Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 50 (26.6.1890)
- Date
- 1890-06-26
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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w 898 können, sondern Zug um Zug ihr Vorbild copiren, welches alle die Mittel und Mittelchen bereits kannte und anwandte, die man bis auf den heutigen Tag neu verbrämt gegen Gott und seine Thora ins Feld führt. Niemand hat die Göttlichkeit der Thora so laut und unwiderleglich bestätigt als ihre Leugner! Wäre es wirklich wahr, daß die Worte des lebendigen Gottes, nicht Worte des lebendigen Gottes, sondern Gedanken, Gesetze sterblicher Menschen wären, wie wäre es denkbar, wie wäre es möglich, daß zu aller Zeit die Menschen selber das geleugnet und bekämpft hätten, was sie doch selber ersonnen und zum Gesetz erhoben haben sollen?! Wie deßhalb heute der großen Menge ihre Verführer schmeicheln, sie sei gebildet und aufgeklärt und hätte daher das Gängelband der Thoragesetze nicht mehr nötyig, es käme nicht auf die äußere That, sondern auf die innere Gesinnung an, so hat der alte Korach der Menge Weihrauch gestreut, indem er alle heilig sprach und Gott auf das uncontrollirbare Innere des Menschen verwies, 'n Dsiroi O'L'inp myn bz „die ganze Gemeinde, alle sind sie heilig, und Gott ist in ihrem Innern." Darauf folgte dann die Katastrophe, welche jedem die Ueberzeugung unabweisbar nahe legte, wie Gott seine Diener nur gesandt habe, um die That eines ganzen Volkes, nicht nur die Regungen des Herzens Gott und seinem Gesetze hinzugeben, nwa nm ’D pVnp o'tpyön bs nw nnpyV ’jrfctp ‘i >d pyiri Die Empörer fanden ihren Untergang und die Mittel, mit welchem sie dem Volk ihren blauen Dunst vorgaukeln wollten, ihre Räucherpfannen wurden der Schutz für die Stätte, an welchem die Hingebung an Gott ihren concreten Ausdruck fand, für den Altar, dessen Heiligthum sie in seinen Grundvesten zu erschüttern trachteten, mnne m nma1? vibs dtid 'ypi onw wyi ont&s« CNunn .pN-itr rm ltEnp’i 'n ’jd^ ounpn h Es ist merkwürdig, wie sich diese Eigenthümlichkeit bis auf den heutigen Tag bewährt hat, daß gerade diejenigen Mittel und Wege, mit welchen die abtrünnigen Brüder das Gottesheiligthum am nachhaltigsten bekämpfen zu können glaubten, die festesten Bausteine für das zu seinem Schutze errichtete Bollwerk lieferten. Als vor 50—60 Jahren sich eine Anzahl jugendlicher Männer zusammenthat, um das alte Judenthum aus den Angeln zu heben, bemächtigten sie sich des öffentlichen Wortes auf der Kanzel und in der Presse, griiudeten sie Vereine, strebten die Errichtung von Hochschulen an und suchten auf diese und andere Weise die große Masse für ihre neue Macht zu gewinnen. Leider nicht ohne Erfolg. Freigiebig hatten sie sich selber das Diplom des Fortschritts und der Wissenschaft ausgestellt und das Festhalten am überlieferten Vätererbe als Rückschritt und Beschränktheit verlästert. Aber dann erhoben sich die geächteten Bekenner des gesetzestreuen Judenthums. P3i3 dpk PHD nimi* ’mB» on i'PDw Um die Handlungen der Menschen wieder unter das den Gotteslippen entströmte Wort zu bringen, beobachteten sie die Wege des Gesetzesdurchbrechers (Psalm 17, 4) und machten sie zu den ihrigen. Der Kanzel des Abfalls stellten sie die des treuen Festhaltens an den Satzungen des Judenthums gegenüber, ihren Hochschulen der Afterwissenschaft neue Pflanzstätten der Thora, ihren Zusammenkünften, von Begeisterung für die heilige Gottessache getragene Vereinigungen und vor allem der Presse der Neologie die des orthodoxen Judenthums. Vor mehr als drei Jahrzehnten hat der Begründer dieser Blätter mit weitausschauendem Blick diese Nothwendigkeit erkannt und ihr mit der Herausgabe des „Israelit" sein Leben geweiht. Es gehörte in damaliger Zeit kein geringer Muth dazu, der nahezu allmächtig sich geberdenden neologen Presse entgegenzutreten, deren Wortführer sich geradezu als Generalpächter der jüdischen öffentlichen Meinung gerirten. In damaliger Zeit, welche der Thora bereits den Todtenschein ausgestellt und sie unter das Veraltete, Abgestorbene geworfen hatte, entfaltete der „Israelit" sein Programm, das sich in die wenigen Worte zusammenfassen läßt: npn n«i mmn, das ist und das bleibt, das Gesetz der Thora! Von Jahr zu Jahr, von Jahrzehnt zu Jahrzehnt gewann der „Israelit", mit dem sich seit einigen Jahren der von Rabbiner Hirsch begründete „I e s ch u r u n" verband, die durch den weitschichtigen Abfall irregeleiteten Geister und Gemüther wieder, während die im Dienste der Leugnung unserer Thora stehenden Blätter in demselben Maaße an Einfluß und Verbreitung verloren. Der Kampf gegen die Epigonen Korach's, gegen den religiösen Abfall im eigenen Kreise ist allerdings die erste, aber doch nur eine der vielseitigen Aufgaben, die der „Israelit" sich gestellt hat. Die Verlästerung des Judenthums und der Judenheit von außen, die der Moabitenkönig Balak, durch Berufung Bileams zu seinem Hospr—opheten zum ersten Male inscenirt hatte, allezeit mit Ruhe und Würde entgegenzutreten, ist eine Aufgabe, die der „Israelit" seit seinem Bestehen mit besonderer Hingebung und G. s. D. auch mit Erfolg vertreten hat.