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Der Israelit · 1890-07-10 · Heft 54 (10.7.1890) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 54 (10.7.1890)
Date
1890-07-10
Page
– (sequence 3)
Language
German
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971 kein Wort richtig lesen konnte und an ein Verständniß des Gelesenen nicht zu denken war; trotzdem meinte er, die min -no^n mao richtig zu erfüllen. Um ihn von der Verkehrtheit feiner Ansicht zu überzeugen, sagte ich zu ihm: „Stelle Dir einmal vor, der liebe Gott 'ms hätte uns anstatt niv^ min etwas anderes geboten. Sagen wir, wir müßten z. B. täglich einen Tisch verfertigen, wie würdest Du Dich Deiner Aufgabe entledigen? Du hast doch die Tischlerei nicht erlernt." — „Wohlan," erwiderte mein' biederer Freund', „ich würde bei einem tüchtigen Meister in die Lehre gehen und von diesem Fachmanne die Anfertigung des Tisches erlernen." „Und zu mm bedarfst Du keines Meisters?" Wie mancher, der sich selbst Meister dünkt, bedarf noch recht sehr des Fachmannes, der ihm helfend, erläuternd und unterrichtend zur Seite steht! Das eigentliche Lernen rmh verlangt zu gleicher Zeit das Lernen riD by, in der Absicht, es wieder zu lehren, und wer sich bemüht, erlangt bald die Fähigkeit zu lehren und erst dann erfüllt er das mbb richtig, denn lehrend lernt man. Daher die Lesart its ]»p»bdd labb njo by (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Berlin. Wie die „Statist. Korrespondenz" mittheilt, betrug in der Zeit vom 1. Dezbr. 1871 bis 1. Dezbr. 1885 die Zunahme der nach dem Religionsbekenntnisse unterschiedenen Bevölkerungsgruppen im deutschen Reiche und in den wichtigsten deutschen Staaten nach Procenten des Bevölkerungsstandes am l. December 1871: Staaten: Evangelische Römisch- Katholische Juden Andere Bekenntnisse u. ohne Angaben Deutsches Reich davon: 14,82 12,88 9,96 40,68 Preußen 13,74 13,50 16,35 12,58 49,00 Bayern 10,82 5,99 6,65 Sachsen 23,36 62,57 131,01 94,80 Württemberg 10,36 8,07 7,56 43,22 Baden 15,34 6,55 5,45 54,67 Hessen 9,99 16,95 2,92 102,28 Elsaß-Lothringen 15,60 —2,01 —9,90 48,13 Das Auffallendste an diesen Ziffern ist die verhältnißmäßig geringe Zunahme der jüdischen Bevölkerung, und damit wird das Gefasel der Antisemiten von der Masseneinwanderung der Juden abermals zahlenmäßig widerlegt. Rur im Königreich Sachsen hat sich seit 1871 die Zahl der Juden stark vermehrt, sogar mehr als verdoppelt, aber das hat seinen Grund einfach darin, daß die Aufhebung des Niederlassungsverbots, das das Wohnrecht der Juden auf Dresden und Leipzig beschränkte, erst jüngsten Datums ist. In allen übrigen Theilen oes Reiches war die Zunahme eine geringe, Elsaß- Lothringen weist sogar eine Verminderung um nahzu 10 Procent auf. Bringt man die natürliche Vermehrung durch Geburten von jenen Ziffern in Abrechnung , so ergeben sie einen Ueberschuß der Auswanderung über die Einwanderung. Allerdings hat das Judenthum auch durch den Religionswechsel äußere Einbuße erfahren, denn nach den von der statistischen Commission der deutsch - evangelischen Kirchen-Conferenz aus Angaben der landeskirchlichen Behörden zusammengestellten Nachrichten sind während der Jahre 1882—1887 allein im preußischen Staate — für das deutsche Reich liegt keine Zählung vor — 1078 Juden zur evangelischen Kirche und 59 Evangelische zum Judenthum übergetreten. Mannheim, 4. Juli. Frau Henriette Ladenburg hat gestern anläßlich ihres 65. Geburtsfestes die reiche Gabe von 25,000 Mark als Zustiftung zu der bereits bestehenden Ladenburgstiftung, dem Stadtrathe übermitteln lassen. Die edle Spenderin ist eine nahe Verwandte des Inhabers des Bankhauses W. H. Ladenburg u. Söhne. Karlsruhe, 24. Juni. Vor 27 Jahren hat unser Großherzog zur Erinnerung an den Philosophen I. G. Fichte und zur Pflege vaterländischen Sinnes unter der studirenden Jugend eine Stiftung gemacht, deren Erträgniß alljährlich hiesigen Gymnasiasten für die besten Bearbeitungen eines gegebenen Themas zuthcil werden soll. In diesem Jahre erhielt den ersten Prtis (eine goldene Medaille nebst Fichte's Reden an die deutsche Nation) ein jugendlicher Glaubensgenosse, der Oberprimaner Heinsheimer, während fünf andere Bewerber silberne Medaillen erhielten. Wenn man sich erinnert, daß gerade Fichte den Juden den nationalen Idealismus und den geschichtlichen Sinn abgesprochen hat, so wird man in dieser mitgetheilten Thatsache auch sicher etwas von dem Humor der Weltgeschichte erblicken. Aus Württenberg, 4.Juli. In Bietigheim waren am vorgestrigen Markttag an den Häusern der frequentesten Straßen antisemitische Hetzschriften („Was kosten uns die Juden?" rc.) angeschlagen. Wie die „Neckarztg." erfährt, will der Reichstagsabgeordnete Liebermann von Sonnenberg demnächst in Bietigheim einen Vortrag halten.

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