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Der Israelit · 1890-07-07 · Heft 53 (7.7.1890) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 53 (7.7.1890)
Date
1890-07-07
Page
– (sequence 6)
Language
German
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958 des Baron Hirsch, durch Gründung eines Unterrichtsfonds im Betrage von 50 Millionen Francs das geistige Niveau der russsischen Juden zu heben, sei mißglückt, weil der Zcar das Projekt zurückgewiesen habe. Trotz der freundlichen Unterstützung des Großfürsten Michael und der Intervention Lord Salisburys bleibe die russische Regierung bei ihrem jetzigen Verhalten und die Behandlung der Juden in Rußland und Russisch-Polen sei eine Schmach für das civilisirte Europa. Baron Hirsch sei entschieden gegen eine Auswanderung der russischen und anderer Juden nach Palästina, wo die Aussichten auf Erfolg sehr zweifelhafte seien, aber er sei bereit, einen vernünftigen Plan zur Beförderung der Auswanderung der Juden nach den Ber. Staaten oder einem anderen Theile Amerikas zu unterstützen. Während des abgelausenen Jahres hat der Verein 21 Schulen in Bulgarien, Rumänien, Palästina, Marokko und der Türkei mit zusammen 1640 Lst. unterstützt. London. Die portugiesische und die Reformgemeinde (West-London-Synagoge) haben beschlossen, der Einladung Lord Rothschilds behufs Anbahnung einer gemeinschaftlichen Wahl eines Chief -Rabbi- Delegirten zu ernennen, nicht Folge zu leisten. Bedford. Die „Bedfordshire Times“ bringen in ihrer Ausgabe vom letzten Samstag einen Leitartikel über das Thema „Bedford und die Juden". Sie schreiben: „Unsere Leser werden sich wundern, daß in Londoner Blättern vor wenigen Wochen die Frage aufgeworfen wurde, ob die Juden berechtigt seien, gewisse öffentliche Schulen ohne bestimmte Einschränkungen zu besuchen. Bei dieser Gelegenheit wurde constatirt, daß die Vedforder Schulen schon seit Langem in dieser Weise den Juden offen stehen. Seitdem erfahren wir, daß sich da und dort Stimmen erhoben haben, um Bedford als Aufenthaltsort für jüdische Eltern zu empfehlen. Wenn sich solche hier niederlaffen wollten, so würde dies dazu beitragen, Verhältnisse früherer Zeit, als hier eine Synagoge und eine ziemlich bedeutende jüdische Colonie bestand, neu zu begründen. Bedford hat ein gewisses Anrecht auf die Juden, denn es ist eine Stadt, in der seit jeher die Rechte der Juden bereitwilligst anerkannt wurden. Nicht nur sind seine Schulen den Juden seit mehr als einer Generation geöffnet, sondern Bedford ist auch die einzige Provinzstadt in England, wo bedeutende Meetings abgehalten wurden, um die Sympathie mit den bedrückten Juden auf dem Continente zum Ausdruck zu bringen. Im Jahre 1877 wurde über Veranlassung des Bürgermeisters (Mr. Hobson) und einer Anzahl einflußreicher Bürger in dieser Stadt, eine zahlreich besuchte Versammlung abgehalten, um das lebhafte Mitgefühl für die verfolgten Juden in Serbien und Rumänien kund zu geben. Ein ähnliches Meeting in ähnlicher Weise durch den Bürgermeister (Mr. Hill) einberufen, wurde im Jahre 1882 abgehalten, um die Sympathie für die verfolgten russischen Juden zum Ausdruck zu bringen. Diese Versammlungen wurden von Christen geleitet, und auf diese Weise gaben sie beredtes Zeugniß von dem herzlichen Einvernehmen, welches zur Zeit und schon seit vielen Jahren besteht zwischen der jüdischen und christlichen Bevölkerung in Bedford." Persien. Teheran, im Juni. Die erste Gattin unseres erhabenen Herrschers, Sultanin Emineh Agdes, die sich vor einigen Wochen nach Wien begeben, um sich dort den grünen Staar stechen zu lassen, trifft Ende dieses Monats, nachdem diese Operation gelungen und sie ihre Sehkraft glücklich wieder erlangt hat, in unserer Stadt ein und wird ihr der Schah bis zur Stadt Kaswin mit großem Gefolge entgegenreisen. Mit den Bewohnern dieser Stadt treffen auch die Juden daselbst schon die nöthigen Vorbereitungen, um den Schah und seine erlauchte Gemahlin würdig empfangen zu können und werden sie daher dem erlauchten Paare entgegenziehen, um dasselbe vor dem Stadtthore festlich zu begrüßen. Auch hier wird die erlauchte Fürstin einen glänzenden Empfang finden, an dem sich auch die hiesige jüdische Gemeinde betheiligen wird. Der persische General -Consul in Taganrog, Herr Poliakow, ein bekannter reicher russischer Jude, erhielt soeben vom Schah die Concession, in allen Städten Persiens Pfandleihanstalten und Vorschußkassen errichten zu dürfen. Die Concession ist sünsundsiebzig Jahre giltig. Die Juden Persiens, die zumeist in sehr ärmlichen Verhältnissen leben, versprechen sich von diesen neuzuerrichtenden Anstalten viel Gutes, da sie bisher gezwungen waren, den Armeniern, die hierzulande fast alle Geldgeschäfte in Händen haben, für eine aus ein Pfand oder sonst wie vorgestreckte Summe horrende Zinsen zu zahlen. Auch dürfte Herr Poliakow in seinen Bureaus viele Juden anstellen, da diese mit den Verhältnissen des Landes sehr bekannt sind. Die Anglo-Jewish-Association in London hat sich endlich im Vereine mit der Alliance Jsraelite in Paris entschlossen, hier eine jüdische Knaben- und Mädchenschule zu errichten, an der nebst der Landessprache auch Englisch und Französisch gelehrt werden soll, um so die Juden Persiens mit den zwei meistverbreiteten Idiomen des Abendlandes

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