Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 51 (30.6.1890)
- Date
- 1890-06-30
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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tausende arbeitet an seiner Vollendung. Seine leidensvolle Geschichte ist das Hammerwerk, das es gestaltet, die schweren Schicksalsschläge bewirken diese Vollendung, die noch von der Zukunft zu erwarten ist, ntra nx '*i nxin ni^x nmos, wie Gott am Sinai Mosche die ganze Entwickelungsgeschichte Israels und der Menschheit enthüllt hat. Und wir wissen es auch, wie der edle erste Königssohn es ausgesprochen, y'tnr6 msyo 'ih px Dyon ix 3-d, daß Gott der Ihm geweihten Sache den Sieg zu verleihen mächtig genug ist, ob Seiner Streiter viel oder wenig sind, und wir kennen auch das durch den Propheten Sccharja verkündete Gotteswort: T\ra dx *d nm x^ — daß die Gesetzestreue und der Gottesgehorsam nicht in der augenblicklichen Mehrheit der abendländischen Juden zu finden wäre, könnte also die Zuversicht auf den Sieg des orthodoxen Judenthums über die ephemären Gebilde der Reform nicht erschüttern. Es ist aber überhaupt eine Verkennung der Thatsachen, wenn der Reform auch nur für die Gegenwart der Sieg über die Orthodoxie zugeschrieben wird. Die Zahl Derer, die sich in einen prinzipiellen Gegensatz zu dem Gesetze und der Lehre des Judenthums gebracht und die praktisch abgefallen sind, ist allerdings sehr beträchtlich, und es dürfte kaum einem Zweifel unterliegen, daß die Nachkommen des ersten, zweiten oder dritten Geschlechtes, welche in der gänzlichen Entfremdung des jüdischen Pflichtbewußtseins geboren und erzogen sind, auch dem Namen nach nicht mehr dem Judenthume angehören werden. Es wird aber hiermit nicht nur kein Sieg der Reform, sondern deren vollster Untergang konstatirt sein. Man kann ja doch nicht in Abrede nehmen, daß der Gedanke, welcher vielleicht manchen der Reformpriester zuerst geleitet hat, ein reformirtes Judenthum zu gründen, das den Zusammenhang mit dem alten tradirten nicht ganz ausgicbt, in seiner vollendetsten Nichtigkeit schon jetzt, nach der kurzen Spanne Zeit von sechs bis acht Dezennien, erkannt werden muß. Es hat sich doch bereits als unmöglich erwiesen, ein auf Verleugnung der Verpflichtungskraft der rabbinischen, talmudischen und biblischen Lehren und Gesetze sich gründendes Religionssystem zu erklügeln, welches eine größere oder geringere Anzahl von Bekennern zu einer Religionsgemeinschaft vereinigen kann. Von dieser Erkeuntniß sind die Reformprediger so sehr durchdrungen, daß sie ängstlich einer jeden Erörterung über religionsgesetzlichen Inhalt des Reformglaubens aus dem Wege gehen, und es zur Stunde noch nicht gelungen ist , der seit Jahrzehnten auf die Offenbarung des Reformjudenthnms harrenden Zeitgenossenschaft die neue Lehre und das neue Gesetz kundzuthun. Die Reformbewegung führt lediglich zu dem vollendetsten Nihilismus, und es ist ja heute schon eine nicht zu leugnende Thatsache, daß eine ganze Generation heranwächst, welche von einem religiösen Bekenntnis; überhaupt absolut keine Ahnung hat. Dem gegenüber aber tritt Gott sei Dank die Thatsache in ein um so helleres Licht, daß den Häusern der wahrhaft Gesetzestreuen Söhne und Töchter entstammen, welche, gefeit gegen die Verführung, treu und fest zu Gott und Seinem Gesetze stehen und in unerschütterlichem Gehorsam und begeisterungsvoller Hingebung die glorreiche Fahne des alten, orthodoxen Judenthums entrollen, um sie weiter zu tragen, mannhaft und tapfer, wie die Väter. In ihnen ersteht ein Geschlecht, von welchem Gott gesprochen: 'jx im urb 'ixaa ,tai idx vm r6uD nwy. So erweist sich auch in unserer Zeit, Allen sichtbar, die Wahrheit der Gottesverheißung, -pcn Ticty "wx n:m "W *nn .D^iy iv iv~)i 'Ddi tsd xV Zeitungsnachrichten und Gorrespondenzeu. Deutschland. Berlin. Wer Augen hat zu sehen und Ohren zu hören, der kann sich nicht der Erkenntniß verschließen, daß die Reform, die seinerzeit als die Wiedergeburt des Judenthums, als der Segen und Heil spendende Quell wahrer Religiosität und echte"' jüdischer Erkenntniß von gewissenlosen Rabbinern, mit sich zerfallenen Gelehrten, eitlen Vorständen und hohlköpfigen Lehrern den armen mißleiteten Gemeinden angepriesen worden, so gründlich abgewirthschaftet hat, daß es nur der erschreckend grenzenlosen Unwissenheit und der dadurch erzeugten Gleichgiltigkeit der um ihr heiliges Vatererbe betrogenen Generation zuzuschreiben ist, daß die Gemeinden nicht schon längst die Prediger, Lehrer und Administratoren der Reform abgesetzt, die Tempel geschlossen und mit Allem und jeglichem Religiösen tabula rasa gemacht haben. Denn die Farce aus das Judenthum, welche sich Reform nennt, ist im mancher Hinsicht widriger als der vollendete Nihilismus. Der gänzliche Bankerott der Reform ist aber vor aller Oeffentlichkeit längst erklärt; sie hat gar nichts mehr zu bieten; ihr gesammtes Jnventarium ist als werthloser Plunder erkannt. Die am 8. d. Mts. in der hiesigen großen Synagoge durch den Rabbiner Dr. Maybaum stattgehabte Confirmatiou bezeugte ebenfalls ihre totale Insolvenz. Die