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Der Israelit · 1890-06-30 · Heft 51 (30.6.1890) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 51 (30.6.1890)
Date
1890-06-30
Page
– (sequence 3)
Language
German
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919 Konfirmation ward ehedem als die kostbarste und größte positive Leistung der Reform angepriesen und verherrlicht, und heute fanden sich unter den vielen Zehntansenden der jüdischen Bevölkerung der deutschen Reichshauptstadt nicht mehr als e i l f Mägdlein, deren Angehörige dieselben dieser unjüdischen Ceremonie unterstellen lassen; Knaben sind aber gar nicht aufzutreiben gewesen, um die Konfirmation mitzumachen. Darob entsetzlicher Jammer in den Reihen der Reform. Das offiziöse Organ des Deutsch-Israel. Gcmeindebundes, die „Allgemeine Zeitung des Jndenthums"*) sowohl, wie das offiziöse Organ der Breslauer Schule die „Israelitische Wochenschrift" stimmen Klagelieder über diese Jämmerlichkeit an und suchen die von der Reform gezüchtete Gleichgiltigkeit gegen die Religion durch eindringliche Mahnungen zu beschwören. Aber es hilft Alles nichts. Man hat feit 46 bis 50 Jahren so anhaltend an der Ertödtnng des religiösen Bewußtseins gearbeitet, daß den Verächtern des einzig wahren Judenthums auch die Reform als abgestanden gilt. Ihr habt dem Volk die Kenntniß des Judenthums geraubt, habt ein ganzes Geschlecht in gänzlicher Entfremdung vom Judeuthum erzogen, — die jüdische Wahrheit erkennt es freilich nicht, aber die Reform hat es als Lüge begriffen. Es gibt nur ein Heil, und das ist die Rückkehr zur alten einzigen jüdischen Wahrheit, habet den iouuij die Selbstverleugnung um der Wahrheit willen zu verkünden: wir haben gefehlt und Euch zu Fehl und Abfall verleitet! Wir wollen wieder zurückkehren zu der alten Treue und der alten Pflichterfüllung, folgt uns auf diesem Wege, der der wirkliche Fortschritt ist! — So lange ihr solches nicht thut, redet ihr vergebens von Anhänglichkeit und Treue gegen den Väterglauben; das ganze Gepränge der Konfirmation und eures Synagogendienstes ist eitel und nichtig und wird als leere, bedeutungslose Phrasen auch vom Volke erkannt. Berlin, 26. Juni. Im Norden unserer Stadt laden zehn Herren, die sich zu einem Komite vereinigten, die israelitischen Bewohner zur Errichtung einer Synagoge und einer Religionsschule ein. Die Herren wollen durch Gründung einer „guten Religiousschule denKindern dieSchatzkammern jüdischen Wissens und Lebens er- *) Die ehemalige Philippson'sche Zeitung, welche fast gan; bedeutungslos geworden, soll unter der Aegide des D. > G. B. wie man sagt,;um einslußvollsteu Organ der deutschen Juden heit gestempelt werden. Sie huldigt der Reform, und darum wird es ihr nicht gelingen. Daran ändert auch das Selbstlob der Bornehmheit nicht das Mindeste, mit welchem sie an das Publikum herantritt. schließen," und damit nicht fürder „Vergnügungslvkale obscurerArt zuGotteshäusern gestempelt" werden. Beide Ziele sind unstreitig anerkennenswerth, und jedes Streben dieselben zu erreichen, verdient unfern Beifall. Wir wünschen also dem Konnte den besten Erfolg. Jedoch mögen die wenigen Herren, welche mit geringen Mitteln große Ziele erreichen wollen, bedenken, daß ihre Arbeit und ihr Mühen werthlos bleibt, wenn nicht Männer, die mit Gütern gesegnet sind, der Sache ihre Theilnahme zuwenden. Den vielen kleinen Bethäusern noch eines hinzufügen, ist nichts als ein kalter Tropfen auf den heißen Stein. Dem Unfug an den „hohen Feiertagen" kann nur die Erbauung von 6 großen Synagogen Abhilfe bringen. Doch das ist nur von einer hochherzigen Finanzverwaltung zu erreichen. A. Ratibor, 25. Juni. Auf dem am hiesigen jüdischen Friedhof liegenden und der israelitischen Gemeinde gehörenden Terrain ist beim Graben eines Brunnens ein Braunkohl enlager entdeckt worden. Die Muthung ist bei der Bergbehörde beantragt, und falls das Lager auf eine größere Flache sich erstreckt, kann der Gemeinde ein bedeutender Gewinn daraus erwachsen. — Der E ul t u sm i u i st e r hat für den israelitischen Re- /Xi b m ♦♦ Alttt m »««ÜCiaua CÜ.a nntneration bewilligt, was bei der Strömung des Tages immerhin bemerkt zu werden verdient. — Der Vorstand und die Repräsentanten der jüd. Gemeinde haben, wie der „Lberschl. Anz." meldet, beschlossen, Herrn Rabbiner Dr. Blnmenthal, welcher seit st Monaten in der Gemeinde wirkt, unter Aufhebung des dreijährigen Vertrages einen zehnjährigen Kontrakt zu überreichen. — Prinz und Prinzessin Egon von Ratibor besuchten Sonntag die neue Synagoge und besichtigten mit lebhaftem Interesse eingehend die verschiedenen Räume. Königsberg, 12. Juni. Ueber die Ausweisungsmaßregeln gegen die hiesigen russisch-jüdischen Kaufleute läßt sich der Jahresbericht des Vorsteher - amtcs unserer Kanfmannsschaft folgendermaßen aus: In unserem Jahresberichte für 1885 schrieben wir über die damals in Verbindung mit den generellen Maßnahmen gegen die polnischen Elemente begonnene Ausweisung der hier lebenden russischjüdischen Kaufleute: „Unseres Erachtens gehören diese unserm Handel so nützlichen Personen nicht zu denjenigen Ausländern, von denen Polonisirnngsbestrebungen zu befürchten wären. Ueber die politische Seite der Ausweisungsmaßregeln zu urtheilen,

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