Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 51 (30.6.1890)
- Date
- 1890-06-30
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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922 hierin ein stets bewährtes Mittel finden, dem Gefühle konfessioneller Zusammengehörigkeit Halt zu verleihen. Wien, 20. Juni. In weiterer Durchführung des Gesetzes, betreffend die Regelung der äußeren Rechtsverhältnisse der israel. Religions-Genossenschaft, wurden die Vorstände der Gemeinden aufgefordert, an die politische Bezirksbehörde zu berichten: Wie viele Familien israelitischer Confession sich dermalen in der Gemeinde befinden, welchen Namen das Familienoberhaupt führt und aus wie vielen, in der Gemeinde ansässigen Köpfen die betreffenden Familien bestehen; ferner, welcher Cultusgemeinde die Familien bisher angehörten und mit welchen Beiträgen selbe für die Erfordernisse ihrer Cultusgemeinde herangezogen wurden. Mit den Familienhäuptern ist ein Protokoll aufzunehmen, dahingehend, welcher bestehenden oder neu zu errichtenden Cultusgemeinde selbe zugewiesen zu werden wünschen, wobei darauf aufmerksam zu machen ist, daß die in Gemäßheit des Gesetzes vom 21. März 1890 zu errichtenden Cultusgemeinden, beziehungsweise deren Sprengel, im unterstehenden Bezirke gelegen sein sollen, und einerseits nicht allzu ausgedehnt sein dürfen, andererseits doch die Garantie bieten müssen, daß die zu errichtenden Cultusgemeinden bezüglich (3Zoi}Totr)n'f\'( fWttrpfefiptihp SWW+oT 2" Wp+pii frtt tande find, um den Bestand und die Erhaltung der nöthigen gottesdienstlichen Anstalten und Einrichtungen, die Erhaltung der Religionsdiener und die Ertheilung des geregelten Religionsunterrichtes zu sichern. Ferner haben dieselben Anträge hinsichtlich der künftigen Gestaltung der Cultusgemeindesprengel zu stellen. Pretzburg, 18. Juni. Gestern Abend am Vorabend des i^nruTamus hielt die hiesige orth. Cultusgemeinde einen Trauergottesdienst ab, bei welcher Gelegenheit erst das ueo o^-Gebet verrichtet wurde und hierauf Herr Oberrabbiner B. Schreiber »"j die Kanzel zu einem ergreifenden nscn betrat, in welchem er die großen Verluste schilderte, welche das orthodoxe Judenthum des In- und Auslandes jüngst erlitten hat. Zuerst gab er seinen schmerzlichen Gefühlen über das Hinscheiden des To ka y er Rabbiners Vm pw -jn 'i v'no Ausdruck, dessen besondere Größe auf talmudischem Gebiete er schilderte. Dann klagte er über das Ableben des Londoner Rabbiners bei dem rron und r6ru vereint waren, welch' letzteres er zum Wohle des orth. Judenthums ausnützte, und dann prw pnx 3’an b eweinte er den Tod des Mainzer Rabbiners Dr. Lehmann b'ip, Ihres sei. Redacteurs jn, dessen frühzeitiges Hinscheiden eine unausfüllbare Lücke im orth. Judenthum verursachte, schilderte dessen großen Verdienste, welche er sich durch das wackere Einschreiten gegen das in Deutschland wuchernde R e f o r m e l e m e n t um das Judenthum erwarb. Die ergreifende Rede rührte die Zuhörer zu Thränen. Der Trauerakt wurde mit einem vom Kantor gesungenen D’öm bt< auf die *>"xt D’pHxn nio^j beendigt. Bonyhad, 11. Juni. Die hiesige israelitische orthodoxe Gemeinde hat ein neues tcmon rra erbaut, da das alte für die hiesige 120 omn:i zählende ro*p* viel zu klein geworden. Am 17. Siwan wurde dasselbe eingeweiht, bei welcher Gelegenheit unser Oberrabbiner Grünewald eine feierliche Ansprache an die Gemeinde hielt, in welcher er ihre Verdienste um das Thoraftudium schilderte. Die ganze Gemeinde, sowie auch viele Leute aus der Umgegend und mehrere D’jnn wohnten der Feierlichkeit bei. Am folgenden Abend fand eine Mahlzeit statt, bei welcher es nicht an jüdischen Toasten mangelte und große Spenden für die nun» sinn oninm eingingen. Rumänien. In Braila erscheint seit Kurzem eine von zwei Rumänen herausgegebene rumänische Monatsschrift. die die Rechte der Juden warm eintritt. Mögen unsere Glaubensgenossen dieselbe durch Abonnements stützen und für ihre Verbreitung thätig sein. England. London. Es ist interessant zu bemerken, wie die Weisheit der jüdischen Dietätsgesetze durch öffentliche Vorträge immer mehr zur Anerkennung gelangt. Die medizinisch begründete Thatsache, daß bfe Tuberculosis durch den Genuß des Fleisches inficirter Schlachtthiere auf Menschen übertragen werden kann, hat seit Jahren die Vortrefflichkeit der Bedikah (Lnngenuntersuchung) bei den Juden bewiesen. Neuerdings hat nun auch das Verbot des Genusses der Schalthiere durch die Gesundheitsschädlichkeit der Auster durch die Wissenschaft eine Sanction erhalten. Ein wissenschaftliches Journal hat jüngst die Behauptung ausgestellt, daß durch mikroskopische Untersuchung in den flüssigen Theilen der Auster eine Unmasse kleiner, lebender, mit Schalen bedeckter Austern, eine Spielart anderer kleiner Thiere und Myriaden von Würmern dreier verschiedener Gattungen nachgewiesen worden sind. Diejenigen, welche die Muschelthiere essen, werden hieraus ersehen, daß sie mit denselben weit mehr verzehren, als sie vermeinen.