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Der Israelit · 1890-06-30 · Heft 51 (30.6.1890) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 51 (30.6.1890)
Date
1890-06-30
Page
– (sequence 7)
Language
German
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923 «klungen. Erzählung von Friedrich Rott. (Fortsetzung.) Meierhof schrn sich von seiner liebreizenden Braut nicht trennm zu können, Mitternacht nahte, bevor er an den llufbruch dachte, dann entschuldigte er sich zwar souphl bei Bella als bei ihren Eltern, daß er sie längs aufgehalten und meinte, es müsse sicher schon in ler zehnten Stunde sein. Noch einmal umarmte w sein holdes Mädchen, drückte die Hand ihrer Mtter an seine Lippen und schüttelte dem Vater di Hand und entfernte sich dann, von dem Haushern bis zur Stiege begleitet. Bella hatte ihm bö zur Thür das Geleite gegeben; noch stand sie da und lauschte aus den sich entfernenden elastischen 6chritt, da ward es plötzlich schwarz vor ihren Augn und lautlos brach sie zusammen. FravBärwald schrie laut auf, ihr Gatte stürzte itt das Zmmer und vorsichtig hoben beide die Ohnmächtige auf und trugen sie zum Kanapee. Frau Bärwal' unterdrückte nur mit Mühe ein lautes Schluchen. „§ie fühlt sich dennoch unglücklich", flüsterte sie vowurssvoll dem Gatten zu. Dieser schüttelte den Kpf. ,Sie ist angegriffen", erwiderte er, „und das ist ntz)t zu verwundern. In der verflossenen Nacht hat ft wenig geschlafen, Nacht und Tag in Aufregug verbracht und Abends doch noch größere Anfügung und überdieß von sieben bis zwölf, das sind fünf Stunden, sich unablässig unterhalten — es ü zum Staunen, daß sic so lange ausgehaltcn hat." „Sie hat sich allzusehr beherrscht", sagte die Mltter seufzend, indem sie sortsuhr, die noch immer Regungslose mit stärkenden Essenzen einzureiben. Loch es vergingen noch mehrere Minuten, bevor Bella das Bewußtsein wieder erlangte. Endlich regte sie sich und schlug die Augen auf und blickte verwundert um sich, sie wußte offenbar nicht, was mit ihr vorgegangen war. Nicht ohne Anstrengung richtete sie sich auf, die Eltern wollten sie stützen, doch sie winkte abwehrend, und nun saß sie da und schaute abermals um sich und fuhr sich mit der Hand über die Stirn, als könne sie dadurch ihr Erinnerungsvermögen wecken; und als sie die Hand wieder sinken ließ, da gewahrte sie den funkelnden Brillantring, den Meierhof an ihren schlanken Finger gesteckt hatte und dunkle Gluth überzog plötzlich ihr Angesicht, doch nur für einen Augenblick, dann erschien sie noch bleicher als zuvor. — Träumerisch blickte sie auf den prächtig funkelnden Stein an ihrer Hand, während ihre Brust sich mühsam hob. — Doch schon nach wenigen Minuten hatte sie ihre Willenskraft vollständig wiedererlangt. „Verzeiht!" bat sie, lächelnd zu den Eltern emporblickeud, „ich habe Euch erschreckt — ich weiß in der That nicht, was da mit mir vorgegangen ist — nur gut, daß Leopold nicht mehr hier war." Wie glatt der Name ihr über die Lippen floß — die Ellern ließen sich abermals täuschen. „Er ist zulange hier geblieben," bemerkte der Vater, „Du bist nicht gewöhnt, bis spät in die Nacht aufzubleiben und überdies hast Du vermutlich auch in der vergangenen Nacht wenig geschlafen, jetzt wäre es das Gescheideste, Du gingest sofort in's Bett." „So will ich das Gescheideste thun," entgegnete sie munter, „morgen heißt es wieder frisch sein, um elf werden die Kinder kommen, ich freue mich in Wirklichkeit darauf, es sind so schöne, liebliche Kinder — das heißt, ich kenne nur die beiden Mädchen. — Aber jetzt will ich mich wirklich niederlegen. Gute Nacht, liebe Mama — gute Nacht, lieber Papa." Die Eltern erwiderten ihren Wunsch und umarmten sie, der Vater legte ihre Hand auf seinen Arm und geleitete sie hinüber in ihr Stübchen. „Gute Nacht, mein wackeres Töchterchen." Sobald Bella sich allein befand, schien die mühsam errungene Fassung, die sie während des ganzen Abends zur Schau getragen, sie zu verlassen, sie sank in einen Sessel und barg das Antlitz in den Händen und das convulsivische Beben ihres Körpers verrieth, daß sie weinte. Doch nicht lange überließ sie sich diesem Ausbruche ihrer so überwältigenden Gefühle, schon nach wenigen Minuten trocknete sie die Augen und sprach das Nachtgebet, und die Worte dieses herrlichen Gebets gossen Trost und hoffnungsvolle Ruhe in das schmerzdurchzuckte Herz des hochherzigen Mädchens. Rasch entkleidete sie sich, löschte das Licht und warf sich auf ihr Lager. „Ans Deine Hilfe hoffe ich, o Gott! — ich hoffe, o Gott, auf Deine Hilfe — o Gott, auf

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