Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 52 (3.7.1890)
- Date
- 1890-07-03
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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XXXI. Jahrgang. W5ZM BtiChlisadiUÄÄ KTURT vr fc km A m A J tTD A ICM K6hM& Ähßoüsak - - /' *ur OMcfaiehU 4*» dautsclsen Judentum« T-o.me M Az Israelit»„>Jeschumn Zkltslyrlfl ]iir FSrdermlg jilv. Gklves MV jüD. Kevevs in Mus. Gmeiude uuv Mule. KenLrak-Hrgan für das orthodoxe ZudenLhum. Begründet von Dr. Lehmann in Mainz. Donnerstag, den 3. Juli 5050 (1890). Leitender Artikel. Der Fortschritt und der Bankrott des Antisemitismus. (Zu Paraschath Balak.) Bon Rabbiner Dr. M. Jung, Mannheim. Das Dasein Israels ist der stärkste Beweis für das Dasein eines allmächtigen, die Geschicke der Menschen nach den Gesetzen Seines Willens lenkenden Gottes. Der wunderbare Geschichtsgang dieses Volkes, schon jede einzelne seiner Gefchichtsphasen wäre ohne eine göttliche Vorsehung eine absolute Unmöglichkeit. Das Zeugniß der Geschichte für das Dasein Gottes ist deßhalb von eminenter Bedeutung, weil es nicht auf Theorien oder Dogmen beruht, die ja nie unanfechtbar, sondern aus Thatsachen der Erfahrung unmittelbar resultirt. Man mag Israel die Berechtigung zum Dasein absprechen, es existirt dennoch und je größer der Protest gegen seine Existenzberechtigung, desto überwältigender zeugt die Thatsache seines Daseins für das Dasein eines Gottes, desto mehr befestigt sich im Herzen der jüdischen Volksseele die Ueberzeugung und der beseligende Glaube, daß, mögen auch „Berge weichen und Hügel wanken", Israel hoch über aller Welterschütterung im Sonnenglanze des göttlichen Schutzes gegen alle Anfeindungen und Verfolgungen gefeit ist. Wie aber das Dasein Israels der glänzendste Beweis für die Existenz Gottes, so ist die Geschichte Israels zugleich die schönste Bestätigung der Göttlichkeit und Wahrheit Seiner Lehre. Was die Tradition für den gesetzlichen Theil der Thora, das ist die Geschichte Israels für den die Verheißungen über Israels Zukunft enthaltenden Theil derselben. Durch die Tradition werden manche Dunkelheiten in der schriftlichen Lehre erhellt, Schwierigkeiten beseitigt und das Verständniß derselben befördert. Thora und Tradition bilden ein harmonisches Ganze, dessen Theile einander voraussetzen und ergänzen. Ganz so die Geschichte Israels und die Zukunftverheißungen der Thora. Die Geschichte Israels ist der Erläuterungscommentar zu dem von der Thora entworfenen Zukunftsbilde des jüdischen Volkes. Und welch' ein Commentar! Nicht jenen Commentaren gleichend, denen das zu erläuternde Buch nur als Hintergrund dient zur Darstellung der eigenen Theorien ihrer Verfasser, nicht jenen, die wohl an dem Jdeengange des zu commenttrenden Autors anknüpfen, aber alsbald den Faden desselben fallen lassen und zu Resultaten gelangen, die sich geradezu als negirende Kritik entpuppen. DerGeschichtscommentar zur Thora ist in höchstem Maß objektiv. Die Bilder, die er vor unseren Augen entrollt, mögen diese düstere Schreckensgestalten oder in glänzender Farbenpracht strahlende Erscheinungen sein, sie sind nicht Produkte seiner Phantasie, danken ihr Dasein nicht den durch Zufall entstandenen fröhlichen oder trüben Stimmungen seines Gemüths, sie sind nicht seine Originalschöpfungen, sondern blos Abbilder jener göttlichen Urbilder, die der göttliche Künstler vor Jahrtausenden in Seinem Kunstwerke in solch' überwältigender Natürlichkeit und Wahrheit geschaffen. Und diese Urbilder gleichen ihrem Schöpfer. Wie er dem unter unseren Füßen sich krümmenden Wurm ebenso seine volle Aufmerksamkeit zuwendet, wie der über unserem Haupte majestätisch strahlenden Sonne, so widerspiegeln sich in ihnen nicht blos die epochemachenden Erscheinungen, die gewaltigen Geistesströmungen, sondern auch die unbedeutendsten Geschehnisse und Ereignisse der Geschichte Israels, ja selbst das Gemeine, die Ränke und Pläne der vom Haß geblendeten Gegner Israels, alle traurigen Helden der in der Geschichte Israels sich abgespielten und noch abzuspielenden Dramen, deren Leitmotiv nicht