Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 51 (30.6.1890)
- Date
- 1890-06-30
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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MZWWWW»7 ^UWW> 928 sten Weigerung des Rabbiners, ihn mit Intervention der „öffentlichen Macht" zur Abnahme des Eides zu zwingen; mit anderen Worten heißt dies in Rumänien, daß der Rabbiner zwischen Bajonetten, wie schwere Verbrecher durch möglichst viele Straßen nach der Synagoge geschleppt werden soll. Man kann gespannt sein, wie die Sache ablaufen wird. Selbst ein Machtwort des Obersten Gerichts-(Kassations-)Hofcs hat bei uns keinen Werth; es gibt daher Niemand, den man zur Schlichtung einfür allemal anrufen kann. Feuilleton. Eine freftannf« LNelodir. Eine Erzählung von B. Hause. ^Fortsetzung.) Die seit Jahren schon finstere, weltabgewandte und menschenfeindliche Stimmung Michel Kolischer's und seine dadurch herbeigeführte innere Vereinsamung hatte die naturgemäße Folge, daß sein Innenleben nach und nach eine krankhafte Beschaffenheit annahm. Seine stets ernste Religiösität artete in ein büßerhaftes Wesen aus, welches einen immer strengern Character annahm. Er legte sich Entsagungen und Kasteiungen auf, die weder im schriftlichen, noch im mündlichen Gesetze begründet waren, noch aus seinem, abgesehen von seiner Streitsucht, stets tadellosen Vorleben eine Erklärung zuließen. Auch sein körperliches Befinden litt sichtlich darunter. Dadurch kam er nicht selten mit seinen um seine Gesundheit besorgten Kinder in Widerstreit, namentlich war dieses mit seinem ältesten Sohne, Salomo, der Fall, der sich am meisten unter seinen Kindern einer zwar frommen, aber von aller Ueberspannung freien Richtung zuneigte, weßhalb ihm der Vater auch sehr gram war. Der jüngere Sohn, Nathan, ein ränkevoller Heuchler, der zu der Zeit, in welcher unsere Geschichte spielt, 21 Jahre zählte, suchte diese abgeneigte Stimmung seines Vaters gegen den altern Bruder durch Verhetzung immer mehr zu steigern, in dem Bestreben, diesen ganz aus dem Geschäfte zu verdrängen, um sich für später den Alleinbesitz des im besten Gange befindlichen Geschäftes zu sichern. Er brachte es auch wirklich dazu, daß das Verhältniß zwischen Vater und Sohn nach und nach unerträglich wurde und schließlich zum vollständigen Bruche führte. Die Führung des Geschäftes lag nämlich ganz in den Händen der beiden Söhne, da Michel Kolischer selbst in demselben wenig thätig war, ihm auch alle Fähigkeit zu solcher Thätigkeit abging.! Die Errichtung des Geschäftes hatte auch erst stattgesunden, nachdem die Söhne die in der Stadt befindliche Realschule durchgemacht hatten. Beide hatten die Berechtigung zur einjährigen Dienstzeit erlangt, jedoch war Salomo wegen zu schmaler Brust für dienstuntauglich erklärt worden, während Nathan als Einjähriger gedient hatte. Es stellte sich indessen nach Eröffnung des Geschäftes bald heraus, daß Salomo weit mehr Befähigung zur Geschäftsführung besaß, als sein Bruder. Er hatte ein gefälliges Aeußere, gebildetes Benehmen, zeigte ein ungezwungenes, stets freundliches Entgegenkommen und hielt sehr streng auf pünktliche und reelle Bedienung, lauter Eigenschaften, die seinem Bruder theils ganz abgingen, theils in weit geringerem Grade eigen waren. Was Wunder also, daß er bald als die Hauptperson im Geschäfte galt. Jeder Kunde, der in den Laden kam, fragte zuerst nach ihm und wollte am liebsten mit ihm verkehren. Nathan fühlte sich dadurch zurückgesetzt und gekränkt. Das erfüllte ihn mit Neid und Haß gegen den Bruder und daher entstand in seinem von Natur niedrigem und ränkevollem Geiste der Plan, den Bruder zu verdrängen. Die krankhafte Geistes¬ und Gemüthsbeschaffenheit des Vaters mußten ihm dabei als Handhabe dienen. Während er dem äusseren Scheine nach ganz auf die religiösen Anschauungen seines Vaters einging und demgemäß lebte, suchte er den Bruder in religiöser Beziehung bei dem Vater zu verdächtigen. Das war die empfindlichste Sette seines Vaters. Dieser schenkte den Einsiüsterungen Nathan's vollen Glauben und sein Gemüth füllte sich mit Haß und Erbitterung gegen seinen ältesten Sohn. Derselbe mochte sich noch so sehr bemühen, dem Vater die Grundlosigkeit der ihm gemachten Vorwürfe darzulegen, er fand kein Gehör. Die Quälereien und Nörgeleien fanden kein Ende, und dem braven, gutgerathenen Sohne wurde das Leben im elterlichen Hause jeden Tag unerträglicher gemacht. Noch schlimmer war es, wenn er von den oft vielwöchentlichen Geschäftsreisen, die er häufig zu machen hatte, nach Hause kam. Obgleich er auch auf Reisen strengreligiös lebte, mußte er doch nach jeder Nachhausekunft so viel Vorwürfe über Religionswidrigkeiten, die er begangen haben sollte, hören, daß er sich vor Unwillen und Aerger über solche falsche Anschuldigungen kaum zu fassen vermochte. Nathan schien ein vollständiges Spioniersystem eingerichtet zu haben, welches es ermöglichte, ihn während seiner Reise auf Schritt und Tritt beobachten zu lassen, um so auch das unschuldigste Thun und Lassen seines Bruders seinem Vater in