Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 50 (26.6.1890)
- Date
- 1890-06-26
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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HWWWWWWWWWWWVWIWWWW 902 ^WW mm WWWW Wien. Die medizinische Facultät hat Professor Dr. Zuckerkand! zum Dekan gewählt. Diese Auszeichnung fällt dem ausgezeichneten Anatomen in so jungen Jahren zu, daß er doppelt stolz auf dieselbe sein darf. Wien. Wie ein hiesiges antisemitisches Blatt meldet, ist der geplante „große" Antisemitentag, welcher am 21. d. hier hätte stattsinden sollen, „auf eine spätere günstigere Zeit verschoben worden." Frankreich. Paris. Der Maire Level hielt bei Gelegenheit eines israelitischen Hochzeitsfeftes folgende bemerkenswerthe Ansprache an den Bräutigam: „Als Israelit, gehören Sie einer Religion an, die mit einem Haß, der an die traurigsten Epochen erinnert, von einer gewissenlosen Partei angegriffen wird, und gegen die sich vor unseren Augen die verabscheuenswerthe antisemitische Campagne richtet. In diesem Lande, in diesem edlen Frankreich, wo die Gleichheit aller Bürger vor dem Gesetze, eine der Grundlagen unseres öffentlichen Rechtes bildet, und eine der hauptsächlichsten Errungenschaften der Revolution ist, gibt es eine Anzahl von Männern, die um verabscheuuugswerthe politische Zwecke zu erreichen, die öffentlichen Leidenschaften anfachen, um Ihre Religionsbrüder zu Paris zu verfolgen. Unsere städtischen Beamten, die von den hervorragendsten unter Ihnen, bedeutende Unterstützungen für die Unglücklichen erhalten, ohne Unterschied der Religion, wir, wir haben mehr als irgend Jemand die Verpflichtung die Stimme zu erheben und gegen diese Unthaten zu proteftiren. Rußland. Warschau. Nach Berichten der polnischen Blätter sind im littauischen, größtentheils von Juden bewohnten Städtchen Lohojsk antisemitische Exzesse vorgekommen, welche eine große Ausdehnung annahmen. Viele Bauern, welche dem Schnaps mehr als nöthig zugesprochen hatten, drangen in Folge von Verhetzungen gewaltsam in Kaufläden und Wirtschaften der Juden ein, vernichteten Alles, was nicht niet- und nagelfest war, und warfen Werthsachen der jüdischen Bewohner auf die Straße. Innerhalb zweier Stunden war das Städtchen fast ganz verheert. Die Sicherheitsorgane, welche dem Vernichtungswerke Einhalt thun wollten, wurden verhöhnt und mit Steinen beworfen; zahlreiche Po- Uzeiwachleute und jüdische Kauflente sind verwundet. Tiflis im Kaukasus, im Juni. Wir hatten vor Kurzem das seltene Vergnügen oder vielmehr die Ehre, den Sohn des Königs von Italien, den Kronprinzen Victor Emanuel, zweimal in den Mauern unserer Stadt begrüßen und beherbergen zu können. Der erlauchte Prinz, der Heuer im Frühlinge den Orient und auch Rußland bereiste, hat nun von hier aus auch das russische Turkestan mit seinen drei berühmten Städten, Merw, Bokhara und Samarkand, besucht, wo er überall von unseren Glaubensbrüdern daselbst enthusiastisch begrüßt wurde. Auf der Rückreise vondort berührte dann der hohe Gast nochmals unsere Stadt. In Bokhara hatten die Juden nicht einmal den weiten Weg zum Bahnhofe, der nahezu zwei Stunden von der Stadt entfernt liegt, gescheuet, um den Sohn des Königs Humbert, unter dem die Israeliten Italiens so glücklich und zufrieden leben, würdig begrüßen zu können. Am Bahnhofe hatten sich!auch der russische Gesandte von Bokhara, dann viele Hofwürdenträger des dortigen Emirs und eine militärische Ehrenwache eingefunden. Von hier ging es dann, theils per Wagen, theils per Roß nach der Stadt, wo der hohe Gast dann in der russischen Gesandtschaft abftieg. Er stattete hierauf dem Emir Abdul Ahad Khan und dem Großvezier einen Besuch ab, deren Gegenbesuch er dann später erhielt. Hierauf besichtigte er die Stadt und auch das enge und finstere Judenviertel (Mehallet El-Jehud), wo er nicht wenig erstaunt war, als er dort so viele Männer mit Stricken um den Leib herumgehen sah. Man klärte ihn dann auf, daß dies Juden seien, die hier noch nach den alten Landessitten mit einem Stricke nmgürtet sein müssen. Nun bei uns in Italien, mochte sich der erlauchte Prinz gedacht haben, werden die Juden sogar Generäle, Präfecten, Diplomaten, und Senatoren und doch befinden wir uns dabei ganz wohl. Dafür liegt aber Italien in Europa und Bokhara wieder im Innern Asiens. Der erlauchte Prinz verweilte indeß nur wenige Stunden in Bokhara, worauf er noch am Abend mit der Transkaspibahn nach Samarkand weiterreiste. Dort fand er ebenfalls einen enthusiastischen Empfang von Seiten unserer Glaubensgenossen. Nach zweitägigem Aufenthalte reiste er dann mit der Transkaspibahn wieder zurück nach Bokhara, Merw und den Gestaden des Kaspisees. Am 2. d. ist in Tschardschui, einer Station der Transkaspibahn', Dr. Ferdinand Oscar Heyfelder (geboren 1826 zu Trier) gestorben. Derselbe gehörte früher als Oberstabsarzt der russischen Armee an, worauf er der russischen Gesandtschaft in Bokhara zugetheilt wurde. Hier war er ein fleißiger und auch gern gesehener Gast im Judenviertel, wo er auch viele Freunde und Verehrer