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Der Israelit · 1890-06-26 · Heft 50 (26.6.1890) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 50 (26.6.1890)
Date
1890-06-26
Page
– (sequence 11)
Language
German
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gäbe, wenn sie den Schülerinnen nicht die köstlichste Mitgabe biete,die Demuth vor Gott. — In allen Unterrichtsgegenftänden, nicht blos in der Religion, sei in das Kinderherz der Same zu legen, aus dem eine .treue, innige Frömmigkeit entsprießt. Das Kind müsse lernen die Religion der Väter mit derselben hochherzigen und edlen Begeisterung, mit derselben Opferfreudigkeit und Opferfähigkeit wie unsere Vorfahren zu üben, Gott als den Fels zu betrachten, der nimmer wankt, zu ihm beten zu können in allen Lebenslagen, in Glück und Unglück. — Am Schlüsse dieser in Form und Inhalt gleich vollendeten Rede bat der jugendliche Director die Gemeindebehörden und das Lehrerkollegium um treue Unterstützung in seinem Amte und flehte Gottes Segen für sein Wirken herab. — Im Namen des Collegiums begrüßte dann der erste Lehrer Herr Dr. Apolant den neuen Leiter in herzlichster Weise und versicherte ihn des vollkommensten Vertrauens und der unbegrenzten Hochachtung aller zur Mitwirkung an den Anstalten berufenen Lehrkräfte. — An Herrn Dir. Dr. Adler hat die hiesige Gemeinde nicht blos einen anerkannt tüchtigen Pädagogen gewonnen, sondern auch einen Mann, der noch auf dem positiven Boden der Religion steht. Möge es ihm gelingen unsere Jugend zur Gottesfurcht und zu aufrichtigem Festhalten an unfern religiösen Satzungen zu erziehen. N. D. Aus Westfalen. In den jüngsten Nummern dieses geschätzten Blattes wurde wiederholt auf den Ernst der Antisemitenbewegung, sowie auf die Mittel der Bekämpfung derselben hingewiesen, und, wie es scheint, haben die kernigen Worte des Aufrufs in Nr. 45 mancherorts fruchtbaren Boden gefunden. Das zur Neige gehende neunzehnte Jahrhundert hat zu seiner Schmach dem jüdischen Volke noch einen Kampf aufgedrängt; Amaleks blutdürstende Gelüste sind wieder rege geworden. Warum sollte nicht Israel mit allen ihm zu Gebote stehenden erlaubten Mittel e i n m ü t h i g Nothwehr ergreifen und die Antisemitenseuche nach Kräften dämmen? Tief beschämend für Israel ist es aber, wenn in seiner Mitte Männer, wie z. B. dieser Dr. S. Leon in Berlin, hervortreten und — wenn der Feind von außen droht — im Innern das Judenthum unterwühlen und verdächtigen. Die „einpressenden, knebelnden Formen" des jüdischen Ritus stellt der Berliner Doktor als Hauptursachen des Antisemitismus hin. Diese lügenhafte Behauptung kann man gar oft vernehmen. Würde mit dem Abwerfen unserer heiligen Meligionsgesetze der Judenhaß schwinden nun dann könnte in Hessen wenig, auf der rothen Erde aber keine Spur von Antisemitismus vorhanden sein. Hörten wir nicht jüngst Stöcker sagen: „Das uichtsglaubende Reformjudenthum ist viel gefährlicher als das altgläubige Judenthum." Auf die Aeußernng dieses Mannes legte man mit Recht so wenig materiellen Werth, daß sie in diesem Blatte nicht weiter beachtet wurde, aber man sieht doch daraus, wie wenig es nützte, wenn man sich von den „knebelnden" Formen loslöst. Diese Erfahrung mußte auch vor einiger Zeit ein jüdischer Familienvater im Schwabenlande machen, der seine Kinder, um ihnen die christliche Liebe zu erringen, dem Christenthume zuführte. Wie schmerzlich mag es den ehrgeizigen Mann berührt haben, als man in der Ktrche seine Knaben mit dem Rufe begrüßte: „Was thun denn die Judenbuben in der Kirche?" Möchte man doch die Antisemitenpest als ein Fingerzeig Gottes nehmen, der Israel drohend zur Rückkehr mahnte. Möchte man auch anderseits, namentlich bei uns in Westfalen, wo man die Antisemitenbewegung gerne todtschweigen möchte, in Wort und That derselben entgegen arbeiten durch „Massenverbreitung philosemitischer Schriften, durch Gewinnung toleranter Redner, die das Volk über die Wahrheitsliebe (?) der Antisemitenhäuptlinge aufklären und durch strenges Beobachten der hocherhabenen, jüdischen Sitten- und Glaubenslehre. H. 8. Königsberg. Sie brachten die Mittheilung, daß bei der jüngsten Anwesenheit des Kaisers dahier der Rabbiner Dr. B a m b e r g e r zur Hoftafel eingcladen gewesen, dies war indeß nicht der Fall. Von Juden wurden nur der Geheime Rath Becker und Commerzienrath Ko hu mit Einladungen ausgezeichnet. Bei dem Festessen, welches die Provinz gegeben, war der Rabbiner Dr. Bamberger als Vertreter der israelitischen Gemeinde natürlich auch anwesend. M. B. Oesterr. - Ungar. Monarchie. Wien, 16. Juni. Unter dem Vorsitze des Präsidenten Herrn David Ritter v. Guttmann hielt die „Israelitische Allianz" gestern Abend ihre Generalversammmlung ab. Der Verein zählt 3989 Mitglieder, welche an Jahresbeiträgen 15,681 fl. leisten. Im Jahre 1889 haben sich die Gesammteinnahmen auf 34,474,06 fl. die Ausgaben auf 57,860,54 fl. beziffert; das Defizit von 23,396,48 fl. wird aus dem Reserve-Fonds gedeckt, welcher sich derzeit auf 141,643,91 fl. beläuft^

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