Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1890-06-19 · Heft 48 (19.6.1890) · page 18

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 48 (19.6.1890)
Date
1890-06-19
Page
– (sequence 18)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/2446951-2448024-2448070--30216-2477983
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

874 .»5 M VW; i I! I! lehnt, bis der Verein gegründet sei und seine Lebensfähigkeit bewiesen habe. Der Aufruf konnte, da die'Zeit drängte, nicht gedruckt werden. Trotzdem sei eine stattliche Anzahl College» erschienen, das zeige, daß die Gründung eines Vereins Bedürfnis sei. Oberhessen sei vorangegangen, denn dort sei schon ein Verein isr. Lehrer, der dieselben Zwecke verfolge wie der zu gründende Verein. Dieser Verein habe sich bereit erklärt, einem Verein, der die Lehrer des ganzen Hessenlandes vereinigt, bekzutreten, und das sei erwünscht, denn Einigkeit mache stark, und das, um was sich der Einzelne vergeblich müht, könne die Gesammtheit erreichen. Er sei erstaunt, wie viele strebsame Lehrer sich als solche zeigen trotz der schlechten Verhältnisse, unter denen sie leiden. Es seien Schritte bei der Regierung zu thun, daß die jetzt herrschenden unhaltbaren Zustände, die der Lehrer und der Gemeinden nicht würdig, beseitigt werden. Wenn ein Lehrer dem Vorstande oder der Gemeinde nicht mehr genehm sei, so können diese ihn fortjagen, wenn er auch schon lange Zeit seines Lebens ihrem Dienste geweiht habe. Das müsse aufhören *). Die Regierung sei nicht so splendid mit der Bewilligung von Geldern, selbst wenn es gelte, das Loos der Lehrer zu verbessern. Im Großherzogthum seien 5000 israelitische Kinder, davon die Hälfte auf dem Lande, und diesen ganz besonders wolle man die Wohlthat eines geordneten Religionsunterrichts verschaffen. Ein erfolgreiches Wirken sei aber nur von einem Lehrer zu erwarten, der in geachteter fester Stellung sich seinem Beruf voll und ganz widmen könne. Darum solle man einen Verein gründen, dessen Ziel sei, die gesetzliche Regelung der isr. Religiousschulen und deren Verhältnisse sowie die der Lehrer herbeizuführen. Er fordere daher zur Gründung eines solchen Vereins auf. (Beifall.) Herr W e r t h e i m e r-Heldenbergen, Vorswender des Vereins der isr. Lehrer in Oberhessen. Als sich das Bedürfniß zur Gründung unseres Vereins vor 2 Jahren unabweisbar machte, forderten wir die Kollegen in Starkenburg und Rheinhessen auf, ebenfalls zusammenzutreten. Unsere Aufforderung blieb ohne Erfolg. Trotzdem unser Verein blüht, haben wir die weite Reise gemacht, um uns an der Gründung eines Vereins, dem sämmtliche *) An m. der Redaction. Die kgl. Bayerische Regierung von Mittelfranken hat jüngst Entschließung dahin erlassen, daß gegen die Uebertragung der israelitischen Religionslehrerstelle in L. an den Lehrer O. unter der Voraussetzung keine Erinnerung besteht, daß ohne vorgängige Genehmigung der Kgl. bayer. Regierung das zwischen beiden Theilen eingegangene Dertragsverhältniß von keiner Seite gekündigt werden wird. (Diese für isr. Religionslehrer wichtige hohe Entschließung ist jedenfalls im Hinblick ans die höchste Min.-Entschl. v. 28. %an. 1828 Nr. 6239 (Döll. Bd. VI. S. 163) erflossen.) Lehrer des Großherzogthums angehören, zu betheiligen. Es kann trotzdem in jeder Provinz ein Verein bestehen; die drei Vereine mögen einen großen Verein bilden. Lassen Sie uns deßhalb sofort an die Gründung gehen. Wenn sich der Verein lebensfähig erweist, so erhält derselbe Subvention seitens des D. I. G. B. Dr. Salfeld-Mainz. Das Gefühl der Zusammengehörigkeit muß bei dem isr. Lehrerstand jede Kluft überbrücken, alle Hindernisse besiegen. Sie sind nicht Orthodoxe, nicht der Reform Huldigende, Sie sind israelitische Lehrer; es gilt für Sie, sich eine Stellung inmitten der Gemeinden zu sichern, wie sie Ihr Amt verlangt. Die Lehrer sind die Pioniere der Freiheit und des Friedens und die sonst so auf dem Lande häufige gehässige Feindschaft findet sich in der Gemeinde nicht, wo würdige Lehrer sind. Warum wollen Sie große und kleine Vereine gründen? Lassen Sie den hessischen Landeslehrerverein das Muster Ihres Vereins sein. Ein solcher Verein, wie der, den Sie zu gründen beabsichtigten, thut Roth. Dittes sagte auf dem allgemeinen deutschen Lehrertag in Berlin, die Religion solle nicht nach dem Katechismus, sondern nach der Bibel unterrichtet werden. So ist es auch bei uns. Die Einheit im Unterricht ist eine Nothwendigkcit und diese zu erstreben sei Ihr erstes Ziel. Aber auch materielle Interessen erheischen ein einmüthiges Zusammengehen. So lange Ihre Stellungen von dem Beschluß des Gemeindevorstandes allein abhängig sind, so lange sich dieser nach der Decke strecken kann und je billiger, je lieber engagiren darf, so lange ist es an Ihnen, zu streben, daß es anders werde. Nach einer gewissen Dienstzeit muß jede Gemeinde den staatlich geprüften Lehrer definitiv anftellen. Die Regierung wird ja eine Summe zu kultuellen Zwecken bewilligen; möge mau sie im Interesse der Lehrer und der Religionsschule verwenden. Endlich sei Ihr Ziel die Hebung des Standes im Verkehr mit den Berufsgenossen. Daraus kann der Schule nur Segen erstehen; Sie alle sind als Lehrer der Jugend Erhalter des Staates, Kämpfer für das Glück und den Frieden der Menschheit. Sie erstreben ein hohes Ziel; uns alle, Lehrer und Rabbiner, fesselt es. (Stürmischer Beifall.) Präsident Klingen st ein. Obschon Volksschullehrer, vertheidige ich warm die Interessen aller israelitischen Lehrer; darum habe ich die heutige Versammlung berufen. Wer für die Gründung des Vereins ist, erhebe sich. (Alle Anwesenden erheben sich.) So erkläre ich den Verein constituirt. Nun wurde eine Commission gewählt zur Entwerfung der Statuten und zur Abfassung einer an die Re-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.