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Der Israelit · 1890-07-03 · Heft 52 (3.7.1890) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 52 (3.7.1890)
Date
1890-07-03
Page
– (sequence 4)
Language
German
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936 den, der Zwiespalt in seiner Seele hat einen güllstigeu Ausgleich gefunden und mit dieser höheren Erleuchtung betrachtet er Israel als niiiv göttliche Erscheinung, als lebendigen Beweis des Daseins eines Gottes nu’y $bj, dessen erhabenes Wesen nun hellschauend, ihn in ehrfurchtsvoller Scheu niedersinkcn läßt. Der dicswöchentliche Abschnitt der Thora zeigt uns den Antisemitismus in seinem zweiten Stadium und in weiter Ferne den Bankrott desselben durch die erhabene Wahrheit des Judenthums, welcher selbst der Verblendetste auf die Dauer nicht zu widerstehen vermag. Zeitungsnachrichten und Corresponderrzen. Deutschland. Darmstadt. Die zweite hessische Kammer hatte, wie Sie bereits früher berichtet, den Antrag des Abgeordneten Stephan cinstinimig angenommen, nach welchem in der nächstjährigen Budget- Periode ein Beitrag cinzustellen sei zur Bestreitung der Cultusbedürfnisse der deutsch-katholischen Gemeinde und ein weiterer Beitrag zur Bestreitung der Bedürfnisse des israel. Kultus, letzterer veranlaßt durch eine gemeinsame Petition der größeren isr. Religionsgcmeinden des Landes. Da die erste Kammer diesem Beschlüsse nicht beigetreten war, kam vorige Woche dieser Antrag wiederholt in der zweiten Kammer zur Verhandlung. Die zweite Kammer hat ihren ersten Beschluß aufrecht erhalten. Berlin, 26. Juni. Der Aerger der cvangel. Orthodoxie über die Wohl und Bestätigung des Prof. Dr. Bernstein, eines Juden, zum Rektor der Universität Halle-Wittenberg macht sich in der „D. Evang. Kirchenztg." also Luft: „Die Bürgerschaft von Halle hat einen Sozialdemokraten zum Vertreter im Reichstag, die Universität einen Israeliten zum Rektor. Diese beiden Thatsachen stehen mit einander im engsten Zusammenhänge, wie Sozialdemokratie und Judenthum selbst. Wenn die Gebildetsten der Nation dem jüdischen Geist an einer so hervorragenden Stelle keinen Widerstand leisten, wie sollten die Philister den Muth gewinnen, sich dem Umsturz entgegenzuwerfen? Es ist gewiß schmerzlich, daß das Dasein einer Universität für das öffentliche Leben einer Stadt so gar wenig bedeutet. Aber wenn die Lehrer der Universität ihr Wahlrecht so ausüben, wer kann sich wundern, daß das Volk einem Anhänger der rothen Fahne seine Stimme gibt? Man sieht, der 20. Februar ist noch immer ohne Frucht geblieben. Wie viel Lehrgeld werden wir noch zahlen müssen, ehe der christlich-deutsche Geist sich aufrafft. Wir Deutsche sind Narreu. Wir reden viel von Ueberwindung des Umsturzes, des Widerchristenthums, der Internationale, der Judenmacht. Aber wir wollen siegen, ohne zn kämpfen, wir wollen Schlachten schlagen, ohne auf die Feinde zu schießen. Die alte deutsche Gcistesherrlichkeit liegt im Sterben; es verjudet alles, selbst die Universitäten! Die Juden bekämpft man nicht mehr; sie find viel zu stark geworden. Wer wird sich an ihnen die Finger oder gar den Mund verbrennen! Sie sind gefeit. Wer sie angreift oder kränkt, der hat die ganze Judenpresse auf dem Halse. Da läßt man lieber eine evangelische Universität von einem Israeliten regiert sein und die Regierung sagt Ja und Amen dazu. Wir sind eben kein christlicher Staat mehr. Wir haben auch keine streng christliche Obrigkeit mehr. Wir reden vom Christenthum im öffentlichen Leben und verleugnen es, wo cs sich darum handelt, dasselbe offen zu bekennen. Das Reich Gottes aber steht nicht in Worten, sondern in der Kraft." (iro .■wd DTiy Gelobt sei Gott, der die Zeiten ändert, daß die Regierungen sich nicht von dem Fanatismus der „Evang. Kirchenzt.", sondern von dem Prinzipe der Gerechtigkeit gegen alle Bürger und der Gleichstellung der Bürger, leiten lasten.) Berlin. Heinrich Zschokke hatte vor 90 Jahren Pestalozzi brieflich ersucht, doch fernerhin jüdische Kinder nicht in seiner Anstalt aufzunehmen, ohne dieselben vorher zuni Christenthume bekehrt zu haben. Als Zschokke sogar drohte, den Unternehmungen Pestalozzis die Unterstützung zu entziehen, wenn er nicht fernerhin nur christliche Kinder unterrichte und verpflege, da schrieb der herrliche, edle Mann folgende Zeilen an Zschokke, die derselbe in seiner „Selbstschau" 1799 selbst veröffentlichte. Der Brief lautet wie folgt; Mein edler Heinrich! Mit allen Kräften meines Geistes und meines Herzens arbeite ich seit zwei Jahren dahin, in allen elternlosen Kindern eine rechtliche und sittliche Gcmüthsstimmung zu erwecken und zu beleben. Ich suche die Kinder bei der ersten Entwicklung ihrer Kräfte zu Geschwistern zu machen und mein Haus in den einfachen Geist einer großen Haushaltung zusammenzuschmelzen! Hierbei bringe ich es fertig über Verschiedenheit der Religion still zu sein. Ich will den wenigen jüdischen Knaben, den herzlichen armen Waisen, für den Glauben ihrer Eltern Liebe einflößen und durch Befriedigung ihrer täglichen Bedürfnisse, durch Angewöhnung wohlthuender Fertigkeiten ihre Herzen geneigt und empfänglich für die That der Liebe und die Kraft der Sittlichkeit machen. Das ist ja doch zunächst die Hauptreligion! Ach, neulich, theurer Heinrich, fiel mir ein kleiner Judenknabe, der in Krakau geboren und die Eltern verloren — um den Hals und rief: Lieber Vater! — Nein, mein Heinrich, wenn Du so unedel sein kannst und das Verlangen stellst, ich solle die armen Waisen zum Christenthume zwingen, dann fehlt Dir die nöthige

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