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Der Israelit · 1890-06-26 · Heft 50 (26.6.1890) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 50 (26.6.1890)
Date
1890-06-26
Page
– (sequence 10)
Language
German
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- ^-WßWWWWWWWWWffSWU^W 906 den Sabbaten B für den Vorabend- und Morgengottesdienst aus. „Die gleichen Prinzipien müssen auch für die Gestaltung der Festtagsgottesdienste maßgebend sein" schreibt er dann weiter, und endlich: „Das gleiche Verfahren hätte hinsichtlich der Piutim am Neujahrsfeste und Versöhnungstag zur Anwendung zu kommen." Daß dieses Alles „absurd" ist, hätte Herr Negierungsrath Dr. Mayer vor Abfassung seiner Schrift bedenken sollen. Er würde dann gewiß deren Veröffentlichung unterlassen haben, zumal dieser jetzt von ihm selbst als „absurd" erkannte Vorschlag der eigentliche Zweck seiner Schrift gewesen ist. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Darmftadt, 24. Juni. In der heutigen Sitzung der ersten Kammer nahm Prälat Habicht die evangelischen Geistlichen in Schutz gegen den Vorwurf, als hätten sie sich bei antisemitischen Agitationen betheiligt. Das könne nur ganz vereinzelt vorgekommen sein, im Großen und Ganzen wäre die Geistlichkeit dieser Bewegung fern geblieben, ja es hätten sogar in Oberhessen ganze Dekanate sich ausdrücklich gegen diese Agitationen ausgesprochen. Wo Ausschreitungen vorgekommen seien, da habe er sofort Nemedur eintreten lassen, es sei übrigens keinem Juden ein Haar gekrümmt worden. W. Berlin. Die Repräsentanten der Berliner Jüdischen Hauptgemeinde erhoben zum Beschluß in ihrer Mitte eine Petitions-Commission von 5 Mitgliedern niederzusetzen, um den vielfachen Andrängen der Gemeindemitglieder Gelegenheit zu geben, ihre Wünschen den Repräsentanten in geeigneter Form zur Berücksichtigung zu überweisen, welche selbstverständlich Hand in Hand mit dem Vorstand der Gemeinde, falls solche Wünsche berechtigt sind, denselben näher treten werden. Eine Petitions-Commission hatte bisher in dem Collegium nicht exiftirt, weil es in sehr wenigen Fällen früher vorkam, daß Corporatiouen oder Gemeindemitglieder sich petitionirend an die Repräsentanten wandten, während dies jetzt vielfach der Fall ist. Der bisherige seitens der Gemeinde gezahlte Zuschuß für gottesdienstliche Andachten an den hohen Festtagen von 6000 Mark wurde auf 12000 Mark erhöht und außerdem auch beschlossen wegen Mangels an jüdischen Gotteshäusern an hohen Feiertagen in den Sälen des Reichenheim'schen Waisenhauses, wie in der Jüdischcn-Knabenschule Gottesdienst abzuhalten. Es wurde seitens eines Mitgliedes des Re^räsentanten- Collegiums bedauert, daß der für Sabbate und Festtage eingerichtete Jugendgottesdienst, der anfänglich von der Jugend mit großer Aufmerksamkeit verfolgt wurde, merklich an Aufmerksamkeit der Jugend für denselben verloren hat, und gebeten dafür sorgen zu wollen, diese Aufmerksamkeit wieder herzustellen. Die Miethen an Synagogenftänden der drei Hauptsynagogen der Gemeinde brachten im Jahre 1889: 56461 Mark; der Verkauf au Erbbegräbnissen 59100 Mark; Gemeindebeiträge der Gemeindemitglieder 640,000 Mark u. s. w. u. s. w. Die Gemeinde verzeichnet in diesem Jahre nach Abzug aller Unkosten u. s. w. einen Jahresüberschuß von 52,200 Mark. Berlin, 19. Juni. Am Sonntag den 16. d. M. fand die Einführung des neugewühlten Dircctors der Mädchenschule der hiesigen Jüdischen Gemeinde, des Dr. S. Adler statt. — Derselbe war bisher Oberlehrer an der Augusta-Victoriaschule zu Schneidemühl und erfreut sich eines guten Rufes als gründlicher Forscher auf dem Gebiete der mittelalterlichen Geschichte. — Die Feier, welcher Vertreter der beiden Gemeindebehörden, des Rabbinats, der Schulvorstand, das gesammte Lehrercollegium, die Ehrendamen und die Direktoren der Gcmeindeunterrichtsanstalten beiwohnten, wurde mit einem stimmungsvollen Gesang eingeleitet, worauf die Anrede des Vorsitzenden der Gemeinde, Justizrath S. Mayer folgte. Hierauf nahm Herr Director Dr. Adler das Wort zu seiner Antrittsrede. Er dankte zunächst den Gemeindecollegien für das ihm zugewandte Vertrauen und sprach das Gelöbniß aus, die ihm unterstellte Schule in kraftvoller Blüthe zu erhalten. Der Redner ging dann auf den Unterschied zwischen weiblicher und männlicher Bildung ein, und zeigte, wie sich dieser Unterschied in den einzelnen Disciplinen ausprägt. Die Eigenart des weiblichen Geschlechtes, das stete Hervortreten des Gefühls, behandelte Herr Dr. Adler in längerer Ausführung und hob als Zweck des Unterrichtes die h a r m o n i s ch e Ausbildung des Weibes hervor; nur wenn die Verstandesthätigkeit und die Willenskraft als die beiden andern Seelenkräfte durch den Unterricht zu gleicher Stärke wie das Gefühl gebracht würden, könne man von einer tüchtigen Schulbildung sprechen. — Selbst wenn die Schule aber auch in diesem Wirken Hervorragendes leiste, erfülle sie keineswegs ihre Auf-

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