Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 51 (30.6.1890)
- Date
- 1890-06-30
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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921 drückende Korrespondenz abzuwickeln, aber heute Morgen ist es anders, heute Morgen ist cs eine Freude für mich. Wie ich aus den mecklenburgischen Zeitungen ersehen habe, habt Ihr Stemhäger einen langersehnten Wunsch meines verstorbenen Vaters, die Errichtung eines Krankenhauses, der Erfüllung nahe gebracht, und da wollte ich doch auch gerne mein Scherflein beisteuern. — Der gütige Gott hat meine Schriststellerei reichlich gesegnet, so daß ich nach menschlichem Ermessen wohl ohne Sorge in die Zukunft schauen kann, und nun läuft mir da gestern ein hübsches Goldfischlein in mein Netz, und das, denke ich, soll Euch für das Krankenhaus zu Gute kommen. Mir ist nämlich die große Ehre geworden, daß mir die deutsche Nation durch das Comite der Tiedge-Stiftung in Dresden einen Ehrenpreis von 100 Ducaten übermittelt hat. Und für diese Summe habe ich für meine liebe Vaterstadt die einliegenden 250 Rthlr. prenß. Eour. zu dem oben angeführten Zweck bestimmt, der Rest wird tu ähnlicher Weise verwendet werden,' ich halte es nämlich für Unrecht, eine solche ehrenvolle Gabe für Fleisch und Brod und Hosen und Röcke zu verwenden, wenn man's nicht gerade hochnöthig hat. Nicht weil Dein und Deines Schwiegersohnes Name in dem betreffenden Zeitungs-Artikel genannt wurde, sondern weil ich seit langen, langen Jahren Dein treues, ehrennolles Wirken tu ^eiuuu 2Ku4t und Deine Liebe und Freundschaft für mich kenne, sende ich diese Gabe an Dich. — Dir, dem Juden, der in trübster Zeit, in Noth und in Tod treu zu mir gestanden hat, verdanke ich viel mehr, als manchem durch seinen Glauben anfgeputzten Christen- Menschen. Nun kommen sie, Viele, ach sehr Viele! es sind die bravsten Leute und aufrichigsten Freunde darunter; aber damals, als esNoth that, da hatte ich wirklich keinen, der mir so treu zur Seite stand, wie Du. Nun grüße mir Deine liebe Anna von ihrem alten Onkel und von dessen Frau, streich' ihr in deren Namen das schöne Haar von der weißen, hohen Stirn und dann geh' zu den Meinigen, grüß' sie ebenso warm und dann zu dem ehrenhaften, lieben Pastor Niederhöfer und dank' ihm für seine Treue in meinem Namen. So, nun, Ihr lieben Stemhäger Kinder, genießt es in Gesundheit — hätte ich beinahe gesagt, wenn's nicht für schwere kranke Tage gesandt wäre. Dein alter Freund Fritz Reuter. Eisenach, den 24. März 1867. Frankfurt a. M., 24. Juni. Heute verschied dahier der auch in weiteren Kreisen bekannte Herr Löb G o l d s ch m i d t, Schwiegersohn des berühmten, erst vor einigen Jahren dahingeschiedenen Rabbi Moses Mainz ^>"w. Derselbe war ein hochachtbarer, strengreligiöser Mann; der Tod traf ihn während der Ausübung einer Mizwah, indem er bei Begleitung der Leiche eines jungen Mannes vom Herzschlage gerührt wurde. Posen. Vieles Aufsehen erregt eine Verfügung der Posener Steuerbehörden, welche, wenn sie Rechtskraft gewinnt, eine empfindliche Belastung der kleineren Gemeinden mit sich bringen würde. Die Synagogen-Gemeinde Posen war seit Jahren von dem Miethsertrage eines kleinen Grundstücks mit circa 15 M. Kommnnalsteuer belastet; im Jahre 1889/90 aber ist sie zur Einkommensteuer von einer Jahreseinnahme von 7100 M., als dem ideellen Miethsertrage sämmtlicher der Gemeinde gehörigen Tempelgrundstücke herangezogen und mit circa 233 M. besteuert worden. Die dagegen angebrachte Reklamation ist von dem Magistrat mit der Begründung zurückgewiescn worden, daß auf Grund des Gesetzes vom 27. Juli 1888 , welches die Steucrverpslichtung der juristischen Personen regelt, bei selbstbenutzten Räumen der ortsübliche Miethspreis zum Ansatz kommt, und daß die Gegenüberstellung der sonstigen Ausgaben der Gemeinde 7dk? pvfrtvhov»» «/imli/fv.. luiö. wohl in den meisten Gemeinden, mehr Ausgaben, als sie Einnahmen ergeben) unzulässig sei, wie auch die Zweckbestimmung deS Einkommens auf die Besteuerung ohne Einfluß sei. Wie wir hören, wird die Syn'agogen-Gemkiude Posen die Angelegenheit in den höheren Instanzen verfolgen. Oesterr. - Ungar. Monarchie. Wien. Der Eultnsvorstand der hiesigen israel. Gemeinde hat sich in der letzten Zeit vielfach mit den Fragen des Neligionsschnl-Unterrichtes beschäftigt und eine Revision des Untcrrichts-Programmes beschlossen. Dieselbe bezweckt zunächst den Hebräisch-Unterricht, welcher seit zwölf Jahren nur in den Elementarschulen und den ersten zwei Klassen der Mittelschulen ertheilt wurde, allmälig steigend aus die sämmtlichen Mittelschulklassen auszudehnen und den Pentateuch in der Ursprache als Lehrgegenstand .wieder einzuführen. Dabei soll der Lehrplan jede Ueberlastung der Schuljugend sorgsam vermeiden. Mit diesem Beschlüsse hat der Vorstand den Wünschen einer überwiegenden Mehrheit der Gemeindeangehörigen Rechnung getragen, welche auf eine bessere Schulung ihrer Kinder in der gemeinsamen Gebet- und Bibelsprache Werth legen und