Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 49 (23.6.1890)
- Date
- 1890-06-23
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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885 hohen Protectorin derselben eine „Original-Composition" zu widmen. Nach vielen Versuchen gelang es dem kleinen Clavier-Virtuosen, ein Musikstück zu Stande zu bringen, welches nach dem Urtheile seines Lehrers Professor Prosniz und anderer Kunstverständiger sich hören lassen könne. Dem Musikstücke gab er den Titel „Erzherzogin-Marie-Valerie- Serenade" und überreichte die zwei Quartseiten — 24 Notenzeilcn — umfassende Serenade (für Clavier) vor einigen Tagen. Das Titelblatt trägt in Goldlettern folgende Widmung des kleinen Komponisten : „Seiner hohen Wohlthäterin, Ihrer k. und k. Hoheit der durchlauchtigsten Frau Erzherzogin Marie Valerie, in tiefster Ehrfurcht und ewiger Dankbarkeit componirt und gewidmet von Poldi Spielmann." Heute Nachmittags 1 Uhr wurde die Mutter des Knaben, Frau Spielmann, zur Kammervorsteherin der Erzherzogin Marie Valerie, Gräfin Marie Kornis, in die Hofburg beschieden. Die Gräfin eröffnete der Mutter des Knaben, der Frau Erzherzogin habe die Eomposition herzliche Freude bereitet und sie habe die Widmung mit besonderem Vergnügen angenommen. Zugleich habe die hohe Frau den Wunsch geäußert, diese ihr gewidmete Serenade demnächst von dem kleinen Eomponisten selbst spielen zu hören. Frau Gräfin Kornis übergab am Schluffe noch der Frau Spielmann für den Knaben ein namhaftes Geschenk. Wien. Der bekannte Pistolenschütze, Herr Josef Schulhof ist an den Folgen einer Nierenentzündung, an welcher er vor mehreren Monaten erkrankt war, gestorben. Auf dem Gebiete der Erfindungen ist Schulhof insbesondere durch das von ihm erfundene Repetiergewehr-System bekannt geworden. Schulhof war auch der Erste, welcher den Howler'schen Dampfpflug nach Oesterreich gebracht und die in der Armee eingeführten und nach ihm benannten Schulhofffchen Röhrenbrunnen erfunden hat. Einen besonderen Ruf genoß der Verstorbene als Pistolenschütze, namentlich durch seine Treffsicherheit auf weite Distanzen. Die Pistolen mit großer Tragfähigkeit sind gleichfalls von ihm als Ersten in Oesterreich zur Anwendung gekommen. In jüngster Zeit fanden seine neuerfundenen Repetierpistolen, genannt Repetitors, in maßgebenden Kreisen besondere Beachtung. Schulhof gehörte viele Jahre dem Schützenrathe des Wiener Schützenvereins an. Czernowitz, 3. Juni. Der Gemeindcrath hat heute auf Antrag des Reichstagsabgeordneten Heinrich Wagner einhellig beschlossen, Namens der Landeshauptstadt Czernowitz dem Minister-Präsidenten Grafen Taaffe eine Petition um baldigste Genehmigung des Stiftsbriefes der Baron Hirsch'schen Stiftung für Galizien und die Bukowina zu überreichen. Der Magistrat wurde mit der ungesäumten Verfassung und Uebermittlung der Petition beauftragt. Miskolez, 28. Mai. Heute Vormittags wurde in der hiesigen evangelischen Kirche in Anwesenheit einer großen Anzahl weltlicher und kirchlicher Notabilitäten, die Installation Paul v. Zelenka's als evangelischer Bischof des Theißdistricts vollzogen. Nach Einnahme des Bischofssitzes hielt Zelenka von der Kanzel eine programmartige Rede. Er sagte unter Anderem-. Unsere Kirche müsse eine geweihte Institution für Aufklärung, Veredlung, Vervollkommnung sein. Wir müssen den Frieden unter allen Gläubigen anstreben, uns die Pflege der brüderlichen Eintracht der Confessioneu zur freudigen Aufgabe machen, nur religiöse und sittliche Zwecke im Auge haben. Radautz. Herr Baron Leopold von Popper hat in neuerer Zeit einen Theil der Bukowinaer Holzindustrie in eigenen Betrieb genommen und man findet es hier auffällig, daß man jüdischen Arbeitern, weil sie sich weigern den Sabbat zu entweihen, die Aufnahme in die Fabrik von Seiten der Verwaltung grundsätzlich versagt. Am 26. d. M. sollte aber in einem der Positz e r'schen Arbeitsplätze eine neuerrichtete Dampfsäge feierlich eingeweiht werden, zu welcher solennen Feierlichkeit die Honoratioren mittelst lithographirten Einladungen invitirt wurden, auf welchen zugleich das Programm der Festlichkeit verzeichnet war; darin prangte als erste Festnummer: „Messe durch hochwürdigcn Herrn Pfarrer!" Also Inden veranstalten ein Fest und ein christlicher Pfarrer sollte es durch eine Messe eiuweihen und sie wurden von dem Herrn Pfarrer als dem Vertreter der „Religion der Liebe" dadurch belohnt, daß derselbe seine „Festrede" mit antisemitisch angehauchten Tiraden so reichlich spickte. Und in der That haben die Herren von ihrer vielleicht einzig dastehenden Tact- und Pietätlosigkeit nicht nur den wohlverdienten Lohn der Lächerlichkeit in reichem Maße eingeerntet, sondern wurde ihnen auch damit gedankt, daß nicht nur das Judenthum überhaupt, sondern auch der eigentliche Festgeber, Herr Baron Leopold Popper insbesondere mit solch nngualificirbaren Angriffen regalirt wurde, daß selbst befferdenkende Nichtisraeliten, die solches.Zeug nicht mitanhörcn wollten, unwillig, ohne das Ende der Rede abzuwarten, den Festraum verließen. Ein Weiteres ist wohl überflüssig.