Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 48 (19.6.1890)
- Date
- 1890-06-19
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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tayffl.-!»»eww-.fau 1 ».-i^4»ig|-<wiswpiBByWM8***- - "■“'’*’* •.yy.-w -v h1 ■,» P» 863 Als der Commandant der Redoute, Proticz, fiel, i ernannte ich sofort Goldstein an seine Stelle. Unter Goldstein's Commando wurde die wüthende | Attaque der türkischen Massen hcldenmüthig zurück- I geschlagen, wofür Goldstein die Tapferkeits-Medaille von mir empfing. Am 30. August befand sich Goldstein bei Robiwszica bei einer Batterie, die dem feindlichen Feuer zumeist ausgesetzt war und wo er am rechten Arm schwer verwundet wurde. Ich war bei dem Ghpsvcrbande zugegen, und trotz der schrecklichsten Schmerzen erzitterte Goldstein nicht ein einziges Mal. Einige Tage später starb er in Rafan. Ich habe während meiner ganzen militärischen Carriöre keinen solchen muthvollen und kaltblütigen Soldaten gesehen, wie er, und ich betrachte es als eine heilige Pflicht, sein Andenken damit zu ehren, indem ich dies hervorhebe." Feuilleton. W a k 1 u u g e n. Erzählung von Friedrich R o t t. (Fortsetzung.» Als jedoch der Tag sich neigte und Bella, die cs sonst nie versäumte, das Kleid, das sie in der Küche getragen, noch vor Tisch gegen ein anderes zu vertauschen, noch immer in ihrer Morgentoilette dasaß, da machte die Mutter sie doch aufmerksam, daß sie sich umkleiden müsse. Bella schien wie aus einem Traum zu erwachen, sie fuhr sich mit der Hand über die Stirn und stand auf. „Gewiß, gewiß, ich muß Toilette machen, ich bin ja noch im Morgcnkleid — id) hatte ganz daran vergessen — es ist mir heute so viel im Kopf herumgegangen —" und abermals strich sie mit der Hand über die Stirn, als könne sie dadurch die s sich aufdrängenden Gedanken verscheuchen. „Armes Kind!" sagte die Mutter mitleidig. „Warum arm?" fragte Bella und erzwang ein Lächeln und auch ihr Ton war fester, frischer geworden, „ich bin nur das viele Denken nicht gewöhnt — darum war ich heute zu gar nichts nütze — verzeihe, liebe Mama." Sie zog die Hand der Mutter an ihre Lippen, diese streichelte ihr liebkosend die Wangen. „Jetzt solltest Du aber doch Toilette machen." „Sogleich, liebe Mama. — Soll ich mich schön machen?" fragte sie in erzwungenem Scherz. „Wenn Du kannst." „Ich bin sogleich wieder hier." Frau Bärwald blickte ihr kopfschüttelnd nach, als sie hastigen Schrittes das Zimmer verließ. „Armes Kind! — armes Kind!" Was sie dachte? — was sie wünschte? — darüber war sie selbst nicht klar. Inzwischen hatte Bella in wenigen Minuten ihre Toilette gewechselt. Das Kleid, das sie jetzt trug, war auch sehr einfach, aber es hatte doch einen anderen Schnitt und ihre ganze Haltung schien jetzt eine andere als während des ganzen Tages, eine gewisse Entschlossenheit lag jetzt in ihrem ganzen Wesen, auch in ihrem Ton. Auch die Blässe ihrer Wangen war geschwunden, die Erregung hatte ihr Antlitz mit zartem Roth überhaucht, ihre Augen schienen noch feuriger als sonst. „Weßhalb siehst Du mich so an, liebe Mama?" fragte sie lächelnd, „ist an meiner Toilette nicht alles in Ordnung?" „Doch, doch, liebes Kind, ich wundere mich nur, daß Du so rasch fertig geworden bist." „Ich habe mich beeilt," erwiderte Bella, „weil ich gefürchtet —" einen Moment stockte sie, dann aber sprach sie mit leicht vibrirender Stimme rasch weiter, „ich habe gefürchtet, Herr Meierhof könnte kommen, bevor ich Dich, liebe Mama, ersucht habe, mich mit Herrn Meierhof allein lassen zu wollen." „Du wolltest Herrn Meierhof allein sprechen? — doch nicht sogleich? — der Papa ist extra früher nach Hause gekommen, um ihn zu empfangen." Bella wechselte die Farbe. „Um ihn zu empfangen — nun ja — aber bitte, lasset mich dann bald allein mit ihm." „Wie Du es wünschest, Kind, so soll es geschehen. Doch st!" fuhr sie im Flüsterton fort, „es hat drinnen an der Zimnicrthür geklopft — der Papa hat herein gerufen — das wird er sein!" Mit angehaltenem Athcm lauschten beide, Bella hatte die Hände fest auf das lautpochende Herz gepreßt — vom anstoßenden Zimmer her vernahm man eine fremde, überaus wohllautende Stimme und gleich darauf die des Hausherrn. Einen Moment zitterte das junge Mädchen, Frau Bärwald zog sie rasch auf einen Sessel nieder und reichte ihr ein Glas Wasser. „Trinke! wenn auch nur einige Tropfen." „Danke, liebe Mama — das hat gut gethan. Jetzt bin ich wieder vollkommen ruhig." Sie schien wirklich ruhig. Gleich darauf ging die Thür auf, ein hochgewachsener, überaus stattlicher Mann, in der Mitte der Dreißiger, trat, von dem Hausherrn gefolgt, in das Zimmer. „Herr Meierhof", sagte Bärwald vorstellend, „meine Frau — meine Tochter." Meierhof hatte sich tief gegen beide verneigt und beide hatten seinen Gruß erwidert. Bärwald