Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 53 (7.7.1890)
- Date
- 1890-07-07
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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wohl zur Hälfte aus dem Mammon der hiesigen Christen erbaut wurde. Das Tempelchen wurde leider keine Zierde der Stadt. Besonders seine äußeren Größenverhältnisse blieben unbedeutend. Aber das Innere mußte die gerechten Ansprüche der Gemeinde befriedigen. Bereits am 8. November 1849 konnte die Synagoge eingeweiht werden. Zahlreich versammelte sich die Gemeinde, unter ihr auch „Freunde und Verehrer dieses Gotteshauses." Hamburg. Der verdiente Vorsitzende des Vorstandes der Hamburger israelitischen Gemeinde, Philipp Bauer (in Firma Gebrüder Bauer u. Co.), legte sein Amt aus Gesundheitsrücksichten nieder. Berlin, I. Juli. In der heutigen Sitzung des Reichstags beantragte die Wahlprüfungs-Commission, die Wahl Pickenbachs zu beanstanden und Erhebungen über einzelne Proteste anzustellen. Das Haus hat auch so beschlossen; ein Antrag des Antisemiten Dr. Böckel, die Wahl sofort für giltig zu erklären, fand nicht die genügende Unterstützung. Dabei kamen aber wenigstens die Herren Böckel und Liebermann von Sonnenberg zu der ihnen und der rechten Seite des Hauses immer erwünschten Gelegenheit, sogenannte Judenreden zu halten. Mit der Art von ruppigem Humor, der ihnen eigen ist, drehten diese Herren den Spieß einfach um, stellten sich als die friedfertigsten Leute, und die Juden und Freisinnigen des Kreises Gießen, sammt den dortigen Behörden als gewaltthätige und gehässige Verfolger der echten deutschen Männer dar. Herr Gutfleisch hat ihnen ruhig und sachlich das Nöthige erwidert. Herr Rückert ist ohne Noth, aber sehr zum Vergnügen der antisemitischen Herren auf das Thema des „jüdischen Wuchers" eingegangen. Es ist wirklich zwecklos; wer mit den Antisemiten im Reichstage abrechnen will, und das ist sehr leicht, der muß nicht versuchen, sie und andere Leute zu überzeugen, die gar nicht überzeugt sein wollen, sondern diesen über jüdischen Wucher klagenden Ehrenmännern klar und deutlich in's Gesicht sagen, was sie eigentlich selbst sind. Wer sich dazu nicht entschließt, thut besser, ihnen gar nicht zu antworten. Es ist allgemeiner parlamentarischer Brauch, daß der Abgeordnete, über dessen Wahl verhandelt wird, den Saal verläßt, Herr Pickenbach blieb natürlich sitzen. Wer so viel durchgemacht hat, wie er, kann sich alles leisten. j Frankreich. j Paris, 30. Juni. Einige fromme Blätter i haben die Augen darüber verdreht, daß die Aka-; demie der Wissenschaften Herrn Raphael Btschoffshcim ihr: „Dignus es intrare!“ zugerusen hat. Unter den Verdiensten um die Wissenschaft, welche die Akademie mit der Wahl Bischoffsheim zu ehren beschloß, steht obenan die Errichtung der Sternwarte von Nizza. Seit einem Jahrhundert befand sich Frankreich, obwohl es Astronomen ersten Ranges, wie Arago, Savary, Delaunay, Lederner, die weltberühmtesten Mechaniker, wie Fortin, Gambey und Breguet, und Optiker wie Lerebour und Cauchoix besaß, doch in Bezug auf die Mittel der Himmelserforschung weit hinter vielen anderen Ländern zurück. Während die Sternwarte von Dorpat bereits über ein Fernrohr von 9 Zoll Weite verfügte, mit dem man die schwierigsten Doppelsterne genau zu messen vermochte, ließ sich durch das fünf- oder sechsmal kleinere Aequatorialrohr des Pariser Observatoriums kaum wahrnehmen, daß die betreffenden Gestirne überhaupt doppelt sind. Diese Unzulänglichkeit der Instrumente verhinderte die französischen Astronomen häufig an der gründlichen Verfolgung schöner Entdeckungen, so daß sie den Ruhm, dieselben fortgesetzt zu haben, dem Auslände überlassen mußten. — Das Ausland hat dem Werke Bischoffsheim hohe Anerkennung gezollt, welcher die Delegirten des internationalen Geodäsischen Kongresses, der 1884 auf der Nizzaer Sternwarte tagte, den lebhaftesten Ausdruck verliehen, so namentlich Förster, der Direktor der Berliner Sternwarte und der italienische General Ferrero. Auch regte die großartige und harmonische Einrichtung des Observatoriums von Nizza den Wetteifer aller Länder an. Rußland überbot das Nizzaer Fernrohr durch ein solches von 78 Ctm. Focusweite, Nordamerika durch ein solches von 98, das auf der Sternwarte des Hamiltonberges errichtet wurde, und durch ein solches von 1 Va Metern, das bemnäd)ft in Washington aufgestellt werden soll. Jedermann wird einräumen, daß ein Mann, der durch seinen Sinn und sein Streben derartige Resultate für die Wissenschaft erzielt hat, es wohl verdient, von ihren hervorragendsten Vertretern als Freund und Genosse behandelt zu werden. England. London, 30. Juni. In der gestern abgehaltenen 19. Jahresversammlung der Anglo Jewish; Association beklagte sich der Vorsitzende, der Abgeordnete Sir Julian Goldsmid, bitter darüber, daß I die harten Maßregeln gegen die Juden in Rußland j und Rumänien noch immer nicht im geringsten ge-; mildert worden seien. Der philantropische Plan