeinde gelöst werden wird. Wenn wir recht berichtet sind, soll demnächst wieder ein Probevortrag stattfinden. isn \jn. Schweiz. Basel. Eine unscheinbare buchhändlerische Notiz aus der Schweiz meldet: „Die Fortsetzung des vielgenannten Werkes „Schulchan Aruch. Das Ritual- und Gesetzbuch des Judenthums re." ist eingestellt, wie wir aus einer Buchhändler-Mittheilung des Züricher Verlags- Magazins ersehen. Danach wäre der Herausgeber, Dr. Jean de Pavly, verschwunden, und ließe nichts von sich hören. In Folge dessen ist der Verleger des Werkes, Stefan Marugg in Basel, auch nicht in der Lage, weitere Lieferungen desselben erscheinen zu lassen." Die vorstehende Meldung, die, so wenig des Ueberraschenden sie auch für uns hat, wird nicht verfehlen, in den Kreisen des internationalen Antisemitismus Bestürzung und Anfregung hervorzurufen. Feuilleton. Eine ttefmmtfr tttelofru*. Eine Erzählung von B. Haus e. (Fortsetzung.) Es hatte sich nämlich mit Michel Kolischer eine Wandelung vollzogen. Er war einige Wochen nach der Abreise seines ältesten Sohnes schwer erkrankt, wurde zwar nach einigen Monaten wieder hergestellt, hatte aber in dieser Krankheit seine! Singstimme vollständig verloren. Das hatte einen sehr wohlthätigen Einfluß auf ihn; denn mit dem Verluste seiner Singfähigkeit verlor sich auch seine Singlust, diese Quelle feiner häufigen kantorltchen Rückfälle, welche so nachtheilig auf seine Gemüthsstimmung eingewirkt und ihn seit langer Zeit mit stetem Verdrusse und Trübsinn erfüllt hatten. Dazu kam noch, daß Meseritzer ein guter und fleißiger „Lerner", das heißt, sehr talmndkundig war und jede freie Stunde mit Talmudstudium ausfüllte. In Kolischer war dadurch die Lust erwacht, sich diesem Studium seiner Jugendzeit, das er nun schon seit einer langen Reihe von Jahren gänzlich brach hatte liegen lassen, auch wieder zuzuwcnden. Beide trieben daher die Beschäftigung mit dem Talmud, so oft als möglich, gemeinschaftlich. Die fleißige Vertiefung in die Verstandesschärfen Abhandlungen und Auseinandersetzungen des Talmuds verschafften dem Verstände und dem klaren Denken nach und nach wieder die Oberhand bei Kolischer über seine Gemüthsverdüsterung und Gemüthsduselei. Er lernte wieder klar denken; die religiöse Ueberspannung verlor sich bei ihm und machte wahrhaftem, echtjüdischem Sinne Platz. Der Einfluß Rathan's auf ihn hatte damit seine Kraft eingebüßt. Dadurch war es gekommen, daß Nathan noch nicht in den Alleinbcsitz des Geschäftes gelangt war und sein Vater nach dessen Verheirathung und trotz derselben einen Sonderhaushalt führte. Nathan betrachtete seinen Schwager Meseritzer als Ursache dieser Mißerfolge und begann nun dasselbe Spiel gegen diesen, das er gegen seinen Bruder Salomo in so wirksamer Weise angewendet hatte, mußte aber doch bald davon abstehen, da er die Erfolglosigkeit desselben unter den jetzt anders liegenden Umständen bald genug einsah. Michel Kolischer durchschaute ihn jetzt vollkommen und bereute es bitterlich, solchen Einflüsterungen gegen seinen ältesten Sohn Gehör gegeben zu haben. Er war durch gelegentliche, leider nur zu spät angestellte Erkundigungen zu der Erkenntniß gelangt, daß er demselben Unrecht gethan habe. Seitdem sein Geist sich wieder mehr denkfrei fühlte, lag dieser Vorgang wie ein schwerer Alp auf seinem Gewissen, von dem er sich gar zu gern befreit hätte. Er stellte nach allen Seiten hin Erkundigungen an, um den Aufenthalt Salomo's zu erforschen, was ihm aber nicht gelingen wollte. Da man ihm mittheilte, daß dessen Reisepaß nach England gelautet habe, so ließ er, wie er schon früher in deutschen Zeitungen gethan hatte, auch in englischen Zeitungen die Bitte um Rückkehr an ihn ergehen, ohne daß derselbe zurückrmJm