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Der Israelit · 1890-07-07 · Heft 53 (7.7.1890) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 53 (7.7.1890)
Date
1890-07-07
Page
– (sequence 11)
Language
German
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963 greß-Comit6, mit dieser Frage so viel Staub aufzuwirbeln? Was veranlaßt die „Illinois Staatszeitung", den Rath zu ertheiten, daß alle Juden, die das Bürgerrecht noch nicht erlangt haben, sollen aus dem Lande ausgewiescn werden? Was veranlaßt die hiesige „Staatszeitung", Worte zu sprechen, die verletzender sind, als vergiftete Dolchstiche? Die Staatszeitung entnimmt die Nachricht einer anderen hiesigen Morgenzeitnng, dergemäß aus der Umgebung von Warschau ein wahrer Exodus von Juden nach den Vereinigten Staaten stattsinde, für baare Münze und versucht schon, dem ersten Amalek gleich, den Wehrlosen, den der Knechtschaft und Unterdrückung Entkommenen entgegenzutreten und ihnen den Weg zu dem gelobten Lande mit rauher Hand abzusperren. — Warum? Ist der neu eingewanderte Deutsche oder Böhme nicht gerade ein solcher Fremdling, als der neu eingewanderte russische Israelit? Hat der große Washington bei Creirung der Constitution zwischen Jude und Nichtjude einen Unterschied gemacht? Hat Columbus seine Entdeckungen nur im Interesse der Deutschen gemacht? — Allein, was nützt das nach Gründe suchen, nach Ursachen forschen? Der Haß kennnt keine Gründe, kennt keine Ursachen, die Feindseligkeit forscht nicht und fragt nicht und denkt nicht; sie folgt blind dem Zuge einer dunklen Gewalt. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Aus Oberhesserr, 4. Juli. Die Antisemiten agitiren angesichts der in diesem Monate statlfindenden Landtagswahlen für ihre namentlich in den ländlichen Wahlbezirken aufgestellten Kandidaten. So soll u. A. dem Abgeordneten für Butzbach (Dr. Vogt) sein Mandat durch den antisemitischen Gutsbesitzer Köhler-Lugge in Beitenhausen bei Lich streitig gemacht werden. Dr. Böckel hat diesen bereits in mehreren Versammlungen (Münzenberg u. s. w.) als Kandidaten den Wählern vorgestellt. Bremen, 18. Juni. Wir hatten heute das Vergnügen Herrn Dr. Philipp Klein, bisherigen Rabbiner zu Libau, hier zu begrüßen. Derselbe folgt dem Rufe einer orthodoxen Gemeinde in New-Iork, um daselbst das Rabbinat und die Inspektion der Schule zu übernehmen. Ein Freund und Begleiter des Herrn Dr. K. war so gütig uns Einblick in die „Libauische Zeitung" und den „Tagesanzeiger für Libau und Umgegend" nehmen zu lassen. Wir erfuhren aus den beiden politischen Blättern, welcher Hochachtung sich Dr. K. bei der Bürger-! schaft zu L. erfreute, welch zündende Wirkung seine Reden übten, und welche Verdienste sich derselbe; um die Jugenderziehung erwarb. — Beim Abschiede war die gesummte Gemeinde und die Honoratioren der Stadt am Hafen erschienen, um dem ehrwürdigen Herrn das Geleite zu geben. Bis zur letzten Stunde, in welcher Herr Dr. K. das Schiff betrat, hoffte der Bürgermeister auf ein Telegramm von Petersburg, das dem Dr. K. das russische Bürgerrecht bringen sollte, denn davon allein machte K. sein ferneres Verbleiben in Libau abhängig. Die ersehnte Depesche traf nicht ein. Der Draht blieb stumm, desto beredter aber sprach die Gemeinde. Jung und Alt, fämmtliche Parteien, Chasstdim, Orthodoxe und Fortschrittler, Alles wetteiferte im Ausdruck tiefster Verehrung, man überhäufte den geliebten Meister mit Geschenken und kostbaren Andenken. — Während der Seefahrt des Dr. K. werden in sämmtlichen Synagogen Libaus hebräische Gebete gesprochen, um von dem Allmächtigen eine glückliche Ueberfahrt des hochverehrten Meisters zu erbitten. Möge Herr Dr. K. auch jenseits des Oceans, warm schlagende Herzen, liebevolles Entgegenkommen und einen für seine Thätigkeit emfäuglichen Boden finden. Das tiefe Wissen und der gediegene Charakter K.'s. läßt uns das Beste hoffen. A. Oesterr.-Ungar.-Monarchie. Carlsbad, 1. Juli. Der Sultan von Johore in Indien, der im Frühlinge zur Cur hier eingetroffen, um unfern Sprudel zu trinken, hat unsere Stadt wieder verlassen und die Rückreise in sein fernes Reich angetreten. Vor feiner Abreise hat er auch die hiesigen Wohlthätigkeitsvereine- und Anstalten mit Gaben bedacht und es erhielten auch u. A. das hiesige jüdische Spital 100 fl., die Synagoge hier 100 fl. und ebensoviel auch deren Diener und schließlich der Frauen-Wohlthätigkeitsverein für hilfsbedürftige Israelitinnen 50 fl. Paks, 1. Juli. Herr M. L. Ehreng ruber von hier wurde zum Rabbiner in Unad gewählt. Feuilleton. Sin» Hielt» i»ie. Eine Erzählung von B. Hause. (Fortsetzung.) Die Schwestern hatten unterdessen bei dem Vater weinend und fußfällig den Versuch gemacht, ihn umzustimmen, waren aber in einer Weise abgewiesen worden, die ihnen die Wiederholung eines solchen Versuches unmöglich machte.

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