Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 49 (23.6.1890)
- Date
- 1890-06-23
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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888 feit setze ich nicht den leisesten Zweifel. — Nun denn — glauben Sie, mein Fräulein, daß Sie — ich will nicht sagen heute — und auch nicht in den nächsten Wochen — aber, glauben Sie, daß Sie mit der Zeit die Neigung zu Ihrem Vetter werden überwinden können?" „Ich kann nicht leugnen, daß es mir im Augenblick schwer erscheint — dennoch glaube ich mit Bestimmtheit, daß es mir mit der Zeit gelingen würde — daß ich nie an ihn denken würde, das könnte ich allerdings nicht verbürgen — aber daß ich mich nie nach ihm sehnen würde, das glaube ich allerdings versprechen zu können. — Denn wenn ich einem andern als Gattin angehörcn würde, so wäre die Sehnsucht nach ihm Sünde — und ich würde mit Zuversicht hoffen, daß Gott mir Helsen würde, daß ich nicht in jene Siinde verfalle." „Das glaube auch ich", stimmte Meierhof bei mit neu erwachendem Muthe. „Doch noch eine Frage wollen Sie mir gestatten. — Würden Sie nicht fürchten, an der Seite eines anderen Mannes sich allzu unglücklich zu fühlen?" „Ich glaube nicht — denn in der treuen Pflichterfüllung liegt auch ein Glück." „Dieses Glückes werden Sie stets sicher sein, davon bin ich überzeugt — und darum wage ich es, meinen Antrag nochmals zu wiederholen und Sie, mein Fräulein, dringend, inständigst zu bitten — meine Hand annehmen zu wollen". — Er war in der Erregung, die sich seiner mehr und mehr bemächtigt hatte, längst aufgestanden, jetzt stand er vor ihr und hielt seine leicht bebende Rechte ihr entgegen. Sie hob den Blick, einen Moment schauten sie einander in die Augen, als wollten sie Eines in des anderen Augen lesen — dann legte sie entschlossen ihre Hand in die seine. Mit einem Laut des Entzückens umschloß er ihre schmale Hand und drückte sic wiederholt an seine Lippen. „Dank Ihnen! Dank Ihnen! — Sie werden es nie bereuen — all' mein Streben wird dahin gehen, Ihnen die übernommenen Pflichten zu erleichtern — Sie nach jeder Richtung glücklich zu machen." „Ich sehe voll Vertrauen in die Zukunft", entgegnete sie leise, „und — und — ich darf wohl hoffen, daß auch meine Eltern nichts erfahren — von -" „Von dem, was Sie mir mitgetheilt haben? — gewiß nicht. — Seien Sie unbesorgt, das bleibt begraben in meiner Brust." Abermals drückte er ihre Hand an seine Lippen, da ging die Thür auf, die Eltern traten in das Zimmer. Sie hatten im Nebenzimmer in begreiflicher Spannung gelauscht, und da kein Laut zu ihnen gedrungen war, hatten sie es an der Zeit gehalten, die ihnen seltsam erscheinende geflüsterte Unterhaltung zu beenden. Mit einem Blicke hatten sie die Situation erkannt, Bärwald schaute mit glücklichem Lächeln hinüber zu den Verlobten, während die Augen seiner Frau sich mit Thränen füllten. Bella war aufgesprungen und hatte sich der Mutter in die Arme geworfen, Meierhof war zu ihrem Vater getreten und hatte in wenigen Worten um die Hand seiner Tochter angehalten. „Wenn mich nicht alles trügt, so hat Bella Ihnen ihre Hand bereits zngesagt, da bleibt mir nichts anderes übrig als Gottes Segen zu Eurer Verbindung, meine Kinder, zu erflehen." Er zog beide in seine Arme und drückte beide fest an seine Brust. „Gott segne Euch — meine Kinder — Gott segne Euch." (Fortsetzung folgt.) „Israelit" und „Jeschnrnn" erscheint wöchentlich zweimal, Montags und Donnerstags, jedesmal in mindestens 2 Bogen Preis des Jahrgangs für Deutschland und Oesterreich 12 Reichs-Mark, fürs Ausland 16 Reichs Mark. Man abonnirt ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. Alls Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Durch de»! Buchhandel )U beziehen bei E. L. Strinacker, Leipzig, Roßplatz 16. — Inserate 35 Pfennige bis dreigefpaltene Pekrtzeile oder deren Raum. — Oesterreichifche Banknoten laut Eours. — Directe Francozufendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 8 fl. österr., für's Ausland 16 Reichs-Mark an die Expedition franco einzusenden. Inhalt (Hauptblatt): Leitender Artikel: Eine antisemilische Anzapfung.— Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Mainz. Berlin. Baden-Baden. Karlsruhe. Rees a. Rh. Gailingen. Marburg. Breslau. Königsberg. — Oesterr.- Ungar. Monarchie: 2 mal Wien. Ezernowitz. Miskolc;. Radautz. — Frankreich: Paris. Versailles. — Amerika: Baltimore. — Palästina: Jerusalem. — Feuilleton: Wallungen. Inhalt der Beilage: Leitender Artikel: Per angenblieklrche Stand der Schechrta-Angelegenheit. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Mannheim. Gersheim. Karlsruhe. Strastbnrg. Breslau. Aus der Provinz Posen. — Oesterr.- Ungar. Monarchie: Ezernowitz. — Belgien: Brüssel. — Amerika: San Franzisco. — Feuilleton: Eine bekannte Melodie. Verantwortliche Redaction: Oscar Lehmann in Mainz. — Expedition des „Israelit und Jeschnrnn" Schottstr. Nr. 2, Mainz. Drmt und Verlag der Job. Wirth'schen Hosbuchdruckerei-Actien-Gesellschafk in Mainz. Hierzu eine Beilage.