Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 53 (7.7.1890)
- Date
- 1890-07-07
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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960 halten, wenigstens bis zur Ankunft des Arztes. Und als bald darauf ein Arzt erschien, verbot auch er dem Kranken, auch nur ein Wort zu reden, und bestand auf vollkommenste Ruhe. „Wo wohnt der Herr?" fragte der Arzt. Steinheim blickte fragend auf den Kranken. Dieser zuckte die Achseln und sah auf seinen Koffer. „Sie scheinen heute erst angekommen zu sein, Herr Bärwald, und haben vermuthlich noch kein Logis genommen, da wäre es wohl das Beste, wir ließen Sie in meine Wohnung bringen, meine Frau wird für Ihre Pflege Sorge tragen." Der Kranke schüttelte heftig den Kopf, in seinen Zügen zuckte es seltsam, er schien reden zu wollen, der Arzt verbot es mit der größten Strenge. „Kein Wort, mein Herr! — oder Sie gefährden Ihr Leben. — Ist Ihre Wohnung weit von hier, Mr. Steinheim? — Der Kranke dürfte selbstverständlich nur in einer Porte-Chaise oder mittelst einer Tragbahre transportirt werden." „In diesem Falle dürfte die Ueberführung doch dreiviertel Stunden in Anspruch nehmen." „Das ist viel, doch es ist nicht zu ändern, hier können Sie ihm vermuthlich keine Pflege angedeihen lassen." „Unmöglich." „Also schicken Sie in's Hospital und lassen Sie von dort geschulte Krankenträger kommen, die ihn in einer Sänfte in Ihre Wohnung überführen." Wiederum arbeitete es mächtig in dem Angesicht des Kranken, er hob die rechte Hand und sah bittend bald auf Steinheim, bald auf den Arzt. „Sie wünschen zu schreiben?" fragte der Arzt, „ich kann Ihnen aber nur wenige Worte gestatten. Haben Sie vielleicht ein Crayon zur Hand und ein Blatt Papier?" Steinheim zog sein Portefeuille hervor, drückte dem Kranken einen Bleistift zwischen die zuckenden Finger und hielt ihm ein unbeschriebenes Blatt vor. Nicht ohne Anstrengung schrieb Adolf Bärwald. „Nicht zu Ihnen — in's Hospital." Der Arzt blickte fragend auf Steinheim, dieser schüttelte entschieden den Kopf. „Nein, Herr Bärwald, ich lasse Sie nicht in's Hospital bringen. — Den Sohn meines ehemaligen, von mir so hochverehrten Chefs in's Hospital! — wo denken Sie hin. — Und überdieß, Sie könnten doch im Hospital nichts genießen — während in meinem Hause — Sie kennen sogar meine Frau, Herr Bärwald, sie hat niir oft von Ihnen erzählt, sie war mit Ihnen auf demselben Dampfer auf der Ueberfahrt von Bremen hierher, sie und ihr seliger Großvater, es dürften jetzt dreizehn oder vierzehn Jahre sein. Sie wird sich herzlich freuen, Sie wiederzusehen, und wird Sie mit der größten Sorgfalt pflegen." Der Arzt traf noch einige Anordnungen in Betreff des Transportes, dann empfahl er sich, Steinheim begleitete ihn und ersuchte ihn, im Laufe des Tages noch einmal nach dem Kranken sehen zu wollen. Der Arzt versprach es. „Ich mache Sie übrigens darauf aufmerksam, Herr Steinheim, Sie sind im Begriffe einen Schwerkranken bei sich aufzunehmen — ob es nicht doch gerathen wäre, feinem Verlangen zu entsprechen und ihn in's Hospital bringen zu lassen? — Es würde eine große Last für Mrs. Steinheim sein." „Der sich meine Frau mit Freuden unterziehen wird. Ich bin dem Vater des Patienten allzugroßen Dank schuldig, als daß ich mich seines kranken Sohnes nicht anuehmen sollte." „Wie Sie wollen — ich glaubte nur darauf aufmerksam machen zu sollen. — Also in einigen Stunden werde ich in Ihrer Wohnung vorsprechen, um mich von dem Befinden des Kranken zu überzeugen. Ihr Diener, Mr. Steinheim." (Fortsetzung folgt.) „Israelit" und „Jeschurun" erscheint wöchentlich zweimal, Montags und Donnerstags, jedesmal in mindestens 2 Bogen. Preis des Jahrgangs für Deutschland und Oesterreich 12 Reichs-Mark, für's Ausland 16 Reichs-Mark. Man abonnirt ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Durch den Buchhandel )U bestehen bei E. F. Kleinarker, Leipzig, Rastplatz 16. — Inserate 25 Pfennige die dreigespaltene Petitzeile oder deren Raum. — Oesterreichische Banknoten laut Cours. — Directe Francoznsendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 8 st. österr., für's Ausland 16 Reichs-Mark, an die Expedition franco emzusenden. Inhalt (Hauptblatt): Leitender Artikel: Israels einzige Rettung. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: 2 mal Berlin. Schweinfurt. Lechenich. Hildesheim. Hamburg. — Frankreich: Paris. — England: 2 mal London. Bedsord. — Persien: Teheran. — Feuilleton: Waltungen. Inhalt der Beilage: Leitender Artikel: Ein Stückchen Antisemitismus in den Bereinigten Staaten Nordamerikas. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzeu: Deutschland: Au8 Oberhessen. Bremen. — Oesterr.-Ungar. Monarchie: Carlsbad. Paks. — Feuilleton: Eine bekannte Melodie. Verantwortliche Redaction: Oscar Lehmann in Mainz. — Expedition des „Israelit" u. „Jeschurun", Schottstr. Nr. 2, Mainz. Dr ick und Verlag der Ioh. Wirth'schen Hofbuchdrnckerei-Actien-Gesellschast in Mainz. Hierzu eine Beilage.