Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 50 (26.6.1890)
- Date
- 1890-06-26
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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den Nichtorthodoxen dagegen müssen sich die Aufgabe stellen, den Reformgemeinden, bei welchen durch bloßen Hinweis auf die Heiligkeit und Unverbrüchlichkeit des Religiousgesetzes doch wirklich nichts mehr auszurichten ist, innerhalb des Rahmens des synagogaleu Gottesdienstes soweit thunlich für jene ritualgesetzlichen Vorschriften, sowie für die überlieferten Liturgien ein tieferes Verständniß zu eröffnen, um auf diesem Wege, wie es schon in uralter Zeit der Reformator Esra und seine Nachfolger mittels der Institution des Meturgeman gethan, eine wirkliche Werths chä tz u n g für das von den Vätern lleberkommene zu erwecken. Irl dieser Richtung bewegen sich die in der Broschüre gemachten Vorschläge, und ich hätte wohl erwarten dürfen, das; der früher schon in diesem Blatte widerlegte Vorwurf, als Hütte ich die absurde Idee, an dem einen Sabbat die Reform, an dem andern die Orthodoxie au die Reihe kommen zu lassen, nicht abermals erhoben werden würde. Zur Kaschi-Erklärung. Zn rpn 'b, Cap. 21, V. 35 (Sie schlugen ihn) iniN im erklärt Raschi die Worte: um nwo in der Weise, daß Moschch allein den Og tödtete. (Siehe riirn2, Fol. 54 5.) Was war ■»an in dem Texte der heil. Schrift auffallend, daß er glaubte, eine agadische Erklärung des Talmuds hier anfügeu zu müssend Cs scheint uns jedoch bei näherer Betrachtung, daß die Mehrhcitsfornl des Berdums 12 ' t diese Erklärung nöthig macht. Einige Zeilen früher (V. 24) lesen wir über den Streit mit Sichon. ron. Israel schlug ihn (die Einheitsform). Warum ist bei dem Streit gegen Og diese Einhcitsform nicht auch beibehalten? Schon öfters, z. B. bei Exodus XIX., 2, *inn in erklärt Raschi -ins nbn nnt< ano die Einheitsform wurde wegen der einheitlichen Gesinnung der Menge gewählt. So war es bei dem Streite gegen Sichon, da stand das Heer Israels unter eine m Befehlshaber. Man stritt Heer gegen Heer. Und in Deutronom. II, 33 wird von diesem streite geschrieben i)') b h in:m. Gott gab ihn vor uns hin. Dagegen war bei Og der Streit Mann gegen Mann, jeder Einzelne kämpfte gegen den Einzelnen, wcßhalb bei diesen! Kriege von einem einmüthigcn Kumpfe des ganzen Heeres nicht die Rede sein kann. Von diesem Streit wird daher nicht in der Einzahl gesprochen, dagegen wird Deut. III, 3 erzählt: Gott gab den Og in unsere Hände, i) -i > n 'i jm. Frankfurt a. M., im Juni. L. Ph. Pr ins. Zeitungsnachrichten und Correspondenze«. Deutschland. Berlin, 16. Juni. Herr Privatdocent Dr. L. Brieger ist zum außerordentlichen Professor in der medizinischen Facultät der hiesigen Universität ernannt worden. Der vor einigen Wochen verstorbene Herr Dr. mack. Ephraim hat die hiesige jüdische Gemeinde zur llniversal-Erbin seines ganzen, 500,000 Mark betragenden Vermögens eingesetzt. Straffburg. Der Gewerbeverein in Straßburg hat eine Verkaufshalle für das Kleingewerbe ins Leben gerufen. Der Straßburger Gemeinderath hat gegen billiges Entgelt einen Platz zur Verfügung gestellt, und vor wenigen Tagen wurde die Anstalt eröffnet. _ Bei dieser Gelegenheit hielt der Präsident des Gewerbevereines, Malermeister Herbst, eine Ansprache, aus welcher wir hervorheben: „Es ist dieses in Straßburg das erste eigentliche Heim des Handwerkerstandes, welches sich derselbe auch ganz ohne fremde Beihilfe geschaffen hat, und wir Handwerker sind stolz auf diese Errungenschaft. Wir sind hier einmüthig, ohne Rassen- und Klassenunterschied, ohne jede Parteigängerei zusammengetreten, Alt-Elsäßer wie auch Eingewanderte fast in gleicher Zahl, und wir haben hier gezeigt, daß da, wo es die Interessen des Handwerkerstandes gilt, alle Parteinnterschiede schwinden müssen und wir alle einig sein wollen. Wir Handwerker brauchen keine politischen Standpunkte oder Parteistellungen, wir sind gerne zufrieden, wenn die Geschäfte gut gehen und wir unser bescheidenes Auskommen haben; dazu brauchen wir auch Ruhe und Frieden nach außen wie nach innen." O e st e rr. - U n g a r. Mona rchi e. Graz, 15. Juni. Der Statthalter von Steiermark, Se. Excellenz Herr Guido Freiherr von Kübeck, feierte dieser Tage das Fest seiner silbernen Hochzeit. Mit Freuden nahm die hiesige israelitische Eultusgcmeinde Veranlassung, dem hochherzigen Herrn Statthalter ihre Glück- und Segenswünsche darzubringen. Als Antwort ist von Se. Excellenz das folgende, seine edle Gesinnung bekundende Schrei ben an die israelitische Cnltnsgemeinde herabgelangt: „Mit aufrichtiger Freude habe ich die Glückwüusche empfaugeu, welche die geehrte Enltusgemeinde mir anläßlich meiner silbernen Hochzeit für mich lind die Meinen in so warmeil Worten ausgesprochen hat. Dem verbindlichsten Dank für die mir erwiesene Aufmerksamkeit kann ich nur die Versicherung beifügen, daß ich den Interessen der israelitischen Cnltnsgemeinde, deren Angehörige sich stets als gute Lesterreicher und treue Unterthanen Sr. Majestät bewährt haben, die vollste Theilnahme entgegenbringe und jederzeit gerne die Gelegenheit ergreifen werde, dieselbe in Erfüllung der mir übertragenen Pflichten nach Thunlichkeit zu fördern. Kübeck."