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Der Israelit · 1890-07-03 · Heft 52 (3.7.1890) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 52 (3.7.1890)
Date
1890-07-03
Page
– (sequence 2)
Language
German
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934 * wder Wahrheit, sondern der krankhaften Phantasie der Autoren entnommen wurde und entnommen wird — alldies findet seine Urbilder im Rahmen der Thora. Und obgleich es zur Erkenntniß dieser Urbilder keiner platonischen Dialektik bedarf und jeder Vorurtheilslose und nüchtern Denkende in den Geschichtsentwickelungen und Entwickelungsphasen des jüdischen Volkes, in den über Israel verhängten Verfolgungen die Abbilder jener Urbilder erblicken muß, die Gott in uralter Zeit aufgestellt, so gibt es trotzalldem nur sehr wenig erleuchtete Geister, die dem Judenthum und der Judenheit Gerechtigkeit widerfahren lassen und in ihrer Geschichte die Manifestation der göttlichen Vorsehung und die Verwirklichung jener Urbilder schauen. Wie aber alles in der Natur dem steten Wechsel und Entwickelungsprozesse unterworfen ist, so hat auch die Verkennung Israels, die gleichzeitig mit seiner ersten Geschichtsperiode entstanden, in unserer Zeit Antisemitismus genannt, ihre geschichtliche Entwickelung und ihren Fortschritt. So sehr auch der heutige Antisemitismus eine Verrohung und Verwilderung der Gemüther, moralische Ohnmacht und sittliche Haltlosigkeit voraussetzt, im Vergleiche zum alten bedeutet er entschieden einen Fortschritt und ist einen Schritt näher zur völligen Auflösung getreten, die ja schon in Folge des Naturgesetzes, daß alles Ungesunde ausgestoßen werden muß, erfolgen wird. Das erste Stadium des Antisemitismus, die brutale Gewalt, ist bereits abgelaufen, die Hamans und Pharao's, die Urbilder jener eisernen Zeit, sie sind von dem bluttriefenden Schauplatze ihrer unmenschlichen Thätigkeit geschwunden. Auf den Trümmern des alten erhebt sich der moderne Antisemitismus, der an die Stelle der Gewalt die List, Politik und Diplomatik setzt und richtet unter dem Deckmantel der Tugend, der freilich das Modergerippe des alten nicht zu verdecken vermag, seine giftigen Pfeile gegen Israel. Die Urbilder dieses zweiten Stadiums des Antisemitismus sind Balak und Bileam. Diesen Edlen graut es vor dem Volke Israel. Nicht als fürchteten sie die physische Macht desselben, war ihm ja jede Feindseligkeit gegen Moab strengstens untersagt, das Motiv des Grauens war — der Patriotismus. „Es bedeckt den Schein des Landes." Dieses Volk wird mit seinen freiheitlichen Ideen die staatlichen und religiösen Grundfesten unseres theueren Vaterlands nach und nach unterwühlen, die ganze erhabene Staatsordnung stürzen, unfern urmoabitischen Charakter verwischen, unsere nationalen Güter vernichten und Allem das Gepräge ihres Geistes aufdrücken. Welche Ungeheuerlichkeit! Aus Patriotismus Antisemitismus! Als bestände der wahre Patriotismus in der vollständigen Jsolirung von anderen Völkerschaften, in der schroffen Zurückweisung alles dessen, was nicht unmittelbar aus nationalem Boden hervorgegangen, und nicht vielmehr in dem allen Fortschritt allein ermöglichenden Bestreben alles Schöne uud Edle, das zur charakteristischen Eigenthümlichj keit anderer Nationen gehört, mit dem Aufwande i aller Kraft an sich zu reißen und es zum Charakterzugc des eigenen Volkes zu machen. Natürlich konnte Balak von Seiten des Volks auf eine Unterstützung eines solchen Patriotismus nicht rechnen, eine Umgestaltung des absolutistischen moabitischen Hauswesens und eine Neugestaltung desselben nach den freiheitlichen, die Rechte des Volks berücksichtigenden Prinzipien des Judenthums mußte ja von diesem mit Freuden begrüßt werden. Die Fürsten, die Edlen des moabitischen Volkes waren es, denen es vor Israel graute, und auf ihre Unterstützun g rechnete Balak. Mit den Waffen in der Hand mochte er aber gegen Israel den Kriegszug nicht eröffnen, lehrte ihn doch der Untergang Mizrajims, daß man mit ■ roher Gewalt gegen dieses Volk des Geistes nichts aus-! zurichten vermag, auch mochte er fürchten, durch einen j Gewaltakt die Herzen des liberalgesinnten Volkes sich zu j entfremden, er greift deshalb zu einem im Alterthume f ganz fremden Mittel, um das gutmüthige moabitische j Volk inAufregung zusetzen und antisemitisch zu stimmen. f Aus weiter Ferne läßt er einen Propheten kommen, [ stellt ihn an die Spitze der Bewegung, gibt ihm i die Weisung, mit den Waffen der durch Aberglauben f und Gehässigkeit entstandenen Vorurtheile gegen Israel zu kämpfen und stellt ihm — von dem die \ Thora bemerkt mir®, daß er den Werth des Goldes j kannte und es vortrefflich verstand, seine Blechmünzen in Umlauf zu setzen — reichen Lohn und! hohe Ehrenbezeigung in Aussicht. Und der Prophet! folgt nach einigem Seelenkampf dem Rufe des moabitischen Königs. Kaum hatte er jedoch die Höhen erstiegen, von wo er das gesammte Bolk in seiner ganzen Ausdehnung übersehen konnte, da wirkt der Anblick des Volkes so gewaltig auf den besseren Theil j seines Geistes, daß seinen Lippen statt Flüche und j Verwünschungen begeisterte Segnungen und hoch- 8 poetische Ergüsse entströmen. Seine Gesinnungsf änderung motivirend, ruft er begeistert aus: iwno ’d I UNIX dhis. Er gehört nicht zu Jenen, die, in der i Tiefe stehend, kein Auge haben für die erhabene \ Erscheinung dieses Volkes, die nur eine kurze Spanne jf der Zeit überschauend, keinen Sinn für die weltt historische Bedeutung dieses Volkes haben, c-ns bwd | nnan iH* um«, er gehe in seinen Betrachtungen j und in seiner Urtheilbildung über dieses Volk zu

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