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Der Israelit · 1890-07-03 · Heft 52 (3.7.1890) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 52 (3.7.1890)
Date
1890-07-03
Page
– (sequence 5)
Language
German
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937 Einsicht! In Glaubcnssachen muß weder Zwang noch Gewalt herrschen! Seit Jahrhunderten lehrt man das Ehristenthum. Welche Gegensätze bringt es, sobald es sich um Juden handelt, zur Geltung. Es sinkt herab zur Niedrigkeit, zur Schmach, verliert die Hoheit, die Reinheit, die Stärke der Nächstenliebe, wenn es sich nicht von der Judenfeindschaft abwenden kann. Glanbens-- seindschaft entsittlicht und verwildert. Mein einziges Ziel ist: die wahre, volle Menschenliebe bethätigen. Willst Du mir hierbei helfen, so stelle keine Bedingungen — und beseitige das schlechteste der Gefühle — die Judenfeindschaft. Heinrich, sanfter, edler Freund, gehorsame! Ich bin Dein treuer und ergebener Stanz, am 7. April 1799. Pestalozzi." So schrieb Pestalozzi vor 91 Jahren. Man sagt, unser Cultusminister schätze Pestalozzi sehr hoch; wie schön wäre es gewesen, wenn er dem Hofprediger Stöcker gelegentlich der jüngsten Inden-Debatte statt jeder andern Antwort den obigen Brief Pestalozzis vorgelesen hätte. (Jsr. Wchschr.) Aus Württemberg, im Juni. Unsere Tagespresse beschäftigt sich gegenwärtig in mehrfachen Kundgebungen mit Vorkommnissen in jüdischen Kreisen. Von der Tauber wurde berichtet, der Bezirksrabbiner von Mergentheim habe auf einer amtlichen Turnusreise zur Abhaltung des Sabbatgottesdienstes in Berlichingen sich einer Sabbatentweihung zu schulden kommen lassen; er soll nämlich von zwei dortigen Israeliten am Sabbat betroffen worden sein, wie er eine Cigarre schmauchte. Eine Versammlung von Notablen aus dem Bezirke Mergentheim beschloß, gegen den Bezirksrabbiner bei der Königl. israel. Oberkirchenbehörde im Beschwerdewege vorzugehen und hat eine Deputation an dieselbe nach Stuttgart entsendet. Die Sache erregt auch in nichtjüdischen Kreisen Aufsehen, und man ist auf das Vorgehen der Centralbehörde gespannt. (Anm. der Red. Obschon uns diese Nachricht schon vor Wochen von verschiedenen Seiten zugegangen, unterließen wir in Anbetracht der überaus schweren Anklage eine Veröffentlichung derselben. Da aber nunmehr die Sache durch alle jüdischen und viele nichtjüdischen Blätter gegangen, ohne daß von Seiten des Beschuldigten'eine Entgegnung bekannt geworden, stehen auch wir nicht mehr an, dieselbe unseren Lesern mit dem Ausdruck unseres tiefsten Bedauerns über diesen großen Dttfn mitzutheilen. Aus dem Unter - Elsaff, 30. Juni. Der Bericht in einer Ihrer letzten Nummern, die Wahl des Oberrabbinen für Straßburg betreffend, war verfrüht. Das Consistorium des Unter-Elsaß hat eine definitive Wahl noch nicht treffen können. Oberrabbiner Weil aus Metz und Rabbiner Ury aus Brumat bekamen je 3 Stimmen. Das Consiftorium hat dieses Wahlergebniß der höchsten Landesbehörde unterbreitet. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Wie«, 23. Juni. Im „Bürger-Club", dem bisher sämmtliche antisemitischen Mitglieder des Wiener Gemeinderathes angehörten, ist eine Spaltu,lg erfolgt und sind sieben Mitglieder, zum großen Theile Gründer des Bürger-Clubs, aus demselben ausgetreten. Es find dies die Gemeinderäthe Ferdinand May er, Schnarf, Wessely, Garber, Vetter. Baudrexel und Polzhofer. Wie ein hiesiges „christlich-soziales" Antisemiten-Wochenblatt in seiner heutigen Nummer — welche übrigens überhaupt die letzte ist — mittheilt, ließen die Genannten in der am 20. d. abgehaltenen Sitzung des Bürger-Clubs durch Herrn Polzhofer die Erklärung abgeben, daß sie aus dem Club austreten, weil die übrigen Mitglieder, statt mit ihrer Richtung Hand in Hand zu gehen, es vorziehen, mit dem aus seiner eigenen Partei ausgeschlossenen Herausgeber des deutsch-nationalen Antisemitenblattes, welches die antisemitische Wählerschaft wiederholt beschimpft und beleidigt habe, und seiner Gefolgeschaft zu pactiren. Es wird ferner mttgetheilt, daß die genannten sieben antisemitischen Gemeinderäthe einen eigenen Club bilden wollen. Aus Miskolez, 25. Juni. Der Redacteur des hier erscheinenden oppositionellen Blattes Borsod- Miskolczi Köslöny wurde heute Nachmitttag vom hiesigen FML. Freiherrn Eugen v. Albori empfangen. Dem Divisions-Commandanten war es bei dieser Unterredung augenscheinlich zunächst darum zu thun, jene Bedenken zu zerstreuen, die seitens des oppositionellen Theiles der hiesigen städtischen Repräsentanz gegen das Project der Erbauung einer Militär-Kaserne geltend gemacht wurden. Dabei bemerkte der General, daß es eine der vornehmsten Aufgaben höherer mililärischer Würdenträger sein müsse, für die Interessen jener Stadt und jener Bevölkerung zu sorgen, in deren Mitte man wohne und lebe. Des Weiteren äußerte Baron Albori in kräftigen Worten seinen Unmuth über gewisse bedauerlicherweise, auch in der Provinz wahrnehmbare confessionelle Gegensätze. „Ich kann nicht begreifen", sagte der General, „daß auf sozialem Gebiete andere Momente als die des sittlichen Werthes und der intellectuellen Qualification von entscheidendem Einfluß sein können. Meine Ueberzeugung war immer die, daß derjenige, der Antisemit ist, sich vom Boden des Rechtes und der Gerechtigkeit vollständig entferne. Ich meinerseits

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