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Der Israelit · 1890-07-03 · Heft 52 (3.7.1890) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 52 (3.7.1890)
Date
1890-07-03
Page
– (sequence 3)
Language
German
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dessen Uranfängen zurück, überblicke seinen ganzen geschichtlichen Gang bis in die fernste Zukunft und die Ueberzeugung dränge sich ihm auf, daß pw -iaa^> Dy i>i dieses Volk sei eine einzig und allein dastehende geschichtliche Erscheinung. Der tausendjährige Druck erhöhte und stählte seine Kraft, die Verachtung seitens aller Völker des Erdenrunds vertiefte nur sein Selbstgefühl, die Leiden erzeugten die edelsten Gefühle in seiner Brust, und während die Nationen den Volkskörper grausam unterwühlten, feierte die Volksseele Israels geistige Triumphe, entfalteten sich seine Geistesschwingen zur nie gekannten Höhe. Der Anblick dieser hehren geschichtlichen Erscheinung fei ein solch' überwältigender, daß er unwillkürlich jedem auf der Höhe der Gesittung stehenden Menschen die tiefste Hochachtung für Israel abringen muß, und nur aiwirv nh D’ua im Gewühle der Völker, unter dem rohen Pöbel, dem jeder Adel der Gesinnung fehlt, erfreut sich Israel der Achtung nicht. Aber Balak war ein zu gewiegter Diplomat und zu sehr von seiner antisemitischen Mission überzeugt, als daß er wegen eines vielleicht bald vorübergehenden geistigen Eindruckes, den Israel auf Bileam gemacht und dessen wohl nur momentanen Begeisterung für dasselbe seine Pläne aufgegeben hatte, fordert deßhalb Bileam auf, rann map ddn "wx inrr Dipo »rw roh nxan ibi. So unbegreiflich diese Aufforderung des Balak im ersten Moment erscheint, da er von einer Ortsänderung eine Gesinnungsänderung Bileams erwartet, so tief durchdacht ist sie und enthält die Taktik und das Manöver der Antisemiten aller Zeiten. Das Gesammtisrael, seine Gesammtlehre, seine Gesammtgeschichte, seine Gesammttugenden begeistern Dich. nxan xp iVai nxan *nap dsx üwd >h uap. Im Interesse der guten Sache blicke, o Prophet, nur auf dessen Schattenseiten, die ja, wie bei jedem Volke, vorhanden sein müssen, blicke auf seine moralischen, sittlichen Schwächen, blicke auf seine Individuen und du findest Anhaltspunkte genug, um zu fluchen. Bileam geht wohl auf einen Moment auf die Bitte Balaks ein, aber nur, um in dem nächsten begeistert auszurufen: roym xVi -pai ’nnp*> *pa run. Ich habe den Eindruck empfangen, daß Israel des Segens würdig sei, und dieser Eindruck ist unverwischbar. Auch die Mängel Einzelner werden mit der Zeit schwinden, sie sind nicht Folgen der Lehren dieses Volkes, ist ja das characteristische Merkmal, wodurch sich Israel von allen Völkern unterscheidet, daß während diesen das Gesammtwohl als Ideal vorschwebt und ihre Augen auf das Nationalganze gerichtet sind und das Wohl nun insofern in Betracht kommt, als es dem ^Ganzen zum Vortheile gereicht, Israel von der allein richtigen Auffassung ausgehend, daß das Wohl der Gesammtnation auf dem Wohle eines jeden Einzelnen beruht, dieses als das Ideal seines Strebens betrachtet und sich daher auch mit der moralischen und sittlichen Vollkommenheit seiner Gesammtheit nicht begnügt und die Vervollkommnnng aller seiner Individuen anstrebt. Die wenigen Fehler Israels sind nicht durch seine Gesetzgebung groß gezogen, ihre Wurzeln reichen in die traurigen Tage des Druckes und der Verfolgung zurück. x’aPa Dy p xtpjrv nxDi mp'. Man gönne diesem wunderbaren Volke nur Zeit, es wird die Schwingen seines Geistes regen, wie ein Löwe kraftvoll erheben, 7PND rw D’^n DM hw ny aattf1 uh nicht ruhen in der Arbeit an seiner Vervollkommnung, bis selbst die wenigen Schäden, die Einzelnen unter ihnen noch anhaften, geschwunden und es mit Hilfe jener Kraft, die es schon vor Jahrtausenden aus der egyptischen Finsterniß zur Sonnenhöhe der Offenbarung erhoben, in göttlicher Reinheit und göttlichem Adel dasteht. Balak glaubte jedoch noch immer nicht, daß es dem Bileam Ernst mit seinem günstigen Urtheile über Israel sei; konnte derselbe nicht unter jüdischem Einflüsse stehen und für jüdisches Geld gekauft sein? Noch einmal versucht er mit Anspielung auf die zu erwartenden Ehrenbezeugungen, deren er sich durch Eingehen auf die Pläne des Königs erfreuen wird, Bileam für sich zu gewinnen, aber diesmal mit glänzendem Fiasko. Während Bileam bis jetzt in Wirklichkeit den Israeliten nicht sympathisch gesinnt war, immer die günstige Gelegenheit für agitatorische Zwecke ein größeres Honorar einzustecken zu erhaschen suchte, seine Begeisterung für Israel nur Folge momentaner Ergebung war, und seine poetischen Ergüsse über die Vortrefflichkeit Israels tiefer gefaßt nicht ihm gehörten, wurden sie ihm ja gleichsam gegen seinen Willen durch die Erscheinung Israels und durch den ausdrücklichen Befehl Gottes abgenöthigt, weßhalb die Thora stets hinzufügt "sa aaa 'n Dan so ist er jetzt bei der dritten Prophezeiung vollständig umgewandelt, er schleudert alle Zauberkünste weit weg von sich d'Btij nxapV “pn xpi, er sieht nur die Wahrheit mit eigenen Augen, seine Begeisterung ist nicht mehr Folge einer gewaltigen Macht, die ihn unwillkürlich erfaßt, einer unwiderstehlichen Gewalt, die ihn gegen seinen Willen mit sich reißt, es wird ihm nichts mehr von Gott in den Mund gelegt, aya ua oy^a d*.xj, es sind dies jetzt seine eigenen Worte, py,a Diru?, er hat jetzt ein klares, Helles Auge, seine Vorurtheile sind geschwun-

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