Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 54 (10.7.1890)
- Date
- 1890-07-10
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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980 gekehrt oder auch nur eine Nachricht von ihm je eingetroffen wäre. Ungefähr sieben Jahre nach dem Weggange Salomo's erkrankte Michel Kolischer an der Lungenentzündung, der er auch nach sechs Tagen erlag, nachdem er dem zuständigen Beamten seinen letzten Willen in die Feder dictirt hatte. Sein Nachlaß war ziemlich bedeutend, er betrug einschließlich des Hauses und des sehr bedeutenden Waarenvorraths gegen sechszigtausend Thaler. Hiervon waren im Testamente bestimmt: für seinen Nathan die Hälfte des Waarenbestandes und das Haus; für seine Tochter Hannchen, der Ehefrau Meseritzer's, die andere Hälfte des Waarenbestandes und fünftausend Thaler baar und für Salomo dreißigtausend Thaler. Das Geschäft sollte Nathan und Meseritzer gemeinschaftlich gehören. Nathan war mit dieser Bertheilung sehr unzufrieden, namentlich auch mit der letzteren Bestimmung, durch welche er seine, seit vielen Jahren angestrengten hinterliftischen Bestrebungen plötzlich vereitelt sah. Er suchte das Testament anzugreifen, was ihm aber mißlang. Nach des Vaters Tod zeigte es sich bald, daß Nathan's bisher so gern zur Schau getragene Religiösität nichts als eine heuchlerische Maske war, durch welche er seinen Vater täuschen und für seine Zwecke ausbeuten wollte. Er fing an, sich nach und nach sowohl in seinem Haushalte als auch in seinem öffentlichen Leben über die heiligsten israel. Religionssatzungen hinwegzusetzen und wollte auch am Samstage das Geschäft offen halten; da aber Meseritzer dieses nicht zugab, so kam es dieserhalb oft zwischen ihnen zum Streite, bis 'endlich Meseritzer, dieses unangenehmen Verhältnisses überdrüssig, sich mit Nathan auseinandersetzte und aus dem Geschäfte schied. Er kehrte nach diesem wieder nach Pommern zurück, wo er in seiner Vaterstadt ein gleiches Geschäft errichtete. Das Streben Nathan's, alleiniger Geschäftsinhaber zu werden, war nun endlich in Erfüllung gegangen, aber nicht zu seinem Vortheile. So lange Meseritzer noch mitthätig im Geschäfte war, vermochte sich dasselbe aus seiner Höhe zu erhalten; nachdem dieser aber geschieden, zeigte es sich bald, daß Nathan nicht geeignet war, einem großen Geschäfte selbstständig vorzuftehen. Die Ausführung der eingelaufenen Aufträge geschah weder mit rascher Pünktlichkeit, noch immer in Waarenlieferungen von gewohnter Güte, auch verstand er es nicht, den Anforderungen einer schnell schreitenden Zeit zu folgen. Die Concurrenz hatte ihn daher schon nach einigen Jahren überholt, so daß er sich bald genug aus vielen Gegenden gänzlich verdrängt sah. Das Geschäft sank zur völligen Unbedeutendheit herab und kam, nachdem es acht Jahre in dem Alleinbesitze Nathan's gewesen war, endlich zum Bruche. Das aus diesem Bruche gerettete Vermögen war nicht bedeutend und reichte nach seinem drei Monate später erfolgten Tode kaum noch zum Unterhalte seiner hinterlassenen, aus Frau und vier Kindern bestehenden Familie aus. Der weise König sagt mit Recht: „Wer Ungerechtigkeit säet, wird Unglück ernten." (Spr. S. 22, 8.) Die amtlichen Aufforderungen in den öffentlichen Blättern an Salomo Kolischer, seinen Erbtheil in Empfang zu nehmen, blieben ebenso erfolglos, wie seiner Zeit die in den öffentlichen Blättern Seitens seines Vaters an ihn ergangene Aufforderung zur Rückkehr. Das Geld wurde daher in amtlichen Gewahrsam genommen und in guten Zinspapieren angelegt. (Fortsetzung folgt.) Nach Schluß der Redaction eingetroffen. D. Heilbronn a. N. Als Illustration zur preuß.Herrenhansverhandlung der verflossenen Session kann von hier aus mitgetheilt werden, daß bei der dieser Tage am hiesigen Gymnasium abgehaltenen Abiturientenprüfung von 23 Prüflingen 7 (darunter keinJnde) durchfielen. 16 Schüler (darunter 4Juden) erhielten das Reifezeugniß zum Besuch der Hochschule. Der Primus ist Josef Strauß vou hier. Innsbruck. Der Kaiser hat den außerordentlichen Professor Dr. Moriz Loewit zum ordentlichen Professor der allgemeinen und experimentellen Pathologie an der Universität in Innsbruck ernannt. Berichtigung. Im leiteudeu Artikel der Nr. 52 d. Bl. „Fortschritt und Bankrott des Antisemitisinns" auf der ersten Seite, Spalte II, Z. 15 v. o. ist zu lesen statt „Geschichtscommentar" „Geschichtsconunent ator." Briefkasten der Redaetion. K. L. in W. Dr. Papilsky, Posen. Herr Max Victor in Köln, von dem wir gewohnt sind, daß er uns aus dem reichen Schatze seiner Phantasie alljährlich zu Rosch Haschonoh etwas Neues bietet, überrascht uns dieses Jahr mit einem reizend ausgeschmückten jüdischen Wandkalender. Außer den Figuren Moses, Aharon, David und Salomo bemerken wir noch für jedes Fest charakteristische kleine Medaillonbildchen, die den Kalender zu einem begehrenswerthen Zimmerschmuck machen dürften.